
Iraner werfen dem Regime in Teheran Propaganda vor: „Sie kaufen nur Zeit“
von Alon David
JERUSALEM / TEHERAN, 10.07.2026 – Während das iranische Regime die mehrtägigen Trauerfeiern für den getöteten früheren Obersten Führer Ali Chamenei als Zeichen nationaler Stärke inszeniert, berichten Stimmen aus dem Iran von einem ganz anderen Bild. Mehrere iranische Bürger beschreiben die Zeremonien als Propagandashow und warnen den Westen davor, sich erneut auf Verhandlungen mit Teheran einzulassen.
Laut einem israelischen Medienbericht sehen Kritiker im Land die offiziellen Trauerfeiern nicht als Ausdruck echter Einheit, sondern als Versuch des Regimes, Kontrolle und Geschlossenheit zu demonstrieren. Eine Iranerin bezeichnete den Trauerzug als „Zirkus“ und warf den Machthabern vor, Bilder und Massenaufnahmen gezielt für ihre eigene Propaganda zu nutzen.
Auch aus Maschhad, der Heimatstadt Chameneis, kam scharfe Kritik. Ein Bewohner sagte, viele einfache Bürger hätten sich nicht an den Trauerfeiern beteiligt. Stattdessen seien vor allem regimenahe Kräfte präsent gewesen. Das zeige, wie tief die Kluft zwischen der Bevölkerung und der Islamischen Republik sei.
Ein weiterer Gesprächspartner aus Isfahan berichtete, das Regime habe versucht, Menschen durch kostenlose Verpflegung, Unterkunft und mögliche spätere Vorteile zur Teilnahme an den Trauerfeiern zu bewegen. Trotzdem sei die Mobilisierung deutlich hinter den offiziellen Erwartungen zurückgeblieben.

Iraner warnen den Westen: Das Regime kauft nur Zeit
Besonders deutlich fiel die Warnung mit Blick auf mögliche Gespräche zwischen Teheran und Washington aus. Mehrere Iraner warfen dem Regime vor, Verhandlungen nur nutzen zu wollen, um Zeit zu gewinnen und seine militärischen Fähigkeiten wieder aufzubauen. Ein Bürger aus Teheran sagte sinngemäß, jedes Abkommen mit diesem Regime sei aus Sicht vieler Iraner nicht akzeptabel.
Die Aussagen fallen in eine Phase neuer Spannungen zwischen Iran und den USA. Nach mehrtägigen Trauerprozessionen wurde Chamenei in Maschhad beigesetzt. Während das Regime auf Bilder der Einheit und Stärke setzt, sehen Kritiker im Iran darin vor allem eine politische Inszenierung, die von Repression, Armut und wachsender Unzufriedenheit ablenken soll.
Die Stimmen aus dem Iran zeigen damit ein Bild, das der offiziellen Darstellung aus Teheran widerspricht: Hinter den inszenierten Bildern der Stärke steht ein Land, in dem viele Bürger das Regime nicht als Vertreter des iranischen Volkes sehen, sondern als Ursache seiner Krise.
Titelbild: Hunderttausende beteiligten sich in Teheran an den mehrtägigen Trauerfeiern für den getöteten Obersten Führer Chamenei und forderten Rache. Kritiker sprechen von einer inszenierten Propagandashow. Foto: Morteza Nikoubazl/NurPhoto via Reutersconnect