
Al-Hayya stärkt Hamas-Verbindungen über Gaza hinaus
JERUSALEM, 30.08.2026 (DR) – Khalil al-Hayya, ein hochrangiger Funktionär der palästinensischen Terrororganisation Hamas und Mitglied ihrer politischen Führung, hat seit seiner Wahl zum Hamas-Anführer die regionalen Kontakte der Terrororganisation ausgebaut. Trotz schwerer militärischer Schläge bleibt die Hamas an Gesprächen über Gazas Zukunft beteiligt.
Kontakte zu Regionalmächten
Als politischer Hauptvertreter der Hamas nach außen führt al-Hayya Gespräche mit internationalen Vermittlern. So traf er am 16. August in Ägypten den US-Unterhändler Jared Kushner. Vertreter Ägyptens, Katars und der Türkei nahmen ebenfalls teil. Im Mittelpunkt standen die Entwaffnung der Hamas, ein israelischer Rückzug aus Gaza und die Übergabe der Verwaltung an ein palästinensisches Technokratenkomitee.
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Reihenfolge: Al-Hayya knüpfte die Entwaffnung an einen israelischen Rückzug. Israel verlangt dagegen die Entwaffnung vor weiteren Abzügen.
Irans Präsident Massud Peseschkian sicherte al-Hayya Unterstützung in den Gaza-Verhandlungen zu. Auch der türkische Außenminister Hakan Fidan und Geheimdienstchef Ibrahim Kalin führten Gespräche mit ihm.
Kan berichtete unter Berufung auf palästinensische Quellen, die Hamas wolle verdeckte Planungs- und Cyberabteilungen von Katar in die Türkei verlegen. Katar habe die Aktivitäten der Hamas-Führung eingeschränkt. Die öffentlich auftretende Führung soll jedoch in Doha bleiben.
Hamas-Verwaltung nimmt Millionen ein
Trotz ihrer militärischen Verluste verfügt die Hamas im Gazastreifen weiterhin über administrative Strukturen. Im Juli löste sie ihre De-facto-Regierung offiziell auf und kündigte die Übergabe an eine Technokratenverwaltung an. Nach Recherchen von Reuters blieben jedoch Ministerien, Personal sowie Teile der Polizei- und Sicherheitsstrukturen bestehen.
Nach einer Untersuchung von AP erhebt die Hamas-Verwaltung auf gemeldete Schmuggelware bis zu 20 Prozent Abgaben. Bei entdeckten, nicht gemeldeten Gütern können es bis zu 80 Prozent sein. Zwei ranghohe Verwaltungsvertreter schätzten die Einnahmen seit Beginn der Waffenruhe im Oktober 2025 auf bis zu 100 Millionen Dollar. Wegen des verdeckten Handels liegt keine genaue Abrechnung vor.
Das Medienbüro der Hamas-Regierung erklärte, die Einnahmen dienten öffentlichen Diensten und Gehältern von Verwaltungs- und Polizeikräften, nicht dem militärischen Arm. Ynet zufolge bezahlt die Organisation weiterhin Zehntausende Beschäftigte.
Bündnis für palästinensische Wahlen
Für die am 28. November angesetzten Parlamentswahlen verhandelt die Hamas nach Angaben palästinensischer Quellen über eine gemeinsame Liste mit dem Islamischen Dschihad und der Strömung des früheren Fatah-Funktionärs Mohammed Dahlan. Eine Vereinbarung gibt es bislang nicht.
Ob die ersten palästinensischen Parlamentswahlen seit 2006 tatsächlich stattfinden, ist offen. Bereits die für 2021 angesetzte Abstimmung wurde verschoben. Laut einer Umfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research erwarten 44 Prozent der Befragten im Gazastreifen sowie in Judäa und Samaria keine fristgerechte Abstimmung. Zwei Drittel rechnen nicht mit freien und fairen Wahlen.
Titelbild: Khalil al-Hayya (Mitte) bei einem Treffen einer Hamas-Delegation mit dem damaligen iranischen Obersten Führer Ali Chamenei am 8. Februar 2025 in Teheran. Foto: Khamenei.ir/Wikimedia Commons, CC BY 4.0