
Tochter ehemaliger Hamas-Geisel konfrontiert UNO mit schwerem UNRWA-Vorwurf
JERUSALEM, 17.09.2026 (DR) – Mit einem persönlichen Bericht über die Geiselhaft ihrer Mutter hat sich Neta Heiman-Mina am Dienstag an den UN-Menschenrechtsrat in Genf gewandt. Im Mittelpunkt ihrer Ansprache stand die Rolle eines Lehrers des Palästinenserhilfswerks UNRWA.
UNRWA ist das Hilfswerk der Vereinten Nationen für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen. Im Gazastreifen betreibt es unter anderem Schulen, Gesundheitszentren und weitere Hilfsprogramme. Israelische Stellen und UN Watch werfen dem Hilfswerk seit Jahren vor, Mitarbeiter mit Verbindungen zur Hamas zu beschäftigen.
„In seinem Dachgeschoss eingesperrt“
Heiman-Mina schilderte das Schicksal ihrer Mutter in einer 90 Sekunden langen Ansprache. Sie trat im Namen zweier Nichtregierungsorganisationen auf. UN Watch beobachtet und bewertet die Arbeit der Vereinten Nationen. Ingénieurs du Monde fördert Entwicklungsländer durch technische Ausbildung und Wissenstransfer und besitzt Beraterstatus beim UN-Wirtschafts- und Sozialrat.
Hamas-Terroristen hatten die damals 84-jährige Ditza Heiman beim Massaker vom 7. Oktober 2023 aus ihrem Haus im Kibbuz Nir Oz verschleppt. Nach insgesamt 53 Tagen kam sie Ende November im Rahmen eines Abkommens zwischen Israel und der Hamas frei.
„Es war ein UNRWA-Lehrer, der 48 Tage lang meine Mutter in seinem Dachgeschoss unter schrecklichen Bedingungen und mit sehr wenig Nahrung gefangen hielt“, erklärte Heiman-Mina. Direkt an die UNO gerichtet fragte sie: „Wie konnten Sie die Erziehung der nächsten Generation im Gazastreifen jemandem anvertrauen, der an der Gefangenhaltung einer älteren Frau beteiligt war?“
Die 1939 geborene Heiman gehört zu den Gründern von Nir Oz und arbeitete als Sozialarbeiterin. In einer 2024 aufgezeichneten Zeugenaussage schilderte sie, wie sie den Großteil ihrer Gefangenschaft allein verbrachte und hauptsächlich Pitabrot erhielt. Um unter der Isolation und dem ständigen Hunger nicht körperlich und geistig zusammenzubrechen, führte sie einen Kalender, machte sich Aufzeichnungen und zwang sich zu einfachen körperlichen Übungen. Gegen Ende der Gefangenschaft brachten ihre Entführer sie in das Nasser-Krankenhaus in Chan Junis. Dort traf sie weitere entführte Frauen aus Nir Oz.
Verantwortung für Tausende Lehrer
„Meine Mutter war nicht die Einzige“, betonte Heiman-Mina. Sie verwies auf Suhail al-Hindi, den früheren Leiter der UNRWA-Mitarbeitergewerkschaft im Gazastreifen und Direktor einer UNRWA-Schule. Das Hilfswerk suspendierte ihn 2017 nach Hinweisen, er sei in das Hamas-Politbüro gewählt worden. Al-Hindi bestritt die Verbindung, schied jedoch wenig später bei UNRWA aus. Als Gewerkschaftsvorsitzender vertrat er nach Heiman-Minas Angaben rund 8.000 Lehrer. Für sie zeigt der Fall, wie weit möglicher Einfluss der Hamas innerhalb des UNRWA-Schulsystems reichen konnte.
Ihr Auftritt folgte unmittelbar auf einen Bericht von UN Watch. Darin wirft die Organisation dem Hilfswerk vor, seine Fortschritte bei internen Reformen deutlich übertrieben zu haben. UNRWA führt 41 von 50 Reformempfehlungen als abgeschlossen. UN Watch hält dagegen höchstens 13 für vollständig umgesetzt.
Heiman-Mina forderte die UNO auf, Konsequenzen aus den Vorwürfen gegen UNRWA zu ziehen. Die Versorgung der Bevölkerung im Gazastreifen müsse fortgesetzt werden. Zugleich müsse das Hilfswerk für Verbindungen von Mitarbeitern zum Terrorismus zur Rechenschaft gezogen und grundlegend reformiert werden.
Titelbild: Sitzungssaal des UN-Menschenrechtsrats in Genf (Archivbild). Neta Heiman-Mina berichtete dort über die Geiselhaft ihrer Mutter Ditza Heiman, die nach ihren Angaben 48 Tage lang von einem UNRWA-Lehrer festgehalten wurde. Foto: Ludovic Courtès/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0