
Die Lehre von München 1938: Warum der Westen Teheran nicht beschwichtigen darf
von Alon David
BÜRGENSTOCK (SCHWEIZ), 22.06.2026 – Während über neue Vereinbarungen mit dem Iran gesprochen wird, drängt sich ein historischer Vergleich auf: München 1938. Damals glaubten europäische Mächte, Hitlers Expansionsdrang durch Zugeständnisse eindämmen zu können. Heute stellt sich erneut die Frage, ob Diplomatie mit einem ideologisch fanatisierten Regime Frieden schafft – oder den nächsten Krieg nur vorbereitet.
München 1938: Als Europa den Aggressor beschwichtigte
Am 29. und 30. September 1938 unterzeichneten Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien das Münchner Abkommen. Die Tschechoslowakei, um deren Gebiet es ging, musste das Sudetenland an Nazi-Deutschland abtreten. Die betroffene Regierung wurde politisch vor vollendete Tatsachen gestellt. Das Abkommen wurde später zum Symbol einer Appeasement-Politik, die Hitler nicht stoppte, sondern ermutigte. Wenige Monate später besetzte Deutschland auch den Rest der Tschechoslowakei.

Der Vergleich mit der Gegenwart ist nicht eins zu eins. Der Iran ist nicht Nazi-Deutschland, und der Nahe Osten 2026 ist nicht Europa 1938. Aber der politische Warnkern bleibt: Wer einem aggressiven, ideologisch getriebenen Regime Zugeständnisse macht, ohne seine Machtmittel wirksam zu begrenzen, riskiert, nicht Frieden zu sichern, sondern Aggression zu belohnen.
Teheran heute: Diplomatie ohne Druck wird zur Gefahr
Das Problem ist nicht das iranische Volk. Millionen Iraner leiden selbst unter Repression, Zensur und der Herrschaft der Revolutionsgarden. Das Problem ist das Regime in Teheran: ein System, das Terrororganisationen unterstützt, Israel bedroht und antisemitische Propaganda seit Jahrzehnten als politisches Werkzeug nutzt.
Das United States Holocaust Memorial Museum dokumentiert Holocaustleugnung und antisemitische Kampagnen aus dem Umfeld iranischer offizieller Stellen. Dazu gehören auch staatlich unterstützte Holocaust-Karikaturenwettbewerbe, die die Erinnerung an die Shoah verhöhnen.
Auch die Unterstützung für Terrororganisationen ist kein Randthema. Das US-Außenministerium führt Iran seit Jahren als staatlichen Unterstützer des Terrorismus. In der Region stützt Teheran Netzwerke und Milizen, die Israel bedrohen und die Stabilität des Nahen Ostens untergraben.
Besonders gefährlich bleibt das iranische Atomprogramm. Die Internationale Atomenergiebehörde und westliche Staaten werfen Iran mangelnde Kooperation und offene Fragen bei nuklearem Material vor. In einer Erklärung zur IAEA-Resolution vom Juni 2026 hieß es, die Behörde könne keine Gewissheit geben, dass Irans Nuklearprogramm ausschließlich friedlich sei.
Genau deshalb ist Vorsicht geboten, wenn nun über neue Vereinbarungen mit Teheran gesprochen wird. Nach Berichten von Reuters und Axios liegt ein Entwurf beziehungsweise Memorandum für eine Vereinbarung zwischen den USA und Iran vor. Darin geht es unter anderem um eine Waffenruhe, Verhandlungen über ein finales Nuklearabkommen, Sanktionserleichterungen, die Straße von Hormus und die Rolle der IAEA.
Diplomatie ist nicht falsch. Auch mit Feinden wird verhandelt. Aber Diplomatie ohne Druck, ohne Kontrolle und ohne klare rote Linien wird zur Selbsttäuschung. Wer dem Regime in Teheran Milliarden, Legitimität oder strategische Entlastung verschafft, ohne seine Terrornetzwerke, Raketenprogramme, Nuklearambitionen und antisemitische Ideologie wirksam einzudämmen, schafft keinen Frieden. Er erkauft nur Zeit – möglicherweise für den Aggressor.
Die Lehre von München lautet nicht, jede Verhandlung abzulehnen. Sie lautet: Man darf Diktaturen nicht dafür belohnen, dass sie drohen. Frieden entsteht nicht dadurch, dass der Westen die Augen vor Ideologie, Terror und Vernichtungsrhetorik verschließt.
München 1938 war der Moment, in dem Europa glaubte, durch Nachgeben Krieg verhindern zu können. Heute darf der Westen denselben Fehler gegenüber Teheran nicht wiederholen. Nicht das iranische Volk ist der Feind, sondern ein Regime, das Antisemitismus, Terror und atomare Erpressung als politische Werkzeuge nutzt.
Titelbild: Der iranische Außenminister Abbas Araqchi gibt dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif die Hand, neben den beiden steht der pakistanische Generalstabschef Asim Munir. Das Foto wurde aufgenommen, bevor das Vierertreffen zwischen den Vereinigten Staaten, dem Iran, Pakistan und Katar im Luxushotelkomplex Burgenstock mit Blick auf den Vierwaldstättersee in der Schweiz begann. Foto: Fabrice Coffrini/Pool via REUTERS