
Israel greift syrischen Flugplatz an – Warnsignal an Türkei
JERUSALEM, 20.08.2026 (DR) – Israel hat den syrischen Militärflugplatz Abu al-Duhur mit acht Luftschlägen angegriffen. Nach eigenen Angaben wollte Israel damit eine Stationierung türkischer Truppen auf dem Stützpunkt verhindern. Die Angriffe trafen laut syrischen Staatsmedien die Startbahn und Lageranlagen. Opfer wurden bislang nicht gemeldet.
Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, Syrien habe kurz davor gestanden, einen mit Israel vereinbarten „Status quo“ in Sicherheitsfragen zu verletzen. Israel habe Damaskus mehrfach gewarnt, eine türkische Stationierung bedrohe seine Sicherheit und werde nicht hingenommen. Obwohl es bereits Gespräche zwischen Israel und Syrien über Sicherheitsfragen gab, ist bislang kein umfassendes Sicherheitsabkommen zustande gekommen.
Türkische Delegation kurz vor Angriff
Nur Stunden vor den Angriffen hatte eine türkische Delegation den Flugplatz besucht. Zwei syrische Regierungsvertreter erklärten gegenüber AP, die Delegation habe am Montag die Anlage besichtigt. Es war die erste bestätigte türkische Präsenz auf Abu al-Duhur. Ankara bestätigte den Besuch bislang nicht.
Israel befürchtet seit längerem, türkisches Militärpersonal und Militärtechnik auf syrischen Stützpunkten könnten die Operationsfreiheit seiner Luftwaffe einschränken. Besondere Sorge gilt Radarsystemen, die israelische Flugzeuge über große Entfernungen erfassen könnten. Abu al-Duhur liegt rund 70 Kilometer östlich der türkischen Grenze und wird seit 2013 nicht mehr als regulärer Militärflugplatz genutzt.
Damaskus widerspricht Israels Darstellung
Bereits am 14. August soll Mossad-Chef Roman Gofman mit Syriens Außenminister Asaad al-Schaibani über die türkische Militärpräsenz gesprochen haben. Reuters beruft sich auf drei mit dem Vorgang vertraute Personen. Beide Seiten haben das Gespräch bislang nicht bestätigt.
Die jüngste Erklärung aus Damaskus verschärft den Widerspruch zur israelischen Darstellung: Al-Schaibani erklärte am Mittwoch gegenüber Axios, Syrien habe Israel bereits vor dem Angriff darüber informiert, dass weder eine türkische Basis noch eine dauerhafte Stationierung türkischer Truppen auf Abu al-Duhur geplant sei. Der Flugplatz werde für die syrische Luftwaffe wiederhergestellt. Jerusalem reagierte auf diese Darstellung bislang nicht öffentlich.
Auch Ankara wies Israels Vorwürfe zurück. Die türkische Regierung erklärte, Jerusalem wolle damit seine Angriffe auf Syrien rechtfertigen. Zu konkreten Plänen für eine dauerhafte Stationierung auf Abu al-Duhur äußerte sie sich jedoch nicht ausdrücklich.
Barrack warnt vor direkter Konfrontation
Der Einsatz barg jedoch ein weiteres Risiko: Der US-Sondergesandte für Syrien und zugleich US-Botschafter in der Türkei, Tom Barrack, warnte vor einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Israel und der Türkei. Ankara sei nicht über Ziel und Zweck der Operation informiert gewesen und hätte die nordwärts fliegenden israelischen Maschinen für eine Bedrohung halten und eigene Kampfjets aufsteigen lassen können.
Kommunikationswege bestehen bereits: Israel und die Türkei richteten 2025 einen Kanal zur Vermeidung von Zwischenfällen in Syrien ein. Die USA vermitteln zudem einen Informations- und Dialogmechanismus. Barrack drängt nun auf eine deutlich robustere, dauerhaft besetzte Abstimmungsstruktur zwischen Israel und Syrien, an der die Türkei direkt oder indirekt beteiligt werden könnte.
Titelbild: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einem Besuch israelischer Truppen in der syrischen Pufferzone im November 2025. Israel sieht eine mögliche türkische Militärpräsenz in Syrien als Sicherheitsrisiko. Bild: Kobi Gideon/GPO