
Studie zum 7. Oktober: Was Krankenhäuser weltweit für den Kriegsfall lernen können
JERUSALEM, 09.08.2026 (DR) – Eine neue Studie über den Einsatz des Assuta-Krankenhauses in Aschdod am 7. Oktober 2023 hat gezeigt, wie stark sich die medizinische Versorgung unter Kriegsbedingungen von gewöhnlichen Großschadenslagen unterscheidet. Studienleiter Maximilian Nerlander bezeichnet die russische Invasion der Ukraine und den 7. Oktober als historische Wendepunkte. Nach seiner Einschätzung könnten künftig auch andere Teile der Welt mit vergleichbaren Formen intensiver Kriegsführung konfrontiert werden.
Vom Raketenalarm zur Invasion
Die Untersuchung ist im Fachjournal Disaster Medicine and Public Health Preparedness erschienen und beruht auf Interviews mit 19 Mitarbeitern der Notaufnahme des Assuta-Krankenhauses. Als am Morgen des 7. Oktober die ersten Raketen auf Südisrael abgefeuert wurden, aktivierte die Klinik ihre seit Jahren eingeübten Notfallpläne.
Die regelmäßigen Übungen und die raketengeschützte Notaufnahme erwiesen sich als entscheidende Vorteile. Gleichzeitig traten Probleme auf, die bisherige Szenarien kaum berücksichtigt hatten. Mitarbeiter konnten wegen der Kämpfe ihre Arbeitsplätze nicht erreichen oder wollten ihre gefährdeten Familien nicht zurücklassen. Andere wurden gleichzeitig zum Reservedienst einberufen. Zudem fehlten zeitweise verlässliche Informationen über das Ausmaß des Angriffs.
Dr. Debra West, damals Leiterin der Notaufnahme, erinnerte sich gegenüber der Jerusalem Post an Fotos und Videos, die während der Schichtübergabe bereits auf Telegram kursierten. Besonders ein Video eines blutüberströmten Soldaten, der von bewaffneten Hamas-Terroristen aus einem Fahrzeug gezerrt wurde, habe ihr klargemacht: Dies war keine weitere Eskalation unter Raketenbeschuss, sondern eine Invasion und ein Krieg.
In Erinnerung blieb West auch eine hochschwangere Frau in den Wehen, die Sanitäter von Magen David Adom in voller ballistischer Schutzausrüstung in die Klinik brachten. Eines ihrer beiden kleinen Kinder klammerte sich an die Trage, das andere trug ein Sanitäter. Vor allem die Angst und Verzweiflung im Gesicht der Mutter und in den Augen ihrer Kinder hätten sich West eingeprägt. Für sie verkörperte die Szene das emotionale Trauma dieses Tages.
Erfahrungen aus Israel für andere Länder
Die Forscher empfehlen realistischere Übungen, geschützte Krankenhausbereiche, verlässlichere Kommunikationswege und eine bessere Verteilung von Verletzten auf verschiedene Kliniken. Notfallpläne müssten berücksichtigen, dass im Krieg nicht nur viele Verwundete eintreffen. Gleichzeitig können Personal, Verkehr, Kommunikation und Rettungsdienste ausfallen.
Diese Frage betrifft längst nicht nur Israel. Die russische Invasion der Ukraine hat auch in Europa die Debatte über die Vorbereitung ziviler Infrastruktur auf einen möglichen Krieg verstärkt.
Nerlander warnt, dass ähnliche Szenarien künftig auch andernorts Realität werden könnten. Seine Hoffnung sei deshalb, die Erfahrungen des 7. Oktober in Wissen umzuwandeln, das im Ernstfall Leben retten und Leid verhindern kann – unabhängig davon, wo die nächste Krise eintritt.
Titelbild: Samson Assuta Ashdod University Hospital in Aschdod, 26.01.2022. Foto: Yossi Aloni/Flash90