
Die Hamas wird immer schwächer: Neue Chance für ein Geisel-Abkommen?
JERUSALEM, 29.05.2025 (TM) – Die Terrororganisation Hamas gerät im Gazastreifen in immer größere Schwierigkeiten. Die israelische Armee zerstört systematisch die Infrastruktur der Terroristen. Täglich werden Waffen- und Munitionslager, Raketenstellungen und Zugänge zu Terrortunneln vernichtet. Der Gruppe fehlen erfahrene Kämpfer, denn unzählige Kommandeure und deren Stellvertreter wurden von den Israelis gezielt ausgeschaltet. Dazu kommt, dass die Hamas finanzielle Nöte hat. Die lange Blockade von Hilfsgüter-Einfuhren und die neue Direktverteilung von Lebensmitteln durch eine US-Organisation haben verhindert, dass die Kämpfer weiterhin Hilfs-Lkws überfallen und die Ware teuer an palästinensische Zivilisten verkaufen können.
Israel: Hamas schießt auf Palästinenser
Hunderte von Palästinensern stürmten am Mittwoch ein Lebensmittellager der Vereinten Nationen im Zentrum des Gazastreifens. Sie schrien und schubsten sich gegenseitig und rissen Teile des Gebäudes ein, um ins Innere zu gelangen, so die Vereinten Nationen. Nach Angaben palästinensischer Krankenhausmitarbeiter starben vier Menschen in dem Chaos, zwei von ihnen wurden erschossen. Israel beschuldigte die Hamas, das Feuer eröffnet zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich keine israelischen Truppen in oder in der Nähe des Lagers des UN-Welternährungsprogramms befunden. Dass Palästinenser ein Lager stürmen, das von bewaffneten Hamas-Mitgliedern gesichert wurde, ist neu und zeigt, dass sich die Menschen von den Terroristen nicht mehr einschüchtern lassen.
Neuer Vorschlag: Zehn Geiseln sollen frei kommen
Im Licht dieser Entwicklungen prüft Israel einen neuen Plan, den der US-Sondergesandte Steve Witkoff vorgeschlagenen hat. Er sieht die Freilassung von zehn lebenden Geiseln (von insgesamt rund 20) und die Übergabe der sterblichen Überreste von 18 weiteren vor, im Gegenzug für einen 60-tägigen Waffenstillstand.
Die zehn lebenden Geiseln und die Hälfte der Verstorbenen sollen in zwei Phasen im Abstand von einer Woche zurückgebracht werden. Das Schicksal der übrigen Geiseln würde vom Ergebnis der Waffenstillstandsverhandlungen abhängen. Sollte innerhalb der 60-Tage-Frist keine Einigung erzielt werden, hätte Israel die Möglichkeit, die Militäroperationen wieder aufzunehmen. Der Plan sieht außerdem vor, dass die Hamas bis zum zehnten Tag der Waffenruhe eine vollständige Liste aller Geiseln, einschließlich detaillierter medizinischer Berichte, vorlegen wird. Im Gegenzug würde Israel 125 Gefangene, die lebenslange Haftstrafen verbüßen, sowie 1.111 Kämpfer aus dem Gazastreifen, die nach dem 7. Oktober verhaftet wurden, freilassen sowie 180 Leichen von Terroristen übergeben, ebenfalls in zwei Phasen. Mit dem Waffenstillstand würde die humanitäre Hilfe für den Gazastreifen durch die Vereinten Nationen und internationale Organisationen wieder aufgenommen.

Ein Terrortunnel im südlichen Gazastreifen, den isralische Truppen jetzt entdeckt und gesprengt haben. Foto: IDF
Kritik von etlichen Ministern
Bei vielen israelischen Ministern und Abgeordneten stößt der Witkoff-Vorschlag auf Ablehnung. Finanzminister Bezalel Smotrich unterstrich in einem Radio-Interview: „Ich bin dagegen, der Hamas eine Rettungsleine zu geben“. Siedlungsministerin Orit Strock ermahnte Premierminister Benjamin Netanjahu auf X, dass die Hamas „auf den Knien liegt“ und dass Israel jetzt nicht einknicken dürfe. Auch Diaspora-Minister Amichai Chikli ist gegen die Umsetzung des Vorschlags: „Genug mit dieser Salamitaktik“, twitterte er und plädierte dafür, dass die Armee ihre Mission der Übernahme des Gazastreifens erfüllen und die Hamas zur Kapitulation und Entwaffnung zwingen sollte. Er forderte außerdem, die Rückkehr aller Entführten zu vereinbaren. Im Gegenzug sollen die überlebenden Hamas-Führer den Gazastreifen verlassen dürfen.
Netanjahu unter Druck
Dagegen fordert Oppositionsführer Yair Lapid, Israel solle den neuen amerikanischen Vorschlag „öffentlich und sofort“ akzeptieren. Die Regierung Netanjahu steht unter massivem Druck. Mittlerweile organisieren die Angehörigen der Geiseln fast täglich Demonstrationen, in denen sie ein Abkommen fordern. Sollte Israel den Witkoff-Vorschlag ablehnen, weiß niemand, wie der wichtigste Verbündete, Präsident Donald Trump, darauf reagieren wird.
Foto: Soldaten der Nahal-Brigade im Gazastreifen. Sie liefern sich intensive Gefechte mit Hamas-Kämpfern. Foto: IDF