
Israel warnt vor ausländischer Einflussnahme auf Knessetwahl
JERUSALEM, 28.07.2026 (DR) – Der Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, David Zini, hat vor Versuchen ausländischer Staaten gewarnt, die bevorstehende Knessetwahl zu beeinflussen. Als größte Gefahr gilt demnach Iran. Auch Russland und China könnten versuchen, auf die Wahl einzuwirken. Zini stellte am Montag einem vertraulich tagenden Unterausschuss der Knesset Erkenntnisse zu möglichen Einflussversuchen vor. Dabei ging es auch um verdeckte Geldströme zur Finanzierung politischer Aktivitäten.
Konkrete Erkenntnisse bleiben geheim
Öffentlich wurden bislang nur Teile von Zinis Einschätzung bekannt. Die Geheimdienstinformationen blieben unter Verschluss. Daher fehlen konkrete Angaben zu beteiligten Konten, Plattformen, Organisationen und den in diesem Fall eingesetzten Methoden. Solche Kampagnen können das Vertrauen in die Wahl und staatliche Institutionen schwächen sowie Konflikte innerhalb der israelischen Gesellschaft verschärfen.
Bereits vor der Sitzung hatten ranghohe Vertreter israelischer Sicherheitsbehörden von mutmaßlichen Einflussaktivitäten aus der Türkei berichtet. Konkrete Einzelheiten wurden dazu bisher nicht bekannt. Auch blieb offen, wer dahintersteht und ob die türkische Regierung beteiligt ist.
Kampagnen gegen Israel dokumentiert
Iranische Einflussversuche gegen Israel sind seit Jahren bekannt. Laut Staatskontrolleur Matanyahu Englman nutzen feindliche Akteure, allen voran Iran, soziale Medien, um Angst zu verbreiten, gesellschaftliche Spannungen zu verschärfen und die Wahrnehmung aktueller Ereignisse zu manipulieren. Auch Fachleute des israelischen Instituts für Nationale Sicherheitsstudien INSS haben russische Kampagnen gegen die israelische Öffentlichkeit dokumentiert. Dabei seien gefälschte Medienberichte und erfundene Profile eingesetzt worden, um unter anderem Israels Beziehungen zu westlichen Staaten zu belasten.
KI erleichtert Einflusskampagnen
Künstliche Intelligenz verschärft die Bedrohung. Mit ihr lassen sich gefälschte Bilder, Stimmen, Videos und glaubwürdig wirkende Nutzerprofile schnell und in großer Zahl erstellen. Dadurch können ausländische Akteure irreführende Inhalte leichter verbreiten und deren Herkunft verschleiern. Bei Wahlen in den USA und der Slowakei kamen bereits KI-generierte Falschinformationen zum Einsatz. Kurz vor der slowakischen Parlamentswahl 2023 erschwerte der späte Zeitpunkt einer manipulierten Tonaufnahme eine rechtzeitige Widerlegung; ein Einfluss auf das Wahlergebnis ist jedoch nicht belegt.
Staatliche Koordination fehlt
Trotz der bekannten Bedrohung gibt es weder eine umfassende nationale Strategie noch eine staatliche Stelle, die den behördenübergreifenden Umgang mit ausländischer Einflussnahme koordiniert. Das geht aus einem Bericht des Staatskontrolleurs von Anfang Juli hervor.
Angesichts dieser Lücken rief Präsident Isaac Herzog die Behörden zu entschlossenem Handeln auf. Zugleich forderte er die Bevölkerung auf, Inhalte vor dem Teilen sorgfältig zu prüfen.
Titelbild: Ein Mann gibt in einem israelischen Wahllokal seine Stimme ab, Symbolbild. Bild: Liron Moldovan/Flash90