
Irans Schattenflotte und geheime Ölströme nach China: Machtkampf an der Straße von Hormus
von Alon David
JERUSALEM, 01.05.2026 – Der Konflikt mit dem Iran wird längst nicht mehr nur an Land geführt. Während die Spannungen im Nahen Osten wachsen, spielt sich auf offener See ein kaum sichtbarer Krieg um Öl, Geld und Einfluss ab.
Mitten im Indischen Ozean, tausende Kilometer von der iranischen Küste entfernt, stoppen US-Kräfte einen Tanker. Die MT Tifani, zuvor am iranischen Ölterminal auf der Insel Kharg beladen, wird nach übereinstimmenden Berichten aus der Luft von Spezialkräften übernommen. Der Vorfall steht beispielhaft für ein System, das seit Jahren bekannt ist: Irans sogenannte Schattenflotte.
Diese „Ghost Fleet“ gilt als zentrales Instrument, um internationale Sanktionen zu umgehen. Tanker operieren dabei außerhalb klassischer Kontrollen, schalten ihre Ortungssysteme ab und verlagern Öltransfers auf offene See. Häufig wird die Fracht unterwegs auf andere Schiffe umgeladen, um Herkunft und Lieferketten zu verschleiern.
Ein großer Teil dieser Lieferungen führt nach Asien, insbesondere nach China. Dort wird das Öl häufig in kleineren, unabhängigen Raffinerien verarbeitet, die auch günstige oder sanktionierte Rohstoffe akzeptieren. China zählt seit Jahren zu den wichtigsten Abnehmern iranischen Öls – ein Umstand, der trotz wiederholter Sanktionen anhält.
Besonders sensibel ist die Lage in der Straße von Hormus, einem der wichtigsten Nadelöhre des globalen Ölhandels. Immer wieder kommt es dort zu Drohungen, Einschränkungen und Unsicherheiten im Schiffsverkehr. In einzelnen Darstellungen wird davon ausgegangen, dass bestimmte Schiffe – insbesondere mit Bezug zu China – weiterhin passieren konnten, während andere Routen gemieden wurden. Eine solche selektive Steuerung lässt sich jedoch nicht eindeutig unabhängig belegen.

Auch bei den Zahlungswegen deutet sich eine Verschiebung an. Diskutiert wird, ob Transaktionen im Zusammenhang mit iranischem Öl zunehmend in chinesischen Yuan abgewickelt werden, teilweise über das Zahlungssystem CIPS, das als Alternative zum westlich dominierten SWIFT gilt. In welchem Umfang dies tatsächlich geschieht, ist jedoch schwer überprüfbar.
Militärische Eskalation und globaler Machtkampf
Klar ist: Die USA verschärfen ihren Kurs gegenüber dem iranischen Ölhandel. Sanktionen gegen Schiffe, Unternehmen und einzelne Akteure gehören seit Jahren zur Strategie Washingtons. Gleichzeitig mehren sich Hinweise auf eine direktere Durchsetzung dieser Maßnahmen – bis hin zu Eingriffen auf See und der Kontrolle verdächtiger Schiffe.
Ziel dieser Politik ist es, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Iran zu treffen. Wie hoch die wirtschaftlichen Verluste tatsächlich sind, bleibt allerdings umstritten und hängt stark von politischen Einschätzungen ab.
Parallel dazu rückt China stärker in den Mittelpunkt. Als bedeutender Abnehmer iranischen Öls und wirtschaftlicher Partner Teherans spielt das Land eine Schlüsselrolle. Zugleich versucht Peking, seinen Einfluss im globalen Finanzsystem auszubauen – etwa durch die Stärkung des Yuan und alternativer Zahlungsstrukturen.
Der Konflikt entwickelt sich damit zunehmend zu einem geopolitischen Machtkampf. Auf der einen Seite stehen die USA, die ihre Sanktionspolitik durchsetzen wollen. Auf der anderen Seite Akteure wie China, die bestehende Strukturen herausfordern und eigene Systeme etablieren.
Vor diesem Hintergrund gewinnt auch ein möglicher Besuch von Donald Trump in China zusätzliche Brisanz. Fragen rund um Iran, Energieversorgung und wirtschaftlichen Einfluss könnten dabei eine zentrale Rolle spielen.
Am Ende geht es längst nicht mehr nur um einzelne Tanker oder Lieferungen. Der Streit um iranisches Öl ist zu einem Schauplatz geworden, auf dem sich entscheidet, wer künftig die Regeln im globalen Energie- und Finanzsystem setzt.
Titelbild: US-Kräfte stoppen und kontrollieren den Öltanker „M/T Majestic X“ im Indischen Ozean wegen mutmaßlich sanktioniertem iranischem Öl. FOTO: X (DeptofWar).