
Mladenow verteidigt Gaza-Plan trotz Netanjahus Ablehnung
JERUSALEM, 11.08.2026 (DR) – Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den jüngsten 15-Punkte-Plan des von US-Präsident Donald Trump geführten Board of Peace für Gaza zurückgewiesen. Umstritten ist vor allem die Abfolge der Umsetzung: Israel verlangt die vollständige Entwaffnung der Hamas vor einem Rückzug. Der Plan koppelt dagegen nachgewiesene Fortschritte bei der Entwaffnung an einen schrittweisen israelischen Abzug. Der Friedensrat hält trotz Netanjahus Ablehnung daran fest. Nach Angaben eines Vertreters laufen die Gespräche mit Israel über die Umsetzung weiter.
Mladenow setzt auf Kontrolle statt Vertrauen
Der Gaza-Beauftragte des Friedensrats, Nikolaj Mladenow, verteidigte das Konzept im israelischen Fernsehen. Grundlage sei nicht Vertrauen, sondern Überprüfung. Nur wenn alle Seiten akzeptierten, dass jeder Schritt verifiziert und schrittweise umgesetzt werde, bestehe überhaupt eine Chance auf Erfolg. Waffen sollen eingesammelt, gesichert und unbrauchbar gemacht werden. Erst nach bestätigten Fortschritten würde Israel einzelne Gebiete räumen.
Die Hamas soll zugleich die Kontrolle an das National Committee for the Administration of Gaza (NCAG) abgeben. Das palästinensische Technokraten-Gremium arbeitet unter Aufsicht des Board of Peace. Mladenow hob zudem die Vermittlerrolle Ägyptens, Katars und der Türkei hervor. Gerade Katar und die Türkei sorgen in Israel jedoch für Vorbehalte: Beide Staaten haben über Jahre hochrangige Hamas-Funktionäre beherbergt; Katar ist zudem Sitz des politischen Büros der Terrororganisation.
Mladenow betonte außerdem, der Plan schränke Israels Möglichkeit nicht ein, auf unmittelbare Gefahren militärisch zu reagieren. Die Zerstörung des Hamas-Tunnelsystems könne mit bisherigen Methoden mehr als zehn Jahre dauern. Mit Unterstützung des Board of Peace könne dies deutlich schneller gelingen. Eine konkrete Zeitspanne nannte er nicht.
Rafah-Rückzug gestoppt
Nach einem Bericht von Channel 12 hatte Netanjahu zuvor einen begrenzten Pilot-Rückzug der israelischen Armee (IDF) aus drei Gebieten nahe Rafah gebilligt. Kurz vor seiner öffentlichen Ablehnung des Plans stoppte er den Schritt jedoch. Das Büro des Ministerpräsidenten äußerte sich dazu zunächst nicht.
Ein hochrangiger US-Vertreter spielte Netanjahus Äußerungen gegenüber Channel 12 als wahlkampfbedingt herunter. Die israelische Parlamentswahl ist für den 27. Oktober angesetzt.
Auf palästinensischer Seite fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Hamas-nahe Kommentatoren rechnen mit internationalem Druck auf Israel. Ein nicht der Hamas nahestehender palästinensischer Gesprächspartner der Jerusalem Post erklärte dagegen, die Terrororganisation habe auf eine israelische Ablehnung gehofft, um ihre Entwaffnung hinauszuzögern.
Uganda billigt möglichen Gaza-Einsatz
Unterdessen hat Ugandas Parlament einem möglichen Einsatz eigener Soldaten in der geplanten International Stabilization Force zugestimmt. Trump hatte Präsident Yoweri Museveni im Juli um eine Beteiligung gebeten.
Damit nimmt ein weiterer Baustein des Gaza-Plans konkrete Formen an. Ob der Gesamtplan umgesetzt werden kann, hängt jedoch weiterhin von der Hamas-Entwaffnung und dem israelischen Rückzug ab. Mladenow bezeichnet die vollständige Umsetzung als einzige Garantie dafür, dass sich ein Angriff wie der vom 7. Oktober 2023 nicht wiederholt.
Titelbild: Nikolaj Mladenow bei einer Pressekonferenz im Jahr 2018. Bild: Wissam Nassar/Flash90