
Israel plant eine der weltweit größten Entsalzungsanlagen
JERUSALEM, 28.08.2026 (TPS-IL/DR) – Israel will eine der weltweit größten Meerwasserentsalzungsanlagen bauen. Das geplante Werk im Industriegebiet Emek Hefer soll jährlich 400 Millionen Kubikmeter Wasser liefern. Das entspricht nach Angaben des Finanzministeriums rund 40 Prozent des jährlichen Süßwasserverbrauchs israelischer Haushalte und der Industrie.
400 Millionen Kubikmeter pro Jahr
Die Anlage soll auf einer Fläche von rund 20 Hektar nahe Netanja entstehen. Die nationale Infrastrukturplanung umfasst die Meerwasserentnahme, die Entsalzung und Aufbereitung sowie den Anschluss an Israels landesweites Wassernetz.
Die Projektunterlagen sehen zudem die Möglichkeit vor, ein konventionelles Gaskraftwerk mit bis zu 300 Megawatt Leistung zu errichten. Es soll den hohen Strombedarf der Anlage decken. Die Ausschreibung soll strenge Vorgaben für Wasserqualität, Energieeffizienz, Zuverlässigkeit, Umweltschutz und moderne Technologien enthalten.
Der Leiter der Wasserbehörde, Yehezkel Lipshitz, bezeichnete das Vorhaben als „gute Nachricht für die Wasserwirtschaft und die Bürger Israels“. Es solle den langfristig wachsenden Bedarf von Bevölkerung, Landwirtschaft und Industrie decken.
Privater Betreiber für 25 Jahre
Das Projekt wird als öffentlich-private Partnerschaft umgesetzt. Der spätere Konzessionär soll die Anlage planen, finanzieren, bauen und anschließend 25 Jahre lang betreiben und warten. Nach Schätzungen von Fachleuten, die Calcalist befragte, dürfte das Gesamtprojekt einschließlich des möglichen Gaskraftwerks fünf bis sechs Milliarden Schekel (ca. 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro) kosten.
Bislang hat das Finanzministerium allerdings noch nicht die eigentliche Ausschreibung veröffentlicht. Zunächst werden die finanziellen, technischen und fachlichen Fähigkeiten interessierter Bewerber aus Israel und dem Ausland geprüft. Die Vorqualifikationsphase soll etwa sechs Monate dauern. Rund zwei Monate später werde voraussichtlich die endgültige Ausschreibung veröffentlicht.
Widerstand gegen Standortplanung
Das Planungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Der Regionalrat warnt vor Schäden an Agrar- und Freiflächen, Lärm sowie zusätzlicher Luftverschmutzung durch das mögliche Gaskraftwerk. Auch Leitungen und Speicher nahe den Ortschaften sorgen für Widerstand. Der Rat verlangt, das Vergabeverfahren bis zur Entscheidung über die Einwände auszusetzen. Laut Ministeriumsvertretern sollen die endgültigen Bedingungen an die Beschlüsse der Planungskommission angepasst werden.
Jordanien zwischen Rückzug und möglicher Rückkehr
Ursprünglich war Jordanien Teil des gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten geplanten Projekts „Prosperity Blue“. Israel sollte dem Königreich entsalztes Wasser liefern. Im Gegenzug sollte der emiratische Staatskonzern Masdar in Jordanien einen Solarpark errichten und den erzeugten Strom an Israel verkaufen.
Nach Beginn des Gaza-Krieges legte Jordanien das Vorhaben 2023 auf Eis. Ende 2025 berichtete dr Fernsehsender Kan unter Berufung auf informierte Quellen, Amman strebe wegen seiner Wasserkrise erneut Gespräche an. Im Sommer 2026 schlugen die Emirate einen trilateralen Gipfel vor; Israel prüfte den Vorschlag. Formell wurde das Projekt bislang nicht wieder aufgenommen.
Titelbild: Bauarbeiter in Tel Aviv legen während einer extremen Hitzewelle Trinkpausen ein. Israel plant in Emek Hefer den Bau einer der weltweit größten Meerwasserentsalzungsanlagen. Foto: Gideon Markowicz/TPS