
Von geheimer Diplomatie zur vollen Partnerschaft – Israel und Marokko auf dem Weg zu vollständigen Botschaften
JERUSALEM, 29.09.2026 (NH) – Israel und Marokko haben ihre diplomatischen Beziehungen weiter ausgebaut. Bei einem trilateralen Treffen am 16. September in New York vereinbarten Israels Außenminister Gideon Sa’ar, der marokkanische Außenminister Nasser Bourita und der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, die bisherigen Verbindungsbüros zu vollständigen Botschaften aufzuwerten und Botschafter zu ernennen. Die Vereinbarung soll die Zusammenarbeit beider Länder weiter vertiefen. Bis Ende 2026 sollen zudem Abkommen zum Investitionsschutz und zur Vermeidung der Doppelbesteuerung vorangebracht werden. Geplant sind außerdem mehr Direktflüge und gegenseitige Besuche auf hoher politischer Ebene. Auch der Handel entwickelt sich dynamisch: Im ersten Halbjahr 2026 stieg das bilaterale Handelsvolumen um rund 70 Prozent.
Von geheimen Kontakten zur offiziellen Partnerschaft
Die Beziehungen zwischen Israel und Marokko haben eine lange gemeinsame Geschichte. Marokko war über Jahrhunderte Heimat einer großen jüdischen Gemeinschaft. Nach der Gründung Israels wanderten mehr als 200.000 marokkanische Juden nach Israel aus, unter anderem im Rahmen der geheimen „Operation Jachin“ ab 1961. Parallel dazu entwickelten beide Staaten bereits in den 1960er-Jahren geheime Kontakte, insbesondere im Sicherheitsbereich. König Hassan II. spielte zudem eine wichtige Vermittlerrolle. 1977 ermöglichte er geheime Gespräche zwischen israelischen und ägyptischen Vertretern, die in die diplomatischen Vorbereitungen für den späteren Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten einflossen. 1995 eröffneten Israel und Marokko erstmals offizielle Verbindungsbüros. Nach Beginn der Zweiten Intifada schloss Marokko sein Büro im Jahr 2000. Im Dezember 2020 nahmen beide Länder ihre diplomatischen Beziehungen im Rahmen der von den USA vermittelten Abraham-Abkommen wieder auf. Ein weiterer wichtiger Schritt folgte im Juli 2023: Israel erkannte offiziell die Souveränität Marokkos über die Westsahara an. Damit wurden die bilateralen Beziehungen weiter gefestigt.
Trotz Protesten hält die strategische Partnerschaft
Parallel zum diplomatischen Ausbau regt sich in Marokko Widerstand gegen die weitere Annäherung an Israel. Die radikale Anti-Normalisierungs-Front (FMSPCN) sowie islamistische Strömungen wie die PJD-Partei riefen zu landesweiten Protesten unter dem Motto „Kein Botschafter – keine Botschaft“ auf. Bei den jüngsten Parlamentswahlen konnten islamistische Kräfte zwar Zugewinne verzeichnen. Die Außen- und Sicherheitspolitik des Landes liegt jedoch verfassungsgemäß in der Zuständigkeit von König Mohammed VI. Die Führung in Rabat betrachtet die Partnerschaft mit Israel als langfristig strategisch bedeutsam, getragen von historischen Verbindungen, gemeinsamen Sicherheitsinteressen und wirtschaftlicher Zusammenarbeit.
Trotz des Widerstands hält Rabat am Kurs fest. Die Normalisierung mit Israel soll nicht zurückgenommen, sondern weiter vertieft werden. Mit der Aufwertung der Verbindungsbüros zu vollwertigen Botschaften wird aus der einst geheimen Zusammenarbeit zunehmend eine feste strategische Partnerschaft.
Titelbild: Von links: Israels Außenminister Gideon Sa’ar, US-Botschafter bei den Vereinten Nationen Mike Waltz und Marokkos Außenminister Nasser Bourita bei ihrem Treffen in New York. Foto: Israelisches Außenministerium