
„Ich bin kein Held – das war eine Realität, die mir aufgezwungen wurde“: Omer Shem Tov über 505 Tage in Hamas-Gefangenschaft
JERUSALEM 14.09.2026 (LS) – 505 Tage in Dunkelheit, Einsamkeit und Hunger: die ehemalige Geisel Omer Shem Tov hat ein Buch über die Hamas-Geiselhaft geschrieben. Seine Worte erschüttern: ein Hamas-Terrorist, der ihn aufforderte, eine Bombe zu zünden, ein Taschenlampe, die er versteckte, um täglich zu prüfen, ob er noch sehen kann, und eine Weigerung: „Erschieß mich. Ich werde es nicht tun.“
50 Tage in völliger Dunkelheit – und Hunger als ständiger Begleiter
Omer Shem Tov (23) wurde am 7. Oktober 2023 vom Nova-Festival entführt und 505 Tage in Gaza festgehalten – 450 davon völlig allein, nachdem sein Freund Itay Regev im November 2023 freigelassen worden war. „Als wir getrennt wurden, war das einer der schwersten Momente der Gefangenschaft. Wir hatten uns daran gewöhnt, das Leid, den Hunger und die Angst gemeinsam zu tragen“, erzählte Omer in einem Interview mit Maariv, das anlässlich seines Buches „Begegnung mit mir selbst in der Hölle“ erschien.
Nach der Trennung von Itay verbrachte er 50 Tage in völliger Dunkelheit in einer Zelle, die so klein war, dass er sich nicht aufrichten konnte. „In den ersten Tagen hat es mich erstickt. Ich konnte wegen der Angst nicht atmen.“ Eines Tages fiel einem der Bewacher eine kleine Taschenlampe aus der Tasche. Omer versteckte sie und schaltete sie täglich kurz ein, nur um sicherzustellen, dass er noch sehen konnte.
Die Nahrung bestand aus einer halben Pita am Tag, manchmal weniger. Wenn die Terroristen und ihre Familien in der Nähe Fleisch grillten, rochen sie den Kebab und stellten sich vor, die Brotstücke seien Hühnchen oder Fleischspießchen. Omer verlor 25 Kilogramm. „Ich konnte schon die Knochen sehen.“
„Erschieß mich – ich werde es nicht tun“
Der erschütterndste Moment seiner Gefangenschaft war, als Hamas-Terroristen versuchten, ihn in eine Falle zu locken: Sie wollten ihn dazu bringen, ein präpariertes Gebäude über einem Tunnel zu sprengen – mit dem Ziel, israelische Soldaten zu töten. Als er sich weigerte, drohten ihm die Terroristen, ihn zu erschießen. Seine Antwort: „Dann erschieß mich. Ich habe nicht die Absicht, das zu tun.“
Körperlichen Misshandlungen war er ebenfalls ausgesetzt. Er schilderte einen Vorfall, bei dem ein Terrorist ihn zu Boden warf, auf ihm stand, ihn schlug und dann vor die Räder eines Fahrzeugs warf. Über andere Misshandlungen, die er erlitten hat, schweigt er noch immer.
Auf die Frage, warum er öffentlich spricht, antwortete er schlicht: „Es stört mich, wenn Menschen mir sagen, ich sei ein Held. Ich denke nicht, dass ich ein Held bin. Das war eine Realität, die mir aufgezwungen wurde.“ In einem Gastbeitrag für den Washington Examiner schrieb er: „Ich habe die Hamas-Gefangenschaft nicht überlebt, um zuzusehen, wie Juden sich für das entschuldigen, was sie sind.“
Titelbild: Die ehemalige Geisel Omer Shem Tov vor der Freilassung der letzten Geiseln im Oktober 2025 auf dem Geiselplatz in Tel Aviv. Foto: Chaim Goldberg/Flash 90