
Beruhigungsmittel in Babynahrung: Geheimdienst prüft möglichen Terrorhintergrund
JERUSALEM 18.06.2026 (LS) – In Jerusalem untersuchen Polizei und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet einen beunruhigenden Fall von verunreinigter Babynahrung. Mehrere Kleinkinder mussten nach dem Verzehr von Fruchtpüree medizinisch behandelt werden.
Beruhigungsmittel in Babygläschen entdeckt
Der Shin Bet hat sich der Untersuchung angeschlossen, nachdem in Baby-Fruchtpüree Beruhigungsmittel gefunden worden waren. Die Polizei prüft, ob die Substanzen absichtlich in die Produkte eingebracht wurden und ob ein nationalistisches Motiv vorliegen könnte.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ergaben Labortests, dass in Gläschen mit Prinok-Baby-Fruchtpüree die Wirkstoffe Clonazepam und Lorazepam gefunden wurden. Beide Stoffe gehören zur Gruppe der Benzodiazepine. Dabei handelt es sich um verschreibungspflichtige Medikamente, die unter anderem als Beruhigungs- und Angstlösemittel eingesetzt werden. Die betroffenen Produkte wurden in zwei Filialen der Jerusalemer Discount-Supermarktkette Sol Begadol im Zentrum der Hauptstadt gekauft. Das Gesundheitsministerium ordnete die sofortige Schließung beider Filialen an.
Mindestens vier Kleinkinder mussten nach dem Verzehr des Fruchtpürees in die Hadassah-Universitätsklinik Ein Kerem in Jerusalem eingeliefert. Sie zeigten Symptome wie Schwäche, Teilnahmslosigkeit und Verwirrtheit. Spätere Bluttests wiesen Spuren von Beruhigungsmitteln nach. Die Kinder konnten inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Das Gesundheitsministerium hat Krankenhäuser im Raum Jerusalem angewiesen, bei Säuglingen und Kleinkindern besonders aufmerksam zu sein, sollten diese mit Symptomen eingeliefert werden, die zu einer möglichen Belastung mit Benzodiazepinen passen könnten. Die Krankenhäuser wurden zudem gebeten, ähnliche Fälle aus den vergangenen Wochen zu melden.
Kein allgemeiner Rückruf von Prinok-Produkten
Die Jerusalemer Polizei eröffnete unmittelbar nach der Einlieferung der Kinder und dem Nachweis der Beruhigungsmittel im Blut eine Untersuchung. Die Ermittler prüfen nach Polizeiangaben verschiedene Richtungen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass der Vorfall aus nationalistischen Gründen begangen wurde. Bisher ist jedoch nicht bekannt, an welcher Stelle die Substanzen in die Gläschen gelangten. Die Behörden prüfen deshalb sowohl eine mögliche kriminelle Handlung als auch einen möglichen sicherheitsrelevanten Hintergrund.
Das Gesundheitsministerium erklärte zugleich, es habe derzeit keinen umfassenden Rückruf aller Prinok-Produkte angeordnet. Nach aktuellem Stand erfolgten keine Fehler oder Störungen während der Produktion. Auch gebe es derzeit keine Hinweise auf eine Verunreinigung im Herstellungsbetrieb.
Tests an Produkten, die direkt von Importeuren stammten, seien nach Angaben des Ministeriums unauffällig gewesen. Damit konzentrieren sich die Ermittlungen offenbar auf die konkrete Liefer- oder Verkaufskette der betroffenen Gläschen, nicht auf die gesamte Produktlinie.
Titelbild: Israelische Polizei vor Supermarktfiliale. Avi Dishi/Flash90