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USA und Saudi-Arabien schließen Atomabkommen – Israel blickt mit Sorge auf die Region

von Alon David

JERUSALEM, 24.07.2026 – Die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien haben ein weitreichendes Abkommen über die zivile Nutzung der Kernenergie geschlossen. Ziel ist der Aufbau eines saudischen Atomprogramms mit amerikanischer Technologie. Während Washington von einer strategischen Partnerschaft spricht, stößt die Vereinbarung in Israel auf erhebliche Vorbehalte.

Das sogenannte „123-Abkommen“ schafft die rechtliche Grundlage dafür, dass US-Unternehmen am Aufbau einer saudischen Atomindustrie beteiligt werden können. Das Projekt ist auf Jahrzehnte angelegt und umfasst Investitionen in Milliardenhöhe. Offiziell dient das Programm ausschließlich der friedlichen Nutzung der Kernenergie und soll Saudi-Arabien dabei helfen, seinen wachsenden Energiebedarf zu decken und mehr Erdöl für den Export verfügbar zu machen.

Sorge um Urananreicherung

Besonders kritisch wird in Israel bewertet, dass das Abkommen Saudi-Arabien – anders als das Atomabkommen der USA mit den Vereinigten Arabischen Emiraten – nach bisherigem Stand nicht ausdrücklich zu einem dauerhaften Verzicht auf Urananreicherung und Wiederaufbereitung verpflichtet.

Stattdessen sieht die Vereinbarung vor, zunächst zu prüfen, ob eine Urananreicherung im Königreich wirtschaftlich sinnvoll wäre. Sollte dies bejaht werden, könnten amerikanische Unternehmen entsprechende Anlagen errichten. Kritiker warnen, dass damit zumindest langfristig ein technologischer Weg eröffnet werde, der auch für militärische Zwecke genutzt werden könnte.

Israelische Sicherheitsexperten weisen seit Jahren darauf hin, dass jedes zusätzliche Anreicherungsprogramm im Nahen Osten das Risiko eines regionalen nuklearen Wettrüstens erhöhen könnte – insbesondere vor dem Hintergrund des iranischen Atomprogramms.

Eine Normalisierung mit Saudi-Arabien scheint immer unwahrscheinlicher.
Saudi-Arabien und die Staaten der Arabischen Halbinsel. Das neue Atomabkommen zwischen Washington und Riad hat eine Debatte über die regionale Sicherheitsordnung ausgelöst. Bild: Pixabay

Auch israelische Analysten des Institute for National Security Studies (INSS) sehen die Entwicklung kritisch. Sie warnen, dass ein saudisches Atomprogramm ohne eine umfassende politische Einbindung Israels das strategische Gleichgewicht in der Region verändern könnte.

Nach Einschätzung des Instituts könnte ein solches Abkommen den amerikanischen Einfluss in Saudi-Arabien zwar stärken und chinesische oder russische Konkurrenz zurückdrängen. Gleichzeitig müsse jedoch verhindert werden, dass Präzedenzfälle entstehen, die langfristig weitere Staaten der Region zu eigenen Atomprogrammen motivieren.

Trump knüpft Atomabkommen an Normalisierung mit Israel

Für zusätzliche Dynamik sorgte US-Präsident Donald Trump nur einen Tag nach der Unterzeichnung des Atomabkommens. Er erklärte, dass das Atomabkommen nur unter der Bedingung umgesetzt beziehungsweise genehmigt werde, dass Saudi-Arabien den Abraham-Abkommen beitritt und seine Beziehungen zu Israel normalisiert.

Diese Aussage überrascht, da die am Vortag bekannt gewordenen Vertragsdetails eine solche Bedingung nicht ausdrücklich enthielten. Beobachter werten Trumps Erklärung daher als Versuch, das ursprünglich eng mit dem Atomabkommen verknüpfte Ziel einer saudisch-israelischen Normalisierung wieder in den Mittelpunkt der amerikanischen Nahostpolitik zu rücken.

Balance zwischen Chancen und Risiken

Für die USA besitzt das Abkommen sowohl wirtschaftliche als auch geopolitische Bedeutung. Washington sichert amerikanischen Unternehmen langfristige Aufträge und will gleichzeitig verhindern, dass China oder Russland den saudischen Nuklearmarkt dominieren.

Aus israelischer Sicht bleibt jedoch die entscheidende Frage offen, welche Kontrollmechanismen tatsächlich greifen werden und ob das Abkommen langfristig dazu beiträgt, die regionale Stabilität zu stärken – oder neue sicherheitspolitische Risiken schafft.

Titelbild: US-Präsident Donald Trump wird im Mai 2025 vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Riad begrüßt. Foto: Bandar Algaloud/Mit freundlicher Genehmigung des saudischen Königshauses/Pressefoto via Reuters

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