
Sara Netanjahus Verschwörungstheorie zum 7. Oktober sorgt für Streit
JERUSALEM, 02.09.2026 (NH) – Sara Netanjahu, Ehefrau des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, hat mit Äußerungen über den ehemaligen stellvertretenden Generalstabschef Yair Golan eine heftige Kontroverse ausgelöst. In einem Interview mit Kanal 14 fragte sie, warum Golan am Morgen des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 so früh einsatzbereit und vollständig uniformiert gewesen sei. Damit griff sie eine unbelegte Verschwörungstheorie auf, wonach Golan möglicherweise vorab von dem Angriff gewusst haben könnte. Belege dafür legte sie nicht vor.
Golan fordert Entschuldigung
Golan, Generalmajor der Reserve und Vorsitzender der Partei „Die Demokraten“, weist die Darstellung zurück. Nach Beginn des Angriffs sei er eigenständig in den Süden gefahren und habe sich an Rettungsaktionen beteiligt, unter anderem bei der Rettung von Menschen vom Nova-Musikfestival.
Über seine Anwälte forderte Golan eine öffentliche Entschuldigung von Netanjahu und drohte mit einer Verleumdungsklage über mindestens 2,5 Millionen Schekel. Auch Sara Netanjahu ließ Golan durch ihren Anwalt eine juristische Forderung zukommen. Sie verlangt eine Entschuldigung und die Löschung entsprechender Beiträge und droht ihrerseits mit einer Klage.
Kritik an den Vorwürfen
Die Äußerungen stießen auch außerhalb der Opposition auf Kritik. Politiker verwiesen auf Golans Einsatz am 7. Oktober und warnten davor, einen israelischen General ohne Belege mit einem möglichen Verrat in Verbindung zu bringen.
Auch Benjamin Netanjahu distanzierte sich von der Verratsthese. In einer Live-Ansprache sagte er, es gebe keinen Grund anzunehmen, dass es am 7. Oktober Verrat gegeben habe. Stattdessen habe es ein schweres Versagen der Sicherheitsorgane gegeben. Warnsignale seien vorhanden gewesen, dennoch sei aus Sorge vor einer Eskalation mit der Hamas kein Präventivschlag erfolgt. „Das war ein schwerer Fehler, ein Versagen, aber kein Verrat“, erklärte der Ministerpräsident.
Forderung nach Aufarbeitung
Golan warf Netanjahu anschließend vor, die Vorwürfe seiner Ehefrau nicht deutlich genug zurückzuweisen. Die Kontroverse verstärkt die Forderungen nach einer staatlichen Untersuchungskommission. Sie soll klären, wie es zum schwersten Angriff auf Israel seit Jahrzehnten kommen konnte und wer für politische und militärische Fehler Verantwortung trägt.
Kritiker warnen zugleich davor, den 7. Oktober für parteipolitische Auseinandersetzungen zu instrumentalisieren. Neben einer ehrlichen Aufarbeitung müsse auch die Rolle der Soldaten, Rettungskräfte und Zivilisten gewürdigt werden, die damals Menschenleben retteten.
TITELBILD: Sara Netanjahu, die Ehefrau des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, bei einer Launch-Party im HaBima-Theater in Tel Aviv. Foto: Miriam Alstre/Flash90