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UN-Generaldebatte: Überwiegend Kritik an Israel – Trump nimmt Iran ins Visier

JERUSALEM, 23.09.2026 (DR) – Seit dem Auftakt der UN-Generaldebatte am Dienstag haben zahlreiche Staats- und Regierungschefs über nationale Anliegen und internationale Konflikte gesprochen. Ein zentrales Thema war Israel. Im Mittelpunkt standen der Krieg im Gazastreifen, Israels Siedlungspolitik in Judäa und Samaria sowie Vorwürfe territorialer Expansionsbestrebungen.

Mit der Ansprache von UN-Generalsekretär António Guterres begann eine Reihe scharfer Vorwürfe gegen Israel, die sich durch zahlreiche weitere Reden zog. Einen deutlichen Gegenakzent setzte US-Präsident Donald Trump. Als einziger der hier behandelten Redner stellte er die Rolle Irans und die Verantwortung der Hamas für Terror und Instabilität in der Region in den Mittelpunkt.

Trump warnt vor Iran und erinnert an Hamas-Massaker

Trump bezeichnete die Islamische Republik als weltweit führenden Unterstützer des Terrorismus. Das Regime habe über Jahrzehnte „Tod, Blutvergießen und Chaos“ im Nahen Osten verbreitet. Er forderte alle Staaten auf, Iran wirtschaftlich zu isolieren, bis das Land seine nuklearen Ambitionen, seine Angriffe auf die Schifffahrt und seine Unterstützung terroristischer Organisationen aufgebe.

Mit Blick auf den 7. Oktober 2023 erinnerte Trump an rund 1.200 Ermordete und die von der Hamas verschleppten Geiseln. Zudem dankte er dem UN-Sicherheitsrat für die Unterstützung seines 20-Punkte-Plans für Gaza und des internationalen „Friedensrates“, der den Wiederaufbau und die künftige Verwaltung des Küstengebiets begleiten soll.

Guterres übt scharfe Kritik an Israel

Mit dieser Gewichtung blieb Trump unter den hier behandelten Rednern eine Ausnahme. Im Gegensatz verurteilte Guterres zwar das „abscheuliche“ Hamas-Massaker vom 7. Oktober, kritisierte anschließend jedoch ausführlich Israels Militäreinsatz in Gaza. Auch Gewalt, Vertreibungen und der Ausbau israelischer Ortschaften in Judäa und Samaria gefährdeten nach seiner Darstellung die Zweistaatenlösung.

Zudem verwies der UN-Generalsekretär auf die einstweiligen Maßnahmen des Internationalen Gerichtshofs im Völkermordverfahren gegen Israel. Sie sind rechtlich bindend, stellen aber kein Urteil darüber dar, ob Israel Völkermord begangen hat.

Zahlreiche Staatschefs erheben schwere Vorwürfe

Guterres’ Kritik blieb bei Weitem kein Einzelfall. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Gaza als „Konzentrationslager unserer Zeit“ und warf Israel eine „völkermörderische Denkweise“ vor. Die israelische Delegation verließ während seiner Rede aus Protest den Saal. Erdogan berief sich auf rund 74.000 Tote. Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde unterscheidet bei dieser Zahl nicht zwischen Zivilisten und Terroristen.

Auch Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva beschuldigten Israel des Völkermords. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den gegenwärtigen Frieden in Gaza als ein „Schauspiel, das uns alle beschämt“. Er behauptete, dieser habe keine humanitären Korridore geöffnet. Tatsächlich gelangen weiterhin Hilfslieferungen über israelisch kontrollierte Übergänge in den Gazastreifen.

Jordaniens König Abdullah II. warf Israel eine Politik der Zwangsvertreibung vor. Auch Israels Vorgehen in Südsyrien bezeichnete er als regionale Bedrohung. Er sprach von wiederholten Vorstößen, „schleichender territorialer Expansion“ und Eingriffen rund um wichtige Wasserressourcen. Zudem verwies er auf eine seit 2002 angebotene Normalisierung mit 57 arabischen und muslimischen Staaten. Das Angebot war jedoch an weitreichende Bedingungen geknüpft, denen Israel in der vorgestellten Form nicht zustimmen wollte.

Auch der britische Premierminister Andy Burnham schloss sich der Kritik an. Er warnte, israelische Baupläne in Judäa und Samaria gefährdeten die Zweistaatenlösung. Seine Regierung hatte bereits Anfang September angekündigt, den Handel mit Waren aus israelischen Ortschaften in dem Gebiet zu verbieten.

Israel beklagt einseitige Darstellung

Aus israelischer Sicht folgten viele Reden einem ähnlichen Muster: Umstrittene Opferzahlen, rechtlich nicht entschiedene Völkermordvorwürfe und weitreichende politische Anschuldigungen erschienen als feststehende Tatsachen. Bei mehreren Rednern blieben dagegen die Verantwortung der Hamas, deren Einsatz ziviler Infrastruktur und ihre Unterstützung durch Iran unerwähnt.

Israels UN-Botschafter Danny Danon warf den Vereinten Nationen eine einseitige Darstellung vor. Guterres habe das Rednerpult für eine „politische Anklage gegen Israel“ und für „Anti-Israel-Propaganda unter dem Banner der UN“ genutzt.

Protestaufrufe vor Netanjahus Ansprache

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will am Donnerstag vor der UN-Generalversammlung sprechen. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani forderte erneut, den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Netanjahu zu vollstrecken, obwohl die Stadt dazu keine Befugnis besitzt. Zudem gibt es Protestaufrufe gegen Netanjahus Besuch.

Netanjahu kündigte an, vor der UN „die Wahrheit über unsere heldenhaften Soldaten“ und über Mamdani darzustellen. Diesem warf er vor, die Hamas zu unterstützen und zu Ausschreitungen gegen New Yorker Juden anzustacheln.

Titelbild: US-Präsident Donald Trump vor der UN-Generalversammlung im September 2025, Archivbild. Bei der diesjährigen Generaldebatte erinnerte er an das Hamas-Massaker und stellte Irans Rolle im Nahen Osten, das iranische Nuklearprogramm und die Straße von Hormus in den Mittelpunkt. Foto: Daniel Torok/Weißes Haus, gemeinfrei

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