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„Falsche Vergewaltigungsvorwürfe“ – Israels Regierung will die „New York Times“ verklagen

JERUSALEM / NEW YORK, 15.05.2026 (TPS/TM) – Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Außenminister Gideon Sa’ar haben die Einleitung rechtlicher Schritte gegen die New York Times angeordnet. Die renom­mierte US-Zeitung hat einen Meinungsbeitrag veröffentlicht, in dem israelischem Personal systematischer sexueller Missbrauch palästinensischer Häftlinge vorgeworfen wird.

Das Büro des Ministerpräsidenten erklärte, der Artikel des langjährigen Kolumnisten Nicholas Kristof enthalte „eine der abscheulichsten und am stärksten verzerrten Lügen, die jemals in der modernen Presse gegen den Staat Israel veröffentlicht wurden“. Die New York Times gilt als einflussreichste überregionale Tageszeitung der USA. Sie wies die Kritik zurück und stellte sich hinter den Autor.

Vorwurf: Routinemäßiger Missbrauch

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht Kristofs Artikel „Das Schweigen angesichts der Vergewaltigung von Palästinensern.“ Er behauptet, dass israelische Soldaten, Gefängniswärter, Verhörbeamte des israelischen Sicherheitsdienstes (Shin Bet) und Zivilisten palästinensische Männer, Frauen und Minderjährige, die während des Krieges im Gazastreifen inhaftiert waren, systematisch sexuell missbraucht hätten. Kristof zitierte Aussagen von Palästinensern, die berichteten, dass sie im Gefängnis regelmäßig nackt ausgezogen und begrapscht, gewaltsam mit verschiedenen Gegenständen penetriert oder von dafür abgerichteten Hunden sexuell missbraucht worden seien. Er schrieb, der Missbrauch sei zu einer „routinemäßigen Vorgehensweise“ geworden.

Israelische Regierungsvertreter wiesen die Vorwürfe entschieden zurück und bezeichneten sie als falsch, hetzerisch und durch keinerlei Beweise gestützt. Der Erklärung zufolge wiesen Netanjahu und Sa’ar Justizbeamte an, ein Verfahren gegen die Zeitung einzuleiten, da sie ihrer Ansicht nach den Staat Israel und seine Sicherheitsbehörden diffamiert habe.

Ablenkung von Hamas-Gräueltaten?

Israelische Beamte sagten, ein unabhängiger israelischer Bericht, der Vorwürfe systematischer sexueller Gewalt durch die Hamas detailliert darlege, sei der Zeitung bereits Monate zuvor zur Verfügung gestellt worden. Das Ministerium erläuterte, die Times habe sich entschieden, Kristofs Artikel kurz vor der Veröffentlichung dieses Berichts zu drucken – ein Schritt, der nach Ansicht der Beamten die redaktionelle Voreingenommenheit gegenüber Israel widerspiegele.

Palästinensische Häftlinge im Ktzi’ot-Gefängnis in Südisrael. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

„Das ist Neuland“, sagte Simon Plosker, Redaktionsleiter der Medienbeobachtungsstelle HonestReporting, gegenüber dem Press Service of Israel (TPS): „Israel sieht sich anhaltenden Angriffen seitens großer internationaler Medienkonzerne ausgesetzt. Doch diese Woche, als ein 300-seitiger Bericht veröffentlicht wurde, der die Sexualverbrechen der Hamas am 7. Oktober dokumentiert, wurde die internationale Aufmerksamkeit stattdessen von reißerischen und unbegründeten Behauptungen über sexuellen Missbrauch palästinensischer Häftlinge in israelischen Gefängnissen in Beschlag genommen. Der Zeitpunkt lässt sich kaum übersehen“, sagte Plosker.

Er bezog sich dabei auf die Zivile Kommission zur Untersuchung der Verbrechen vom 7. Oktober, die einen Bericht veröffentlicht hat, in dem sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt während des von der Hamas angeführten Angriffs vom 7. Oktober sowie gegen in Gaza festgehaltene Geiseln detailliert beschrieben wird. Der Bericht basiert auf mehr als zweijahriger Ermittlungen und enthält Aussagen von über 430 Überlebenden, Zeugen, ehemaligen Geiseln, Ersthelfern, forensischen Experten und Angehörigen der Opfer.

Demonstration vor Verlagsgebäude

Am Donnerstag versammelten sich Demonstranten vor dem Gebäude der New York Times in Manhattan. Rund 200 überwiegend jüdische Demonstranten skandierten: „New York Times, schäm dich!“, „Wir werden nicht schweigen“ und „New York Times, bring die Dinge ins Reine, hör auf mit den Verleumdungen, hör auf mit dem Hass.“

Die Demonstranten verwiesen auf frühere Berichte der New York Times über Gaza, die sich als falsch herausgestellt hatten. Sie erwähnten die Explosion im Al-Ahli-Krankenhaus im Oktober 2023, die von der New York Times und anderen Medien als israelischer Angriff dargestellt wurde, tatsächlich jedoch auf eine fehlgeleitete palästinensische Rakete zurückzuführen war. Die von einem UN-Vertreter geäußerte Behauptung, dass 14.000 Babys in Gaza verhungern würden und die sich als falsch heraus stellte, war von der New York Times ebenfalls aufgegriffen worden.

Titelbild: Das New York Times-Gebäude in Manhattan. Foto: Ajay Suresh/Wikipedia

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