
Die Zukunft des Gazastreifens – Smotrich fordert israelische Militärpräsenz
JERUSALEM, 19.08.2026 (NH) – Am ersten Tag des neuen Semesters an der Jeschiwa in Sderot, nur einen Kilometer vom Gazastreifen entfernt, äußerte sich Finanzminister Bezalel Smotrich zur strategischen Zukunft Israels. Angesichts jüngster gezielter Tötungen von Hamas-Terroristen forderte Smotrich Premierminister Benjamin Netanjahu auf, den Kurs zu ändern, den Gazastreifen vollständig zu erobern und dort eine dauerhafte israelische Militärverwaltung zu etablieren.
Direkte Kontrolle als Sicherheitskonzept
Für Smotrich steht fest, dass der Schutz der israelischen Grenzgemeinden langfristig nur durch direkte Präsenz gewährleistet werden kann: „Wo es Siedlungen gibt, gibt es eine Armee und gibt es Sicherheit“. Internationale Kräfte lehnt er als Sicherheitsgarantie ab. Mit Blick auf US-Sicherheitsentwürfe betonte der Minister, dass kein Land eigene Soldaten senden werde, um die Hamas zu entwaffnen. Israel müsse daher die volle Verantwortung übernehmen, um ein erneutes Terrorregime an der Grenze zu jüdischen Gemeinden zu verhindern. Flankiert werden soll der Kurs durch die Förderung einer freiwilligen Auswanderung der lokalen Bevölkerung.
Militärverwaltung als historisches Modell
Die Forderung nach direkter Kontrolle ist nicht neu. Smotrich betonte, dass er diese Position seit dem ersten Kriegstag gegenüber dem Premierminister vertritt. Auch historisch hat Israel in Gaza auf eine Militärverwaltung zurückgegriffen. Nach dem Sinai-Feldzug 1956 errichtete Israel vorübergehend eine Militärverwaltung. Nach dem Sechstagekrieg 1967 führte Israel erneut eine Militärverwaltung im Gazastreifen ein. Sie bestand bis zur Übertragung ziviler Befugnisse an die Palästinensische Autonomiebehörde im Zuge des Oslo-Prozesses. 2005 zog Israel vollständig aus dem Gazastreifen ab. Zwei Jahre später übernahm die Hamas nach gewaltsamen Kämpfen die Kontrolle.
Befürworter einer erneuten israelischen Kontrolle argumentieren, dass ein Sicherheitsvakuum an Israels Grenzen von Extremisten ausgenutzt werden kann. Direkte Kontrolle gilt ihnen als Voraussetzung für eine dauerhafte Sicherheitsordnung.
Die ICGS-Analyse zur Militärherrschaft
Auch israelische Strategieexperten haben eine Militärverwaltung als Option diskutiert. Eine ICGS-Analyse aus dem Jahr 2025 befasst sich mit diesem Szenario. Forschungsleiter David Hacham legte darin dar, dass eine israelische Militärherrschaft als „finaler Zug“ die Hamas-Herrschaft nach fast zwei Jahrzehnten beenden könnte. Im August 2025 verabschiedete das israelische Sicherheitskabinett fünf Grundprinzipien für ein Kriegsende: die Entwaffnung der Hamas, die Heimkehr aller Geiseln, die Demilitarisierung Gazas, die israelische Sicherheitskontrolle und eine zivile Alternative zur Hamas. Experten wie Hacham betonen, dass eine solche Verwaltung angesichts von 2,2 Millionen Menschen erhebliche logistische Anstrengungen und anhaltende Anti-Terror-Maßnahmen erfordern würde. Befürworter sehen darin dennoch einen Ansatz, um den Wiederaufbau der Terrorstrukturen zu verhindern.
Eine entschlossene israelische Sicherheitskontrolle gilt daher als entscheidend, um den Wiederaufbau der Hamas-Strukturen zu verhindern und die Sicherheit der angrenzenden israelischen Gemeinden langfristig zu gewährleisten.
Titelbild: Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich bei einer Pressekonferenz am 19. Mai 2026 im Finanzministerium in Jerusalem. Foto: Yonatan Sindel/Flash90