
Beaufort: UNESCO sieht Kulturerbe, Israel verweist auf Hisbollah-Tunnel
JERUSALEM, 20.7.2026 (NH) – Die UNESCO hat angekündigt, die Kreuzfahrerfestung Beaufort im Südlibanon in einem Eilverfahren auf die Liste des gefährdeten Welterbes setzen zu wollen. Der Schritt folgt auf die erneute Einnahme des Standorts durch die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) im Mai 2026. Während die UN-Organisation den Krieg und die Auswirkungen des Klimawandels als Gründe für die geplante Einstufung nennt, kritisieren Beobachter die Entscheidung als einseitig. In Israel wird der Schritt als Versuch gewertet, militärische Operationen gegen Terrorstrukturen verstärkt unter internationale Beobachtung zu stellen, während die jahrelange militärische Nutzung der Stätte durch die Hisbollah weitgehend unbeachtet geblieben sei.
Die Tunnel-Realität von Beaufort
Die Festung Beaufort, auf Arabisch Qal’at al-Shaqif, erhebt sich auf einem steilen Felsgrat über dem Litani-Fluss und bietet einen weiten Blick auf das israelische Galiläa. Die im 12. Jahrhundert von den Kreuzfahrern errichtete Anlage gilt als bedeutendes archäologisches Denkmal und besitzt strategische Bedeutung. Bereits vor der Einnahme durch Israel im Jahr 1982 nutzte die PLO die Anhöhe für Mörserangriffe auf Ortschaften im Norden Israels. Nach dem israelischen Rückzug im Jahr 2000 übernahm die Hisbollah das Machtvakuum und errichtete unter der historischen Festung ein weitverzweigtes Netzwerk aus Tunneln, Kommandozentralen und Waffenlagern. Nach der Einnahme des Geländes im Mai veröffentlichte die IDF Videomaterial, das die umfangreiche Untertunnelung der Anlage dokumentiert. Die Aufnahmen zeigen ein verzweigtes Terror-Tunnelsystem, das direkt unter der historischen Bausubstanz errichtet wurde. Ein Team des israelischen Nachrichtensenders i24NEWS erhielt als erstes israelisches Fernsehteam Zugang zu den unterirdischen Anlagen und berichtete von weitläufigen Tunneln mit Kommandozentralen, medizinischen Einrichtungen und Platz für Hunderte Kämpfer. Nach Angaben der IDF wurden von diesem geschützten Komplex aus rund 400 Raketen auf Nordisrael abgefeuert. Das Militär bezeichnete die Zerstörung dieser Infrastruktur daher als operative Notwendigkeit.
Internationale Doppelmoral und Voreingenommenheit
Kritiker sehen in der Reaktion der internationalen Gemeinschaft eine doppelte Gewichtung. Während die UNESCO den Schutz der Festung Beaufort in den Mittelpunkt stelle, werde die militärische Nutzung der Anlage durch die Hisbollah in den Berichten nur am Rande erwähnt. Frankreich hatte bereits eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates wegen der Präsenz der IDF im Südlibanon gefordert, äußerte sich jedoch nicht zur langjährigen Nutzung des Geländes durch die Hisbollah. Auch der libanesische Kulturminister Ghassan Salameh warnte im Mai 2026 vor einer „realen Gefahr“ für Beaufort durch israelische Angriffe, erwähnte jedoch die langjährige militärische Nutzung der Festung durch die Hisbollah nicht.
Parallel dazu soll auch die biblische Stadt Samaria (Sebastia) in Judäa und Samaria auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt werden, obwohl dort vor allem lokale Vandalen durch Brandstiftung und Graffiti das historische Erbe schädigen. Aus israelischer Sicht fügt sich dies in ein bekanntes Muster ein. Bereits 2017 löste eine UNESCO-Entscheidung Kritik aus, als die Höhle der Patriarchen in Hebron, eine der heiligsten Stätten des Judentums, als palästinensisches Welterbe eingestuft wurde.
Für Israel bleibt die Botschaft klar: Während internationale Organisationen den Schutz historischer Stätten fordern, muss die IDF verhindern, dass solche Orte weiterhin als Deckung für Raketenstellungen und militärische Infrastruktur genutzt werden.
Titelbild: Blick auf die Kreuzfahrerfestung Beaufort und zerstörte Häuser in einem Dorf im Südlibanon. Nach Angaben der IDF befand sich unter der historischen Anlage ein weit verzweigtes Tunnel- und Kommandozentrum der Hisbollah. Foto: Ayal Margolin/Flash90