
Irland bestellte Regierungsjet ohne israelisches Sichtsystem
JERUSALEM, 05.08.2026 (DR) – Irland hat seinen neuen Regierungsjet offenbar bewusst ohne das Sichtsystem FalconEye bestellt. Die vom französischen Flugzeughersteller Dassault Aviation und dem israelischen Rüstungskonzern Elbit Systems entwickelte Technik unterstützt Piloten bei Nebel, Dunkelheit und Schnee.
Der Jet wurde bereits im Dezember 2025 ausgeliefert. Eine am Dienstag veröffentlichte Recherche des irischen Nachrichtenportals The Journal hat nun die Hintergründe der Entscheidung bekannt gemacht.
Demnach hätte Irland für den Einbau von FalconEye eine schriftliche Vereinbarung mit Elbit Systems unterzeichnen müssen. Die zuständigen Beschaffungsverantwortlichen hätten dies als einen Schritt betrachtet, der „zu weit“ gehe, und deshalb auf das System verzichtet. Eine solche schriftlich dokumentierte Geschäftsbeziehung wäre als Widerspruch zur öffentlich verkündeten Linie der Regierung erschienen, keine neuen Verteidigungsaufträge mehr an israelische Unternehmen zu vergeben. Ob dies tatsächlich der ausschlaggebende Grund für den Verzicht war, bestätigte die Regierung jedoch nicht.
Pilot warnt vor Einschränkungen
FalconEye verbindet Kamerabilder mit computergenerierten Gelände-, Hindernis- und Flughafendaten. Dadurch erhalten Piloten auch bei stark eingeschränkter Sicht zusätzliche Informationen zur Orientierung.
Gerade im feuchten und wechselhaften Klima Irlands kann das System besonders nützlich sein. Kevin Pfilipps, ein ehemaliger Pilot der irischen Luftwaffe, erklärte, FalconEye ermögliche Landungen im Nebel, während andere Flugzeuge auf einen Ausweichflughafen umgeleitet werden müssten.
Das irische Verteidigungsministerium bestätigte weder das Fehlen des Systems noch den Grund dafür. Es teilte lediglich mit, die Einsatzfähigkeit des Flugzeugs sei derzeit nicht eingeschränkt. Piloten widersprachen dieser Darstellung jedoch und verwiesen auf geringere Möglichkeiten bei Landungen im Nebel.
Der knapp 53 Millionen Euro teure Dassault Falcon 6X transportiert den irischen Regierungschef Micheál Martin, Minister und andere Amtsträger. Er kann zudem für medizinische Evakuierungen eingesetzt werden.
Israelskritische Linie der Regierung
Martin gehört der Mitte-rechts-Partei Fianna Fáil an, hat jedoch wiederholt eine deutlich israelkritische Position vertreten. Im August 2024 kündigte er an, israelische Unternehmen künftig von irischen Verteidigungsaufträgen auszuschließen.
Gleichzeitig enthalten andere neu beschaffte Fluggeräte des irischen Air Corps weiterhin israelische Technik. Vier bei Airbus bestellte Hubschrauber verfügen über gemeinsam mit Elbit entwickelte Flugsysteme. Auch ein maritimes Patrouillenflugzeug besitzt ein israelisches Radarsystem.
Warum Irland diese Komponenten akzeptierte, für den Regierungsjet jedoch offenbar keine direkte Vereinbarung mit Elbit Systems unterzeichnen wollte, blieb zunächst offen.
Titelbild: Irlands neuer Regierungsjet. Bild: Irisches Verteidigungsministerium