
Israel übernimmt größtes U-Boot seiner Flotte aus Deutschland
JERUSALEM, 06.08.2026 (DR) – Der deutsche Schiffbauer ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) hat der israelischen Marine ihr bislang größtes U-Boot übergeben. Die Übergabe der INS „Drakon“ fand am 22. Juli in Kiel ohne öffentliche Zeremonie statt. Einen Tag später lief das Boot unter israelischer Flagge zu weiteren Erprobungen in der Kieler Bucht aus.
Die „Drakon“ ist Israels sechstes U-Boot der Dolphin-Familie. Die ersten drei Boote gehören zur älteren Generation. Danach folgten „Tanin“ und „Rahav“; die „Drakon“ ist nun das dritte und letzte Boot der neueren Dolphin-AIP-Reihe.
Drei U-Boote der neuen Dakar-Klasse sollen in den kommenden Jahren folgen. Sie erweitern die Flotte langfristig nicht auf neun Boote, sondern ersetzen nach und nach die drei ältesten Dolphin-U-Boote.
Verdeckter Einsatz statt offener Seekrieg
Die Beschaffung ist keine kurzfristige Reaktion auf die aktuelle Sicherheitslage. Israel bestellte das U-Boot bereits 2012. Zudem erfüllen U-Boote Aufgaben, die weit über den Kampf gegen feindliche Schiffe hinausgehen.
Nach Angaben der israelischen Armee (IDF) spielt die U-Boot-Flottille eine wichtige Rolle bei geheimer Informationsbeschaffung und offensiven Einsätzen. Der außenluftunabhängige Antrieb der „Drakon“ ermöglicht längere Tauchfahrten, ohne dass das Boot zur Stromerzeugung Außenluft aufnehmen muss. Die Boote können lange unentdeckt und weit von Israels Küste entfernt operieren. Die Marine bezeichnet sie deshalb als strategischen „langen Arm“ der IDF. Konkrete Einsätze bleiben überwiegend geheim.
Mehr Platz, aber kaum Details zur Ausstattung
Mit einer Länge von mehr als 70 Metern ist die „Drakon“ größer als alle bisherigen israelischen U-Boote. Der größere Rumpf bietet mehr Platz für die Besatzung, zusätzliche Ausrüstung und mögliche Waffensysteme.
Welche Systeme und Waffen sich tatsächlich an Bord befinden, haben Israel und TKMS nicht offengelegt. Das israelische Verteidigungsministerium spricht lediglich von einzigartigen Systemen und neuen Technologien, die Israels Einsatzmöglichkeiten erweitern.
Deutschland finanziert weitere U-Boote mit
Deutschland hat bereits den Bau der Dolphin-U-Boote mit Staatsmitteln unterstützt. Auch an den drei künftigen U-Booten der Dakar-Klasse soll sich die Bundesregierung beteiligen und rund ein Fünftel der Kosten übernehmen.
Die Bundesregierung begründet ihre Unterstützung israelischer Sicherheitsinteressen mit Deutschlands historischer Verantwortung und der besonderen Verpflichtung für Israels Sicherheit. Da die U-Boote in Kiel gebaut werden, fließen die Mittel zugleich in einen Auftrag an die deutsche Werftindustrie.
Auch der Name verbindet Gegenwart und Geschichte. „Drakon“ bedeutet Drache, enthält im Hebräischen aber auch die Buchstaben des Namens „Dakar“. Die INS „Dakar“ verschwand 1968 auf dem Weg nach Israel mit ihrer 69-köpfigen Besatzung. Ihr Wrack wurde erst 31 Jahre später gefunden.
Titelbild: Die INS „Drakon“ während einer Werfterprobung vor der Übergabe an Israel. Kiel, Juli 2025. Bild: Marco Kuntzsch/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0