
Flydubai-Anschlag: Jahrelange Warnungen vor Sicherheitslücken im Verkehrsministerium
JERUSALEM, 08.10.2026 (DR) – Nach dem vereitelten Terroranschlag auf einen Flydubai-Flug nach Israel ist das Verkehrsministerium unter Druck geraten. Laut internen Dokumenten des Nationalen Sicherheitsrats, die der Armeesender Galei Zahal zitiert, hätten Sicherheitsbehörden seit Jahren vor Mängeln bei der Kontrolle ausländischer Fluggesellschaften gewarnt. Verkehrsministerin Miri Regev (Likud) weist jede Verantwortung zurück.
Am 30. September hatte ein omanischer Kopilot auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv den Kapitän angegriffen und mutmaßlich versucht, die Maschine zum Absturz zu bringen. Der Kapitän und israelische Passagiere überwältigten ihn; die Maschine landete in Saudi-Arabien.
Verkehrsministerium: Zuständigkeit ohne Ressourcen
Bereits 2021 übernahm die dem Verkehrsministerium unterstellte Zivilluftfahrtbehörde bestimmte Kontrollaufgaben vom Inlandsgeheimdienst Shin Bet. Ein vertraulicher Bericht vom Staatskontrolleur, einer unabhängiger staatlichen Kontrollinstanz, stellte 2024 fest, dass das Ministerium seinen Verpflichtungen nicht ausreichend nachkam. Bei anschließenden Beratungen verwies der Shin Bet auf fehlendes Personal und Budget. Auch Fachleute des Verkehrsministeriums warnten, ihre Abteilung sei für zusätzliche Sicherheitsaufgaben nicht ausreichend ausgestattet. Dennoch übertrug Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dem Ministerium 2025 die vollständige Verantwortung für die Sicherheit ausländischer Flüge.

Das Ministerium bat laut dem Bericht bei keinem einzigen Passagier und keinem Besatzungsmitglied den Inlandsgeheimdienst Shin Bet oder Mossad um Hilfe. Auch das Angebot des Shin Bet, einen Geheimdienstmitarbeiter abzustellen und eine mehrtägige Schulung durchzuführen, soll die Sicherheitsabteilung abgelehnt haben.
Nach Recherchen von Galei Zahal stellte das Finanzministerium im Haushalt 2026 zehn Millionen Schekel (rund 2,7 Millionen Euro) und zehn zusätzliche Stellen bereit. Keine der Stellen sei bislang besetzt worden. Das Verkehrsministerium entgegnet, es habe die angeforderten Mittel nicht erhalten.
Noch im Juni dieses Jahres lehnten Regev und Generaldirektor Moshe Ben Zaken die Empfehlung von Shin Bet und Nationalem Sicherheitsrat ab, die Sicherheitskontrollen ausländischer Flüge innerhalb des Ministeriums der größeren und besser ausgestatteten Zivilluftfahrtbehörde zu übertragen. Regev begründete dies damit, „organisatorische Umwälzungen zum jetzigen Zeitpunkt“ vermeiden zu wollen.
Streit um Verantwortung
Nach dem vereitelten Anschlag ist ein politischer Streit über die Verantwortung für die Sicherheitsversäumnisse entbrannt. Die frühere Generaldirektorin des Ministeriums, Keren Terner, die inzwischen für die Liste Be’Jachad von Naftali Bennett kandidiert, machte Regev verantwortlich: „Nicht der Shin Bet, nicht der Mossad [seien schuld]. Sie.“ Regev entgegnete, ihr Ministerium sei kein Geheimdienst und habe keinen Zugriff auf die Daten.
In einer Stellungnahme wies das Verkehrsministerium die Berichte grundsätzlich zurück. Die Zuständigkeit bestehe seit Jahrzehnten, der Nationale Sicherheitsrat habe die Verfahren des Ministeriums gebilligt.
Laut AP hatten die Emirate Israel vor dem Abflug die Passagier- und Besatzungslisten einschließlich der Nationalitäten übermittelt. Israel erhob demnach keine Einwände.
Was geschah also mit den Listen? Die für die Erfassung von Einreisedaten zuständige Stelle der israelischen Steuerbehörde bestätigte den Empfang. Laut Shin Bet war das Verkehrsministerium für die Überprüfung der Listen zuständig. Regev erklärte hingegen, ihr Ministerium habe die Listen nicht erhalten. Ob sie dorthin weitergeleitet wurden, ist ungeklärt.
Titelbild: Eine Flydubai-Maschine bringt die Passagiere nach dem vereitelten Anschlag zum Ben-Gurion-Flughafen. Foto: Flash90