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Netanjahu und Bar: Geheime Hamas-Kanäle im Kampf um die Freilassung der Geiseln

JERUSALEM, 30.08.2026 (NH) – Die israelische Militärzensur hat die Veröffentlichung eines lange unter Verschluss gehaltenen Berichts genehmigt. Er gibt Einblicke in die pragmatischen Methoden der israelischen Führung zur Rettung von Geiseln. Demnach führte der damalige Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet (Shabak), Ronen Bar, direkte telefonische Gespräche mit der Hamas-Führung. Die Kontakte dauerten bis zu Bars Ausscheiden aus dem Verhandlungsteam Anfang 2025. Premierminister Benjamin Netanjahu hatte sie ausdrücklich genehmigt, ebenso das Sicherheits- und Kriegskabinett.

Schin Bet bricht diplomatische Tabus zur Rettung israelischer Bürger

Die Initiative des Schin Bet zeigt die Bereitschaft der israelischen Sicherheitsorgane, im Kampf um das Leben verschleppter Israelis unkonventionelle Wege zu gehen. Bar betonte, der direkte Kanal habe sich als weitaus effektiver erwiesen als langwierige Verhandlungen über ausländische Vermittler. So konnte Israel die von israelischer Seite als träge und hinderlich empfundene katarische Vermittlung umgehen.

Ronen Bar führte die Gespräche direkt mit dem im Exil lebenden Hamas-Führer Ghazi Hamad. Die beiden telefonierten teils nachts und klärten dabei rote Linien. Auch konkrete Häftlingslisten wurden verhandelt. Nach den Berichten trug dieser direkte Draht zu einem entscheidenden Durchbruch bei. Er half, Konflikte zu lösen, die über die offiziellen Vermittlerkanäle blockiert waren.

Ein bewährtes Muster pragmatischer Krisenbewältigung seit 2014

Die Aufhebung der Zensur steht in engem Zusammenhang mit Berichten über ein ähnliches Vorgehen des Premierministers. Bereits im Sommer 2014, während der Operation „Protective Edge“ (Zuk Eitan), nutzte Netanjahu den befreundeten Geschäftsmann Shlomi Fogel als geheimen Sondergesandten. Fogel führte direkte Gespräche mit Ghazi Hamad. Die Botschaften formulierte damals der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Yossi Cohen.

Die offizielle Sicherheitsdelegation in Kairo wusste zunächst nichts von der Mission. Die Episode zeigt jedoch die Entschlossenheit der politischen Führung. Sie wollte zum Schutz des Landes und zur Beendigung des Beschusses israelischer Städte alle strategischen Hebel gleichzeitig nutzen. Als Sicherheitsbeamte Fogel zu seinen Aktivitäten befragten, legte er Dokumente vor. Diese belegten, dass er im direkten Auftrag des Premierministers handelte.

Demokratischer Diskurs und das Primat der nationalen Sicherheit

Die Enthüllungen haben in Israel intensive politische Diskussionen ausgelöst. Oppositionspolitiker wie Avigdor Lieberman kritisierten das Vorgehen scharf. Sie bezeichneten es als Risiko für die nationale Sicherheit. Gadi Eisenkot warf der Regierung mangelnde Transparenz gegenüber den offiziellen Sicherheitsorganen vor. Das Büro des Premierministers sowie Shlomi Fogel wiesen die Berichte über die Kontakte von 2014 zurück. Sie betonten, Verhandlungen seien stets nur über offizielle Vermittler geführt worden. Auch bezüglich der Kontakte im Jahr 2025 gab es offizielle Dementis.

Ungeachtet der politischen Debatten steht für die israelische Führung nach eigener Darstellung beim Kampf um die Freilassung israelischer Geiseln der Schutz von Menschenleben über diplomatischen Formalitäten.

Titelbild: Benjamin Netanjahu (links) und Ronen Bar (rechts): Israels Führung setzte im Kampf um die Freilassung der Geiseln auch auf geheime direkte Kanäle zur Hamas. Foto: Yonatan Sindel/Flash90, Marc Israel Selem/POOL

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