
Die Indoktrinations-Fabrik – Wie Hisbollah und Iran Libanons Kinder für den Terror rüsten
JERUSALEM, 28.07.2026 (NH) – Während die Welt oft nur auf das Raketenarsenal der Hisbollah blickt, hat die Terrororganisation im Verborgenen eine weitaus langfristigere Bedrohung aufgebaut. Die Miliz errichtete ein paralleles Schulsystem neben dem staatlichen libanesischen Bildungswesen, das darauf ausgerichtet ist, Kinder und Jugendliche von klein auf ideologisch zu prägen und zu radikalisieren. Finanziert durch umfangreiche Geldströme aus Teheran dienen Netzwerke wie die Al-Mahdi- und Al-Mustafa-Schulen nach Einschätzung israelischer Experten als Rekrutierungsbasis für die berüchtigte Radwan-Eliteeinheit der Hisbollah. Die Einrichtungen seien weit mehr als ein soziales Angebot. Sie gelten als tragende Säule der sogenannten „Gesellschaft des Widerstands“, in der schulische Bildung eng mit dschihadistischer Ideologie verknüpft wird.
Die Architektur des Hasses unter iranischer Regie
Col. (ret.) Dr. Jacques Neriah, ehemaliger israelischer Geheimdienstoffizier und Berater des früheren Premierministers Jitzchak Rabin, beschreibt das Schulsystem der Hisbollah als Instrument des „Societal Engineering“, mit dem eine ideologisch homogene dschihadistische Gesellschaft geschaffen werden solle. Nach seinen Angaben wird in den Schulen die libanesische Nationalhymne systematisch durch das Lied „Salam Ya Mahdi“ ersetzt, das die Loyalität gegenüber dem iranischen Regime zum Ausdruck bringt. Diese gezielte Entfremdung von der nationalen Identität diene dazu, Israel dauerhaft als religiösen und politischen Todfeind zu verankern.
Bereits 2025 wurde auf Lehrerkonferenzen im Südlibanon deutlich, dass die Hisbollah Berufsverbände nutzt, um ihre Waffenpropaganda gezielt in die Klassenzimmer zu tragen. Lehrmaterialien in den Einrichtungen normalisierten den Hass auf den Westen und verwendeten antisemitische Narrative, um die Identität der Kinder zu prägen.

Waffen statt Feen
Die systematische Radikalisierung von Kindern lässt sich über Jahre hinweg dokumentieren. Bereits 2014 zeigte das „Mahdi-Magazin“, dass Kindern Sturmgewehre und Handgranaten zum Ausmalen vorgelegt wurden. In weiteren Publikationen müssen bereits Vierjährige Wege durch israelische Minenfelder finden. Anstelle von Geschichten über Feen oder Prinzen werden Kinder mit Figuren konfrontiert, die Selbstmordattentate als Heldentaten darstellen. Berichte aus dem Jahr 2019 über die sogenannte „Bildungsmobilisierung“ dokumentierten zudem, dass Schüler bereits im Alter von 16 Jahren gezielt in militärische Einheiten überführt werden. Kritiker sehen darin den Versuch, den bewaffneten Kampf tief im Denken der Kinder zu verankern und dadurch eine spätere Entwaffnung künftiger Generationen nahezu unmöglich zu machen. Während Bildungseinrichtungen Kinder eigentlich vor Gewalt schützen sollten, werde der dschihadistische Kampf als oberstes Lebensziel vermittelt. Die Aufopferung für den „Widerstand“ werde dabei als höchster moralischer Wert dargestellt.
Nazi-Ideologie im Klassenzimmer
Wie tief diese Indoktrination reicht, zeigte ein schockierender Fund der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) im libanesischen Dorf at-Tayyiba. Soldaten der 7. Brigade entdeckten in einem Privathaus Zeichnungen Adolf Hitlers, die nach Einschätzung der Armee Teil einer Schulmappe waren. Die mit dem Namen „Hassan Haidar“ signierten Zeichnungen wertet die IDF als Hinweis darauf, dass nationalsozialistische Symbolik und antisemitische Inhalte in Schulen unter der Schirmherrschaft der Hisbollah vermittelt werden. Solche Funde verdeutlichten nach israelischer Darstellung, dass die Erziehung auf systematischem Antisemitismus und ideologischer Indoktrination beruhe.
Aus israelischer Sicht stellt diese Form der Erziehung eine langfristige Bedrohung für die regionale Sicherheit dar und opfert die Zukunft der libanesischen Jugend einem dunklen, extremistischen Kult. Statt Kindern Perspektiven für ein friedliches Leben zu eröffnen, würden sie für einen ewigen Krieg gegen Israel ausgerüstet.
Titelbild: Libanesische Kinder halten Hisbollah-Flaggen in den Händen und erinnern in den südlichen Vororten von Beirut an den Jahrestag des Rückzugs Israels aus dem Südlibanon im Jahr 2000. Foto: Raghed Waked/Reuters