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Byzantinischer Wein aus dem Negev: Archäologe erweckt 1.300 Jahre alte Rebsorten zum Leben

JERUSALEM, 07.08.2026 (LS) – Durch den Fund von sieben Jahrhunderte alten Traubenkernen, die bei Ausgrabungen im Nationalpark Avdat im Negev entdeckt wurden, hat der Archäologe Lior Schweimer der israelischen Natur- und Parkbehörde zwei antike Rebsorten wieder zum Leben erwecken können. Er stellte damit einen Wein her, den die Welt seit über 1.300 Jahren nicht mehr getrunken hat.

Traubenkerne aus dem 7. Jahrhundert

Die Geschichte beginnt mit einer archäologischen Ausgrabung in Avdat zwischen 2017 und 2019. Gut erhaltene verkohlte Traubenkerne aus dem 7. Jahrhundert nach Christus wurden von Prof. Guy Bar-Oz von der Universität Haifa entdeckt und zur Universität Tel Aviv zur genetischen Analyse geschickt. Ein Kern erwies sich als Vorfahre der Syriki-Sorte. Dies ist eine kleine schwarze Traube, die noch heute in Klöstern des Libanon und Griechenlands getrunken wird. Ein weiterer gehörte zur weißen Sorte Ba’ar.

Schweimer besorgte sich Ableger von Syriki und Ba’ar aus verwilderten Pflanzen in der Gegend der Gazagrenze, einst Teil desselben riesigen Weinanbaugebiets, das Avdat einschloss. Nach genetischer Bestätigung pflanzte er sie im September 2023 auf den restaurierten 1.500 Jahre alten Terrassen von Avdat. Eine dritte Sorte, Dabouki – die wichtigste historische Rebsorte Südisraels – ergänzte das Projekt.

Schneller Wuchs ohne Krankheiten

Die Ergebnisse überraschten selbst den erfahrenen Archäologen. Die antiken Sorten wuchsen doppelt so schnell wie die modernen Chardonnay- und Sauvignon-Reben derselben Region – ohne Krankheiten und ohne chemische Behandlung. Nach zwei Jahren trugen sie Früchte. Drei lokale Negev-Winzer übernahmen die Produktion: Tsur Shezaf und Boaz Dreyer kelterten die Syriki und Ba’ar, Gidi Talmor die Dabouki. Es wurden keine moderne Zusatzstoffe wie Industriehefe oder Sulfite benutzt.

Als Schweimer die 300 Flaschen in Tel Aviv 20 Weinexperten bei einer Blindverkostung vorlegte, war die Reaktion eindeutig: „Sie konnten nicht genau identifizieren, was es war – niemand hatte es seit 1.300 Jahren getrunken – aber sie sagten, es sei sehr ausgewogen, mit etwas zu viel Alkohol. Es ist kein Getränk, mit dem man danach fahren sollte.“

Die Dabouki erwies sich als wenig beeindruckend. Sie wurde historisch vor allem als Tafeltraube und für Spirituosen genutzt. Ba’ar und Syriki hingegen „verbessern sich kontinuierlich mit der Zeit“ und gelten als die eigentliche Entdeckung des Projekts.

Ein Schatz für die Weinwelt – und für den Klimawandel

Die Bedeutung des Projekts geht weit über archäologische Neugier hinaus. Schweimer sieht die antiken Sorten als mögliche Antwort auf den Klimawandel, der moderne Weinreben weltweit unter Druck setzt: Sorten, die in der Wüste gedeihen und ohne viel Wasser und Krankheitsschutz auskommen, könnten für Weinbauern in aller Welt von Interesse sein.

Ab nächstem Jahr sollen Flaschen im Laden des Avdat-Nationalparks erhältlich sein, innerhalb von drei bis vier Jahren auch kommerziell – wenn lokale Winzer die Sorten in ihre Felder integrieren. Das Projekt wurde inzwischen auch auf den benachbarten Nationalpark Shivta ausgeweitet. Im Mai wurde der Negev offiziell als internationale Weinregion anerkannt.

Titelbild: Der Weingberg im Avdat Nationalpark. Foto: Mahmoud Elziat / Israel Nature and Parks Authority (INPA)

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