
Mehrheit der Israelis fürchtet einen erneuten 7.-Oktober-Angriff
JERUSALEM 29.06.2026 (LS) – Fast drei Viertel aller Israelis fürchten, dass sich ein Angriff wie der 7. Oktober wiederholen könnte. Das ergab eine neue Umfrage des israelischen Senders Kanal 12. Bei der Invasion am jüdischen Feiertag „Simchat Thora“ stürmten Tausende Terroristen den Süden Israels, töteten rund 1.200 Menschen und nahmen 251 Geiseln. Seitdem hat Israel Kriege im Gazastreifen, im Libanon, in Syrien und im Iran geführt.
Laut der Umfrage fürchten 74 Prozent der Israelis die Möglichkeit eines erneuten Angriffs vom Ausmaß des Massakers vom 7. Oktober 2023. Nur 20 Prozent geben an, nicht darüber besorgt zu sein. Auch unter Koalitionswählern liegt der Anteil derer, die einen Wiederholungsangriff befürchten, bei 66 Prozent.
Sicherheitslage prägt Politik
72,5 Prozent der Befragten bezweifeln die Aussage von Premierminister Benjamin Netanjahu, Israel habe im Krieg bedeutende Erfolge erzielt und eine existenzielle Bedrohung beseitigt. 56,4 Prozent bewerten sein Kriegsmanagement als „gescheitert“ oder „schlecht“ – nur 26,5 Prozent als „gut“ oder „ausgezeichnet“.
Auf die Frage, ob sich die Sicherheitslage Israels seit dem Angriff zum Guten oder zum Schlechten verändert habe, antworteten 33 Prozent der Befragten mit „zum Schlechten“, weitere 33 Prozent mit „zum Guten“, 27 % gaben an, dass sie sich nicht verändert habe, und 7 % erklärten, sie wüssten es nicht.
Netanjahus Unterstützung ist seit März von 40,5 Prozent auf 29,4 Prozent im Juni abgestürzt. Und auch US-Präsident Donald Trumps Popularität hat in Israel stark gelitten: 71 Prozent der Israelis vertrauen Trump nicht, wenn es darum geht, Israels Interessen im Iran-Deal zu wahren. Nur 11 Prozent sind der Meinung, Israel habe den Krieg gewonnen. Die anstehenden Parlamentswahlen im Herbst könnten daher stark von der Sicherheitslage beeinlusst werden.
Puffer statt Vertrauen
Trotz eines Misstrauens gegenüber der politischen Führung ist die israelische Gesellschaft in Sicherheitsfragen klar positioniert. 64 Prozent befürworten eine dauerhafte israelische Militärpufferzone an der Grenze zu Gaza. 73 Prozent unterstützen eine anhaltende Präsenz der israelischen Armee in der Pufferzone im Südlibanon bis zum Litani-Fluss. 60 Prozent sprechen sich für eine anhaltende israelische Kontrolle im syrischen Grenzgebiet aus.
Eine Mehrheit der Israelis (66 Prozent) unterstützen außerdem die Einleitung einer nationalen Untersuchung der Versäumnisse, die den Angriff erst möglich gemacht haben.
Titelbild: Ein israelischer Soldat besucht den Ort des Nova-Festival-Massakers im Süden Israels. Foto: Tsafrir Abayov/Flash90