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Ex-Mossad-Chef bringt Iran mit Enthüllungen in Verlegenheit

JERUSALEM, 13.06.2021 (DK) – Der aus dem Amt scheidende Mossad-Chef Yossi Cohen hat bei einem Fernsehinterview mehr Staatsgeheimnisse ans Licht gebracht, als es je einer seiner Vorgänger gewagt hat. Als einer der wichtigsten Sicherheitsbeauftragten des jüdischen Staates bestätigte Cohen indirekt, dass Israel an beiden Explosionen in der iranischen Urananreicherungsanlage Natans beteiligt war. Auch der Tod des Atomwissenschaftlers Mohsen Fakhrizadeh soll auf die Kappe seines Geheimdienstes gehen. Seine überraschende Offenheit über die Details der Operation erklärte der 59-Jährige mit Israels Strategie gegenüber dem Mullah-Regime: Die geheimen Programme zur Urananreicherung, die das internationale Atomabkommen vom Jahr 2015 jahrelang untergruben sollen an die Öffentlichkeit gelangen. „Es war wichtig für uns, dass die Welt das sieht“, so Cohen.

Boden der Atomanlage war von Anfang an mit Sprengstoff angereichert

Als Cohen die Details des im April stattgefundenen Sabotageaktes gegenüber der Reporterin Ilana Dayan bekannt gab, klangen seine Ausführungen zunächst wie aus einem ausgeklügelten Thriller: Bereits als der Boden in der Urananreicherungsanlage gelegt wurde, hatte ein Agent sichergestellt, dass alle Fliesen mit Sprengstoff angereichert waren. Die Explosion soll das iranische Atomprogramm um Monate zurückgeworfen haben. Als Dayan den Ex-Mossad-Chef auf den Tod des führenden Atomwissenschaftlers Fakhrizadeh ansprach, nahm Cohen zwar nicht direkt die Verantwortung auf sich, reagierte jedoch auch nicht ausweichend. Der Wissenschaftler habe „den Mossad am meisten aus der Sicht der Wissenschaft und seines Wissens bezüglich des iranischen militärischen Nuklearprogramms beunruhigt“, und sei daher „viele Jahre lang ein Ziel für den Geheimdienst“ gewesen. Der Tod Fakhrizadehs ist auch als eine Warnung an andere iranische Nuklearwissenschaftler zu verstehen. Israel will junge Forscher abschrecken, ihr Wissen an den Staat zu verkaufen.

Bereits vor zwei Jahren nahmen Israels geheime Operationen in den Atomanlagen der islamischen Republik ihren Anfang. Im Jahr 2018 schmuggelten Agenten erfolgreich Pläne der iranischen Führung nach Jerusalem. Bei einer Pressekonferenz ließ Premierminister Benjamin Netanjahu bald darauf die Bombe platzen: Das Mullah-Regime hatte nie vorgehabt sich an die Regelungen des internationalen Atomabkommens zu halten. Bei seiner Präsentation prangten groß die Worte „Der Iran hat gelogen“ auf einer Leinwand. Auf die Enthüllung hin entschied der ehemalige US-Präsident Donald Trump sich aus dem Abkommen zurückzuziehen und verhängte schwere Sanktionen, die das Land Richtung wirtschaftlichen Ruin trieben. Trotz akuter Bemühungen zu Beginn diesen Jahres, ist ein neues Abkommen bislang gescheitert. Am Samstag wurden die Verhandlungen allerdings wieder aufgenommen. Ob nun eine nukleare Aufrüstung droht? Die Internationale Atomenergie-Organisation weis darauf schon seit Monaten keine Antwort mehr, da der Iran eine Überprüfung seiner Anlagen verweigert. Allein Israel versucht durch gezielte Sabotageangriffe der Großmacht Einhalt zu gebieten.

Iran reicht Klage gegen Israel bei UNO ein

Der Iran fühlt sich durch Cohens Offenheit offensichtlich bloß gestellt. In einer unbeholfenen Geste reichte eine iranische Delegation eine Beschwerde gegen Israel bei der UNO ein. „Diese Gesetzlosigkeit hat einen Punkt erreicht, an dem der ehemalige Beamte des israelischen Regimes unseren Nuklearwissenschaftlern schamlos und unverhohlen mit dem Tod droht“, sagte der Sprecher Shahrokh Nazemi. „Dieser Wahnsinn darf nicht geduldet werden.“ Der Iran hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Klagen gegen Israel eingereicht. Bei diesen Gelegenheiten kommt jedoch nicht zur Sprache, dass sich die iranische Regierung die Vernichtung des gesamten jüdischen Staates auf die Fahnen geschrieben hat.

Bild: Yossi Cohen am Tag der Ankündigung seines Amtsantritts als Mossad-Chef. Quelle: Flash90

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