
Ayalon wirft USA „Kapitulation“ gegenüber Iran vor
JERUSALEM, 05.07.2026 (DR) – Der frühere israelische Botschafter in den USA, Danny Ayalon, hat die US-Politik gegenüber Iran scharf kritisiert. In einem Interview mit dem israelischen Radiosender 103FM bezeichnete er das „Memorandum of Understanding“ zwischen Washington und Teheran als „massive Kapitulation“ gegenüber dem iranischen Regime.
Ayalon, der früher auch stellvertretender Außenminister Israels war, erklärte, Iran gebe derzeit den Ton an. Die USA würden Teheran wirtschaftlich entgegenkommen, während Washington auf iranische Provokationen nicht ausreichend reagiere. Im Zentrum seiner Kritik stehen die geplante Freigabe beziehungsweise Nutzbarmachung eingefrorener iranischer Gelder und die vorübergehende Lockerung von Sanktionen auf iranische Ölgeschäfte.
Kritik an Trump und Netanjahu
Zu Beginn des Interviews am vergangenen Donnerstag ging Ayalon auch auf Berichte über das Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ein. Nach seiner Einschätzung handele Trump nicht aus persönlicher Freundschaft, sondern aus Eigeninteresse.
Ayalon warf Netanjahu zudem vor, persönliche Interessen im Zusammenhang mit seinem Gerichtsverfahren mit nationalen Interessen vermischt zu haben. Laut der Einschätzung des ehemaligen Botschafters habe Trump dies ausgenutzt.
Hormusstraße und Atomfrage getrennt
Iran habe einen entscheidenden diplomatischen Erfolg erzielt: die Trennung der Frage um die Hormusstraße von der Atomfrage. Damit verschaffe sich das Regime aus seiner Sicht politischen und wirtschaftlichen Spielraum.
Auch internationale Berichte deuten darauf hin, dass die jüngsten technischen Gespräche zwischen den USA und Iran vor allem die Schifffahrt in der Straße von Hormus, Öl-Sanktionen und eingefrorene Gelder betrafen. Die grundlegenden Fragen zum iranischen Atomprogramm blieben dagegen weiter offen.
Das sogenannte „Memorandum of Understanding“ sieht nach bisherigen Berichten eine 60-tägige Phase für weitere Verhandlungen vor. In dieser Zeit sollen unter anderem Sanktionen ausgesetzt und Mechanismen für eine mögliche Freigabe iranischer Vermögenswerte geprüft werden. Iran verpflichtet sich demnach, keine Atomwaffen zu entwickeln; konkrete Schritte zur Begrenzung des Atomprogramms sollen jedoch erst in weiteren Gesprächen festgelegt werden.
Warnung vor Belastung der US-Israel-Beziehungen
Ayalon sprach auch über Israels Verhältnis zu den USA. Die Unterstützung für Israel sei zwar auf Ebene der Präsidenten weiter sichtbar, doch im Kongress und in der amerikanischen Öffentlichkeit sehe er deutliche Warnzeichen.
Israel habe in den vergangenen Jahren Fehler gemacht, so Ayalon. Gleichzeitig verwies er auf gesellschaftliche Veränderungen in den USA, die die Arbeit israelischer Diplomaten erschwerten. Nach seiner Einschätzung müsse Israel auf mehreren Ebenen daran arbeiten, seine Stellung in Washington und in der amerikanischen Öffentlichkeit zu verbessern.
Trotz seiner scharfen Kritik betonte Ayalon, dass die Beziehungen zu den USA repariert werden könnten. Dafür brauche es politische Arbeit, diplomatische Klarheit und ein besseres Verständnis der veränderten Stimmung in den Vereinigten Staaten.
Titelbild: Danny Ayalon. Bild: Yoav Ari Dudkevitch/Flash90