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Wie die Byzantiner einst den Weinbau in der Wüste Negev möglich machten

JERUSALEM, 18.07.2025 (TPS-IL) – Eine neue Studie der Universität Haifa beleuchtet den bemerkenswerten Aufstieg und den späteren Zusammenbruch der Weinindustrie, die in der byzantinischen Epoche im unwirtlichen Klima der Negevwüste florierte. Ein neues Computermodell half dem Forschungsteam zu verstehen, wie der Weinbau in der sehr trockenen Region funktionierte. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten von Bedeutung sein für die moderne Landwirtschaft während des Klimawandels.

„Unsere Studie zeigt, wie antike Gesellschaften wussten, wie man sich an extreme Klimabedingungen anpasst, und wie stark sie dabei von natürlichen Ressourcen und deren vollständiger Nutzung abhängig waren“, erläuterte Professor Guy Bar-Oz von der Universität Haifa, einer der Hauptautoren. „Das ist eine wichtige Erkenntnis für unsere heutige Zeit des Klimawandels.“

Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift PLOS ONE, zeigen, dass byzantinische Bauern im Negev zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert n. Chr. ein hochentwickeltes Trockenkultursystem entwickelten. Dieses basierte vollständig auf der Sammlung und effizienten Nutzung spärlicher Regenmengen. Terrassen, Steindämme, Entwässerungsgräben und Zisternen waren Teil einer sorgfältig geplanten Infrastruktur, um jeden Tropfen Niederschlag in einer Region zu nutzen, die weniger als 100 Millimeter Regen pro Jahr erhält.

Computersimulation zeigt Auswirkungen der Dürre

Bislang fehlte Forschern ein quantitatives Modell, um die tatsächliche Wirksamkeit dieser Methoden zu verstehen. Die Gruppe von Forschern aus Haifa, darunter Professor Bar-Oz, Professor Gil Gambash, der Forschungsstudent Barak Gerty und Professor Sharona T. Levy, kombinierte archäologische Erkenntnisse mit Umwelt- und Klimadaten, um eine Computersimulation zu erstellen. Diese Simulation sollte untersuchen, wie byzantinische Bauern den Weinbau in der Wüste aufrechterhielten.

Solche Weintrauben wie im Moschaw Lachish gediehen vor Jahrhunderten im Negev. Foto: Mendy Hechtman/Flash90

Indem sie Geländemerkmale, Bodentypen, Terrassenstrukturen und Regenmuster in das Modell einfügten, simulierten die Forscher Erträge und Wasserverfügbarkeit über längere Zeiträume. „Das Modell erlaubt es uns, unterschiedliche Szenarien zu testen und zu prüfen, was passiert, wenn sich das Klima verändert oder die Niederschläge drastisch sinken“, erklärte das Team. „Wir haben ein Werkzeug geschaffen, das uns beinahe in Echtzeit zeigt, wie die Wüstenbewohner ihre Landwirtschaft planten und auf extreme Situationen reagierten.“

Die Ergebnisse: Selbst geringe Regenmengen konnten bei sorgfältigem Wassermanagement beachtliche Traubenernten hervorbringen. Besonders wirkungsvoll war die Anlage von Weinbergen in Wadis, den Tälern, in denen sich Wasser sammelt. Doch der Erfolg war zerbrechlich. Bereits zwei aufeinanderfolgende Dürrejahre reduzierten die Weinproduktion um fast ein Drittel. Eine anhaltende Dürre über fünf Jahre ließ die Erträge um mehr als 60 Prozent einbrechen. Noch schwerwiegender: Die Erholung nach einer solchen Trockenperiode konnte mehr als sechs Jahre dauern.

Warnung für die Zukunft

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie schwierig es war, Landwirtschaft in der Wüste zu betreiben, und wie anfällig das System bei langen Dürreperioden war“, schlussfolgerten die Forscher. „Das ist auch heute eine wichtige Lehre, um die Grenzen der Landwirtschaft in Trockengebieten zu verstehen und Systeme zu entwickeln, die besser mit dem Klimawandel umgehen können.“

Wein war eines der wertvollsten Agrarprodukte des Byzantinischen Reiches, und die Weinberge des Negev trugen einst erheblich zur regionalen Wirtschaft bei. Der Zusammenbruch dieser Wüstenindustrie war, wie die Studie zeigt, nicht allein Folge von Kriegen oder Migration, sondern auch von Umweltbelastungen. Wer lernt, wie alte Gesellschaften wie die im Negev ihr Überleben unter extremen Bedingungen sicherten, kann besser auf die heutigen Herausforderungen des globalen Klimawandels reagieren.

Titelbild: Die Wüste Negev nimmt mit etwa 12.000 Quadratkilometern rund 60 Prozent des Staates Israel ein. Wasser ist hier besonders kostbar. Foto: Yossi Aloni / Flash90

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