zurück zu Aktuelles

Ex-Mossad-Chef Cohen: „Wir haben Fordo viele Male besichtigt“

JERUSALEM, 12.08.2026 (DR) – Der frühere Mossad-Chef Yossi Cohen hat neue Einblicke in Israels Aufklärung der iranischen Atomanlage Fordo gegeben. Bei der Galiläa-Konferenz in Safed erklärte Cohen, „wir“ hätten die Anlage mehrfach besichtigt, um sie genau zu verstehen. Der frühere Geheimdienstchef schilderte damit erstmals öffentlich, wie intensiv Israel Fordo bereits vor den Angriffen auf Irans Nuklearprogramm ausgespäht hatte.

Fordo seit Jahren im Fokus

Fordo liegt rund 30 Kilometer nordöstlich von Ghom und gehört neben Natans zu den wichtigsten iranischen Anlagen zur Urananreicherung. Die Anlage wurde tief im Zagros-Gebirge errichtet, etwa 90 Meter unter der Oberfläche und von hartem Gestein umgeben. 2009 wurde ihre Existenz öffentlich bekannt.

Schon lange vor den Angriffen von 2025 sammelte Israel Informationen über die Anlage. Beim Mossad-Einsatz gegen das iranische Atomarchiv im April 2018 gelangten unter anderem Pläne von Fordo in israelische Hände. In den folgenden Jahren weitete Iran die Anreicherung dort aus und installierte fortschrittliche Zentrifugen an dem Standort.

Cohen ließ offen, wann die von ihm erwähnten Besuche stattfanden und ob israelische Mitarbeiter dabei tatsächlich das Innere der Anlage betraten.

Zwei Angriffe auf Fordo binnen neun Tagen

In der Nacht auf den 13. Juni 2025 griff die israelische Luftwaffe Fordo im Rahmen ihrer Angriffe auf Irans Nuklearinfrastruktur an. Nach Angaben Cohens wurde die Anlage dabei beschädigt, aber nicht zerstört.

Neun Tage später, am 22. Juni 2025, folgte der US-Angriff im Rahmen der Operation „Midnight Hammer“. Sechs B-2-Tarnkappenbomber warfen insgesamt zwölf bunkerbrechende Bomben des Typs GBU-57 auf die Anlage ab. Diesen amerikanischen Schlag bezeichnete Cohen als „Erfüllung all meiner Träume“.

Nach Angaben des damaligen US-Generalstabschefs Dan Caine zielten die Bomben auf zwei Lüftungsschächte. Die ersten Sprengkörper sollten Betonabdeckungen über den Schächten beseitigen, weitere tief in den Komplex eindringen. IAEA-Chef Rafael Grossi erklärte kurz darauf vor dem Gouverneursrat der Behörde, angesichts der eingesetzten Sprengkraft sei von „sehr erheblichen Schäden“ auszugehen. Das genaue Ausmaß ließ sich zunächst nicht durch Inspektionen vor Ort bestätigen.

60 Prozent Uran bleiben heikler Punkt

Cohen äußerte sich auch zu Irans hoch angereichertem Uran. 60-prozentig angereichertes Uran sei „noch weit von einer Bombe entfernt“, so der Ex-Mossad-Chef. Beim Anreicherungsgrad ist diese Einschätzung jedoch irreführend. Für gewöhnliche zivile Kernkraftwerke wird Uran meist nur auf drei bis fünf Prozent angereichert. Als waffenfähig gilt Uran ab etwa 90 Prozent.

Die Urananreicherung verläuft dabei nicht linear. Der Schritt von 60 auf 90 Prozent ist technisch wesentlich kleiner, als der Vergleich der Prozentzahlen vermuten lässt. Ein großer Teil des notwendigen Anreicherungsaufwands ist auf diesem Niveau bereits geleistet.

Vor Beginn der israelischen Angriffe im Juni 2025 verfügte Iran nach IAEA-Angaben über rund 440 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von bis zu 60 Prozent. Der Verbleib großer Teile dieses Materials blieb nach den Angriffen unklar. Nach Einschätzung von IAEA-Chef Rafael Grossi lagern mehr als 200 Kilogramm in einem unterirdischen Komplex in Isfahan.

Die mögliche Bedrohung reicht dabei weit über den Nahen Osten hinaus. Iran verfügt inzwischen über ballistische Raketen mit einer Reichweite von rund 4.000 Kilometern. Nach Angaben von IDF-Generalstabschef Eyal Zamir liegen damit auch Berlin, Paris und Rom in direkter Reichweite. Iran betont dennoch, sein Atomprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken.

Titelbild: Ex-Mossad-Chef Yossi Cohen. Bild: Yonatan Sindel/Flash90

Weitere News aus dem Heiligen Land