
Schah-Sohn in Berlin – und die deutsche Regierung schaut weg
von Alon David
BERLIN / JERUSALEM, 24.04.2026 – Es ist einer dieser Besuche, die mehr über Deutschland erzählen als über den eigentlichen Gast. Als Reza Pahlavi in die Hauptstadt kommt, bringt er nicht nur die Hoffnung vieler Iraner mit – sondern auch eine unbequeme Frage: Wie ernst meint es Deutschland eigentlich mit seiner Unterstützung für Freiheit und Demokratie?
Pahlavi ist nicht irgendein Politiker. Für viele Exil-Iraner ist er ein Symbol. Einer, der laut ausspricht, was im Iran selbst lebensgefährlich ist: Dass das Regime in Teheran überwunden werden muss. Dass die Islamische Republik keine Zukunft hat. Dass ein politischer Neuanfang möglich ist.
Diese Botschaft ist auch in Berlin angekommen. Rund um das Regierungsviertel versammeln sich Unterstützer. Menschen mit iranischen Fahnen, mit Plakaten, mit klaren Forderungen. Es geht um mehr als Politik – es geht um ein Land, um Familien, um eine Zukunft, die viele nur noch aus der Ferne erträumen können.
Und gleichzeitig zeigt sich die andere Seite dieses Konflikts.

Nach einer Pressekonferenz wird Pahlavi mit roter Flüssigkeit beworfen. Ein Angriff, der schnell als Randnotiz abgetan werden könnte. Doch er steht für etwas Größeres. Für die Polarisierung. Für die Tatsache, dass der Konflikt um den Iran längst nicht mehr nur in Teheran ausgetragen wird, sondern auch in europäischen Hauptstädten. Auch in Berlin.
Doch der eigentliche Skandal dieses Besuchs ist kein Angriff auf offener Straße.
Die Bundesregierung entscheidet sich bewusst dagegen, Pahlavi zu empfangen. Kein offizielles Gespräch, kein Treffen auf Regierungsebene. Während er sich mit einzelnen Abgeordneten austauscht, bleibt die politische Spitze auf Distanz.
Man kann das diplomatische Vorsicht nennen.
Man kann es aber auch klar benennen: Es ist eine verpasste Chance.
Denn natürlich ist Pahlavi umstritten. Auch innerhalb der iranischen Opposition gibt es unterschiedliche Lager, unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein Iran nach dem Regime aussehen könnte. Aber genau darum geht es in diesem Moment nicht. Es geht um ein Signal.
Ein Signal an die Menschen im Iran, die seit Jahren protestieren, die verfolgt, verhaftet, getötet werden. Ein Signal an ein Regime, das Opposition systematisch unterdrückt. Und ein Signal an die Welt, dass Deutschland bereit ist, Haltung zu zeigen. Dieses Signal bleibt aus.
Stattdessen entsteht ein Bild, das sich durch viele außenpolitische Fragen zieht: Deutschland spricht laut über Werte – aber handelt leise, wenn es konkret wird.
Gerade im Kontext des Iran ist das besonders brisant. Denn während in Berlin gezögert wird, ist die Bedrohung durch das Regime für Israel tägliche Realität. Teheran unterstützt Milizen wie die Hisbollah, finanziert Terrorstrukturen und arbeitet kontinuierlich daran, seinen Einfluss in der Region auszubauen.
Für Israel ist der Iran keine theoretische Herausforderung. Es ist eine konkrete, existenzielle Gefahr.
Und genau deshalb hätte dieser Besuch eine Gelegenheit sein können, politische Klarheit zu zeigen. Nicht nur gegenüber dem Iran, sondern auch gegenüber den eigenen Partnern. Zu sagen: Wir stehen an der Seite derer, die für Freiheit kämpfen. Wir erkennen die Opposition an. Wir hören zu.
Doch stattdessen bleibt es bei Distanz.

Der Besuch von Reza Pahlavi in Berlin ist damit mehr als nur ein politisches Ereignis. Er ist ein Spiegel. Ein Spiegel deutscher Außenpolitik. Und dieser Spiegel zeigt ein Land, das sich schwer tut, klare Positionen zu beziehen, wenn sie unbequem werden.
Am Ende bleibt eine einfache Frage:
Was wäre eigentlich passiert, wenn Deutschland den Mut gehabt hätte, ihn zu empfangen?
Vielleicht wäre es nur ein Gespräch gewesen.
Vielleicht aber auch ein Signal.
Und manchmal ist genau das entscheidend.
Titelbild: Unterstützer der iranischen Diaspora vor dem Bundestagsgebäude fordern ein Ende des Regimes in Teheran. Foto: Alon David