zurück zu Aktuelles

Mehrere Tonnen Uranmetall in Syrien entdeckt – IAEA prüft Assad-Altlast

JERUSALEM, 19.08.2026 (DR) – Die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) hat in Syrien Zugang zu einem bislang nicht deklarierten Standort mit mehreren Tonnen natürlichen Uranmetalls erhalten. IAEA-Chef Rafael Grossi erklärte, das Material könne missbraucht werden. Das Uran ist nicht angereichert.

Der Fund ist für Israel besonders relevant. Israel zerstörte 2007 bei Deir ez-Zor die Al-Kibar-Anlage. Die IAEA kam 2011 zu dem Schluss, dass es sich sehr wahrscheinlich um einen nicht deklarierten Kernreaktor gehandelt hatte. Das Assad-Regime hatte dagegen erklärt, dort habe sich lediglich eine konventionelle Militäreinrichtung befunden.

Zweiter Standort, neue Fragen

Syriens frühere Nuklearaktivitäten sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Bei Untersuchungen an drei mit Deir ez-Zor verbundenen Standorten fanden IAEA-Inspektoren 2024 an einem Ort Partikel natürlichen, chemisch verarbeiteten Urans.

Der aktuelle Fund stammt von einem weiteren, zuvor nicht deklarierten Standort außerhalb von Damaskus. Wie Axios unter Berufung auf israelische und US-Regierungsvertreter berichtet, handelt es sich um die als „Site 99“ bekannte Anlage. Israel beobachtet den Standort demnach seit rund zwei Jahren. Israelischen Regierungsvertretern zufolge lagerte das Assad-Regime dort Material aus dem Al-Kibar-Nuklearprojekt.

Israel hatte gegenüber Washington deutlich gemacht, dass das Material dort nicht verbleiben dürfe. Laut Axios drohten israelische Vertreter mit einem erneuten Angriff, falls das Material nicht entfernt werde oder die neue syrische Führung darauf zugreife. Die US-Regierung bat Israel daraufhin, nicht militärisch einzugreifen, und schaltete die IAEA ein.

Neue Führung kooperiert mit IAEA

Die heutige syrische Führung arbeitet bislang eng mit der Atomenergiebehörde zusammen. Damaskus meldete das Material am 17. Juli aus eigener Initiative und gewährte Inspektoren Zugang. Die IAEA will den Bestand nun vollständig erfassen und unter ihre Sicherungsmaßnahmen stellen.

Damit hat sich die Lage gegenüber früheren Berichten verändert. Axios hatte Anfang August noch gemeldet, das Material solle aus Syrien abtransportiert werden. Nach der offiziellen Vereinbarung bleibt es vorerst in syrischem Gewahrsam. Außenminister Asaad al-Schaibani betonte zugleich Syriens Recht auf eine friedliche zivile Nutzung der Kernenergie. Hinweise auf ein aktuelles syrisches Atomwaffenprogramm gibt es bislang nicht.

Titelbild: IAEA-Chef Rafael Grossi und Syriens Präsident Ahmed al-Scharaa besprachen bereits bei ihrem ersten Treffen im Juni 2025 die Aufarbeitung offener Nuklearfragen und eine friedliche Nutzung der Kernenergie. Foto: D. Candano/IAEA

Weitere News aus dem Heiligen Land