
Hamas verlegt verdeckte Einheiten von Katar in die Türkei
JERUSALEM 06.08.2026 (LS) – Nach wachsendem Druck Katars auf die Terrororganisation verlagert Hamas ihre gesamten verdeckten Einheiten in die Türkei, während Doha weiterhin die öffentliche Führung beherbergt. Ein Schritt, der Ankaras Rolle als zentralen Hamas-Hafen weiter zementiert.
Katar schränkt Hamas-Aktivitäten ein – Türkei gilt als sicherer Standort
Katars Behörden haben begonnen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Aktivitäten der Hamas-Führung auf seinem Territorium einzuschränken. Nach neuen Direktiven müssen Hamas-Funktionäre für jedes offizielle Treffen in Doha vorab die Genehmigung von Katars Behörden einholen. Der Auslöser: Katar missbilligte Hamas‘ Entscheidung, Khalil al-Hayya anstelle des katarfreundlichen Khaled Mashaal als neuen Anführer des Politbüros einzusetzen. Al-Hayya, der als Hamas-Chefunterhändler während des Gaza-Krieges diente, wurde am 20. Juli zu seiner neuen Position gewählt.
Hamas bereitet sich nun darauf vor, seine gesamten verdeckte Operationseinheiten – einschließlich Planungs- und Cybereinheiten – von Katar in die Türkei zu verlagern, während die politische Führung formal in Doha ansässig bleibt. Ein Hamas-Insider erklärte gegenüber Asharq Al-Awsat, die Türkei gelte nun als sichererer Standort – da Israel keine Luftangriffe auf türkischem Territorium durchführen kann, allenfalls gezielte Attentate auf andere Weise.
Die Türkei unterhält seit Langem enge Kontakte zur Hamas: Außenminister Hakan Fidan traf im März eine Hamas-Delegation unter Khalil al-Hayya in Ankara. Präsident Recep Tayyip Erdoğan empfing im April eine weitere Delegation in Istanbul und Geheimdienstchef İbrahim Kalın traf al-Hayya bereits im Januar. Anders als die USA und die EU stuft die Türkei Hamas nicht als Terrororganisation ein.
Westjordanland-Hauptquartier, Trainingseinheiten, Cyberoperationen
Die Verlagerung in die Türkei ist nicht neu – sie ist eine Beschleunigung eines bereits laufenden Prozesses. Die Hamas-Niederlassung in der Türkei, die als „Westjordanland-Hauptquartier“ bekannt ist, hat bereits in den vergangenen Monaten Terrornetzwerke für Anschläge auf Israel aufgebaut, Gelder für Terroraktivitäten transferiert und Trainingseinheiten für Hamas-Terroristen auf türkischem Boden betrieben.
Israelische Behörden beschreiben die Türkei als „bequemes Operationsgebiet für Hamas-Mitglieder, gegenwärtig und in der Vergangenheit“. Europäische Geheimdienste untersuchen zudem mögliche Hamas-Verbindungen zu Personen, die durch türkisches Territorium reisen. Im November 2025 verhafteten deutsche Behörden einen prominenten Hamas-Netzwerker, Burhan al-Khatib, nach einem Aufenthalt in der Türkei.
Für Israel und seine Verbündeten bedeutet dies: Während Katar unter internationalem Druck die Zügel leicht anzieht, übernimmt die Türkei – ein NATO-Mitglied – die Funktion des operativen Hauptquartiers einer Terrororganisation.
Titelbild: Türkische Organisationen sind bereits im Gazastreifen aktiv. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90