
Israelische Armee erhöht Alarmbereitschaft vor der Knesset-Wahl
JERUSALEM 20.10.2026 (LS) – Der Generalstabschef der israelischen Armee, Generalleutnant Eyal Zamir, hat die Streitkräfte vor der bevorstehenden Knesset-Wahl auf die höchste Alarmstufe gesetzt. Ab Donnerstag sollen Soldaten grundsätzlich auf ihren Stützpunkten bleiben, während zusätzliche Kräfte insbesondere im sogenannten Westjordanland eingesetzt werden.
Urlaubsstopp und Verstärkung der Truppen
Zamir ordnete die Einschränkungen am Montag nach einer Lagebesprechung mit führenden Militärvertretern an. Der Urlaubsstopp soll ab Donnerstag gelten und könnte bis zu sechs Tage dauern – also bis nach der Wahl am 27. Oktober. Die Maßnahmen stehen unter dem Vorbehalt laufender Lagebewertungen.
Zudem sollen mehr ranghohe Offiziere in den Kommandozentralen und Operationsräumen anwesend sein, um die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Nach Angaben der Armee besteht das Ziel darin, sicherzustellen, dass die demokratischen Wahlen planmäßig und ohne sicherheitsbedingte Störungen stattfinden können.
Besonders verstärkt wird das Zentralkommando, das für Einsätze im sogenannten Westjordanland zuständig ist. Dazu sollen unter anderem Kräfte aus dem Hauptquartier der Fallschirmjägerbrigade sowie weitere Einheiten herangezogen werden. Die zusätzliche Präsenz soll die militärische Aufstellung in dem Gebiet stärken.
Die Maßnahmen erfolgen vor dem Hintergrund zunehmender Konflikte zwischen Palästinensern und jüdischen Siedlern. Die Truppenverstärkung soll die Präsenz vor Ort erhöhen.
Bennett kritisiert Belastung der Soldaten
Die Entscheidung stößt bei der Opposition auf Kritik. Naftali Bennett, Vorsitzender der Partei B’Yachad und möglicher Herausforderer von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, kritisierte die Einschränkungen. Sie bedeuteten eine zusätzliche Belastung für Soldaten, die bereits stark beansprucht seien.
Premierminister Benjamin Netanjahu warnte unterdessen Israels Gegner davor, die Situation vor der Wahl auszunutzen. Israel werde sich verteidigen und auf Angriffe mit großer Härte reagieren. Bereits im vergangenen Monat hatte er vor möglichen Angriffen im Umfeld der Wahl gewarnt. Oppositionspolitiker hatten damals Zweifel geäußert, ob eine konkrete Bedrohung vorliege, und eine Sicherheitsunterrichtung gefordert.
Derzeit hat die Armee keine konkrete, unmittelbar bevorstehende Angriffsdrohung öffentlich benannt. Die erhöhte Bereitschaft wird vielmehr mit der sensiblen Sicherheitslage und der Notwendigkeit begründet, den Wahlprozess abzusichern.
Auch die Stimmabgabe innerhalb der Streitkräfte wird vorbereitet. Ab Dienstag sollen mindestens 850 Wahllokale auf Militärstützpunkten und Außenposten in Israel sowie außerhalb des Landes eingerichtet werden. Sie bleiben bis zum Wahltag am 27. Oktober geöffnet.
Israelische Wahltermine sind nationale Feiertage, damit möglichst viele Bürger ihre Stimme abgeben können. Die Armee muss nicht nur auf mögliche Sicherheitsrisiken reagieren, sondern zugleich gewährleisten, dass Soldaten ihr Wahlrecht wahrnehmen können.
Titelbild: Soldaten der israelischen Streitkräfte (IDF) in einem Wahllokal auf einem Militärstützpunkt. Foto: IDF