
Syrien und Israel nehmen Sicherheitsgespräche wieder auf
JERUSALEM, 24.08.2026 (DR) – Israel und Syrien haben ihre Sicherheitsgespräche unter Vermittlung der USA wieder aufgenommen. Syriens Außenminister Asaad al-Schaibani und Mossad-Chef Roman Gofman trafen sich am Sonntag in Jordanien. Nach syrischer Darstellung ging es um die jüngsten Spannungen und Möglichkeiten, weitere militärische Zusammenstöße zu verhindern. Israel äußerte sich zunächst nicht offiziell zu dem Treffen.
Am Samstag hatte al-Schaibani gegenüber Reuters erklärt, Damaskus vertraue Israel derzeit nicht, rechne aber mit einer baldigen Wiederaufnahme der Gespräche. Die Verhandlungen über ein Sicherheitsabkommen ruhten seit Beginn des Iran-Kriegs. Nach dem israelischen Angriff auf den Militärflugplatz Abu al-Duhur brach auch der direkte Kontakt vorübergehend ab.
Damaskus fordert israelischen Rückzug
Al-Schaibani warf Israel vor, eine Einigung verhindert zu haben. Nach seiner Darstellung hätten sich beide Seiten Anfang des Jahres schriftlich über fast alle Punkte eines Sicherheitsabkommens verständigt. Eine israelische Bestätigung liegt nicht vor.
Das mögliche Abkommen soll mehrere Sicherheitszonen im Süden Syriens schaffen. In einer Pufferzone sollen demnach ausschließlich UNO-Kräfte stehen. Syrische Einheiten könnten in anderen Gebieten nur begrenzt eingesetzt werden.
Damaskus fordert zudem ein Ende israelischer Luftangriffe und den Rückzug aus Gebieten, die israelische Truppen nach dem Sturz Baschar al-Assads im Dezember 2024 besetzten. Dabei handelt es sich nicht um den israelischen Golan. Frieden und die Zukunft des Golans wären al-Schaibani zufolge spätere Themen.
Netanjahus Büro: Syrien drohte Status quo zu brechen
Israel begründet seine Präsenz im Grenzgebiet mit dem Schutz seiner Bevölkerung. Nach Assads Sturz erklärte Jerusalem das Entflechtungsabkommen von 1974 für zusammengebrochen. Zudem misstraut Israel der Führung unter Ahmed al-Scharaa. Der frühere Anführer der islamistischen HTS-Miliz entstammt der einstigen Al-Qaida-Niederlassung al-Nusra-Front.
Nach dem Angriff erklärte das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, beide Länder hätten einen sicherheitspolitischen Status quo vereinbart. Damaskus habe diesen durch eine geplante türkische Stationierung beinahe verletzt. Israel habe Syrien wiederholt gewarnt; die Führung in Damaskus habe die Warnungen jedoch ignoriert.
Angriff als Warnsignal an Ankara
Israelischen Informationen zufolge wollte Ankara in Abu al-Duhur Soldaten sowie Radar- und Luftabwehrsysteme stationieren. Solche Anlagen könnten Israels militärische Handlungsfreiheit über Syrien einschränken. Syrien und die Türkei bestritten entsprechende Pläne.
Verteidigungsminister Israel Katz widersprach US-Sondergesandtem Tom Barrack, der ein mögliches Wahlkampfmotiv hinter dem Angriff vermutet hatte. Barrack arbeitet inzwischen an einem Mechanismus zur Verhinderung unbeabsichtigter Zusammenstöße zwischen den drei Staaten.
Titelbild: Syriens Außenminister Asaad al-Schaibani, Ausschnitt. Bild: Regierung der Russischen Föderation/Wikimedia Commons/CC BY 4.0