
UN Watch: Hillel Neuer wirft Guterres Mitschuld an wachsender Israel-Feindlichkeit der UNO vor
Der Direktor von UN Watch, Hillel Neuer, wirft den Vereinten Nationen eine deutlich verschärfte Voreingenommenheit gegenüber Israel vor. Im Gespräch mit Israel National News erklärte Neuer am Rande der JNS International Policy Conference in Jerusalem, der Umgang der UNO mit Israel sei seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 zunehmend feindselig geworden. Hauptverantwortlich dafür sei UN-Generalsekretär António Guterres.
Vorwurf der Rechtfertigung
Neuer, der seit über zwei Jahrzehnten bei UN Watch tätig ist, erinnerte an Guterres‘ Reaktion unmittelbar nach dem Hamas-Angriff. Der Generalsekretär habe die Massaker zwar verurteilt, zugleich aber erklärt, die Attacken hätten „nicht im luftleeren Raum“ stattgefunden. Damit habe Guterres faktisch eine Rechtfertigung geliefert, da er zahlreiche angebliche palästinensische Beschwerden aufgezählt habe, so Neuer. Diese Aussage habe den Ton gesetzt – UN-Organisationen weltweit würden Israel seither stärker angreifen als je zuvor.
Auch beim jüngsten Konflikt mit dem Iran hätten UN-Gremien ihre Kritik vor allem gegen Israel und die USA gerichtet, während Teheran nicht zur Verantwortung gezogen worden sei. Was aus Guterres‘ Büro komme, bezeichnete Neuer als „schamlose Propaganda“.
Zwischenfall bei Sitzung zu sexueller Gewalt
Scharfe Kritik übte Neuer zudem an einem Vorfall bei einer UN-Sitzung zu sexueller Gewalt in Konflikten. Israels UN-Botschafter Danny Danon habe dort UN-Vertreter angegriffen, nachdem das Büro des Generalsekretärs Israel in einem Bericht auf dieselbe Liste wie die Hamas gesetzt habe. Während Danons Rede habe Vanessa Frazier, UN-Sonderbeauftragte für Kinder und bewaffnete Konflikte, ihn unter Verstoß gegen die UN-Verfahrensordnung unterbrochen und ihn angeschrien. Eine solche Behandlung würde sich die UNO gegenüber Vertretern anderer Staaten nicht erlauben, so Neuer – sie spiegele die Botschaft wider, die Guterres innerhalb der Organisation aussende.
„Wir müssen kämpfen“
Trotz seiner Kritik hält Neuer den diplomatischen Kampf nicht für aussichtslos. Gerade der Iran-Konflikt zeige, wie entscheidend die politische Ebene neben militärischen Erfolgen sei: Wer dort nicht bestehe, könne am Ende trotz militärischer Siege verlieren.
Als Erfolge nannte Neuer die amerikanischen Mittelkürzungen für UNRWA, Schwedens Entscheidung, seine Kernunterstützung für das Hilfswerk einzustellen, einen entsprechenden Beschluss des Schweizer Nationalrats sowie US-Sanktionen gegen die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese, die zudem von 15 Staaten verurteilt worden sei. Israel habe Verbündete, müsse diese aber stärken und seine Position auf internationalen Bühnen weiter vertreten.
UN Watch ist eine 1993 gegründete gemeinnützige Organisation mit Sitz in Genf. Sie beobachtet die Arbeit der Vereinten Nationen und setzt sich nach eigenen Angaben für Menschenrechte, Transparenz und Reformen innerhalb der UNO ein. Ein Schwerpunkt ist die Kritik an antiisraelischer Voreingenommenheit in UN-Gremien. Hillel Neuer ist ein kanadischer Völkerrechtler, Autor und Menschenrechtsaktivist. Er leitet UN Watch seit 2004.
Titelbild: Hillel Neuer, Direktor von UN Watch. Bild: Oliver O’Hanlon/United Nations Watch