
Israelische Armee tötet weiterhin Hamas-Kommandeure, während die Terrororganisation versucht, geschwächte Einheiten wiederaufzubauen
JERUSALEM 30.09.2026 (LS) – Fast drei Jahre nach Beginn des Gazakrieges geht die israelische Armee weiterhin gezielt gegen Hamas-Kommandeure vor.
Zuletzt meldete die israelische Armee die Tötung von Izz al-Din Bik, dem Kommandeur der nördlichen Gaza-Brigade des militärischen Flügels der Hamas. Nach Angaben der Armee hatte Bik diese Funktion übernommen, nachdem sein Vorgänger Ahmed Abu Ghandour getötet worden war. Bik sei unter anderem dafür verantwortlich gewesen, die Aktivitäten der Hamas-Kämpfer zu steuern und die militärischen Fähigkeiten der Brigade wiederherzustellen.
Zerschlagene Einheiten kehren zurück
Bereits zuvor meldete die israelische Armee die Tötung weiterer Kommandeure in Gaza-Stadt und im nördlichen Gazastreifen. Darunter befanden sich ein stellvertretender Kommandeur der Gaza-Brigade und Kommandeur des Zeitun-Bataillons sowie Verantwortliche für Überwachung und andere militärische Bereiche.
Die meisten der Hamas-Bataillone waren im Gazakrieg nach dem 7. Oktober 2023 zerschlagen worden. Im November 2023 sprach die Armee von zehn zerschlagenen Bataillonen. Einige Monate später hieß es, 20 der insgesamt 24 Hamas-Bataillone seien weitgehend aufgelöst worden. Auch die Zahl der getöteten Kommandeure stieg nach israelischen Angaben deutlich an. Im Sommer 2024 erklärte die Armee, sechs Brigadekommandeure, mehr als 20 Bataillonskommandeure und rund 150 Kompaniekommandeure getötet zu haben.
Trotzdem konnten Hamas-Strukturen in mehreren Gebieten erneut entstehen. Die Terrororganisation verfügt weiterhin über Kontrolle über große Teile des Gazastreifens. Viele ihrer ursprünglichen Kämpfer und Kommandeure sind zwar nicht mehr am Leben, doch neue Führungskräfte können offenbar nachrücken. Die Nachfolger sind jedoch unerfahrener als frühere, teils im Iran ausgebildete Terroristen.
Herausforderung bleibt die Rekrutierung
Hamas hat in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass Einheiten nach schweren Verlusten erneut aktiv werden können. Besonders in Gebieten wie Jabaliya und Rafah konnten solche Entwicklungen mehrfach beobachtet werden. Der Wiederaufbau militärischer Strukturen wird dadurch erleichtert, dass die Terrororganisation weiterhin Zugang zu einem großen Teil der Bevölkerung hat. So ist es möglich, ausreichend Menschen zu rekrutieren, um eine Truppe von etwa 10.000 Kämpfern aufrechtzuerhalten. Ohne die Zivilisten von der Hamas zu trennen, damit diese sie nicht rekrutieren und bewaffnen kann, ist es schwierig, die Hamas zu beseitigen.
Damit bleibt die Frage offen, ob militärische Schläge allein ausreichen, um Hamas dauerhaft aus dem Gazastreifen zu verdrängen. Der von den USA unterstützte Friedensplan von Präsident Donald Trump sieht eine alternative Verwaltung für die palästinensische Zivilbevölkerung vor. Befürworter des Plans sind der Meinung, solch eine politische Neuordnung könnte Hamas die Möglichkeit zur Rekrutierung erschweren. Hamasführer Khalil al-Hayya verkündete jedoch vor ein paar Tagen auf Al Araby TV, die Terrororganisation werde sich weiterhin politisch beteiligen und den „Widerstand fortführen“.
Titelbild: Palästinenser bei der Beerdigung eines hochrangigen Kommandeurs der Al-Quds-Brigaden, der am 20. Juni 2026 bei einem israelischen Drohnenangriff in Khan Yunis im südlichen Gazastreifen getötet wurde. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90