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Neue Dynamik: Hunderte ultraorthodoxe Rekruten treten der israelischen Armee bei

JERUSALEM, 31.08.2026 (NH) – Am Rekrutierungszentrum Tel Hashomer haben neue ultraorthodoxe Israelis (Haredi) ihren Dienst bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) angetreten. Mehr als 500 Haredi-Rekruten werden in diesem Zyklus erwartet, rund 300 davon für Kampf- und Frontverbände. Im vergangenen Jahr verpflichteten sich 375 Haredi-Soldaten.

Haredi-Rekruten verstärkt in Kampfverbänden

Die neuen Rekruten werden unter anderem im Netzah-Yehuda-Bataillon, in der Chaschmonaim-Brigade mit dem Bataillon „Yonatan“, der Chetz-Kompanie der Fallschirmjäger sowie in Einheiten der Luftwaffe und der Grenzpolizei Magav eingesetzt. Weitere rund 200 Rekruten sollen technologische und logistische Programme wie „Ma’alot Tzur“ und „Project Yoav“ durchlaufen. Sie verbinden den Militärdienst mit einer beruflichen Qualifizierung.

Die Entwicklung ist für die Armee angesichts der anhaltenden sicherheitspolitischen Belastungen Israels von Bedeutung. Zugleich wächst in der Haredi-Gesellschaft die Zahl junger Männer, die den Militärdienst als Beitrag zur Verteidigung des Landes verstehen.

„Es ist eine große Ehre, das Land zu verteidigen“

Hinter den Zahlen stehen persönliche Entscheidungen. Yosef Friedman aus Modi’in Illit, der dem Netzah-Yehuda-Bataillon beitritt, sagte: „Ich konnte letzte Nacht nicht schlafen. Ich bin unglaublich aufgeregt. Es ist eine große Ehre, das Land zu verteidigen.“ Auch Itamar Reinhold, Absolvent der Thora-Akademie „Nitzotz Ba’Emunah“, nannte seinen Bruder als Vorbild. Dieser habe während des Krieges in Gaza bei Netzah Yehuda gedient. „Ich wollte einfach ein Teil davon sein“, sagte Reinhold.

Auch seine Familie unterstützt die Entscheidung. Rachel Zeiton, deren Sohn ebenfalls seinen Dienst beginnt, erklärte, er habe sich in der Yeshiva, einer traditionellen jüdischen Religionsschule für das Thora- und Talmudstudium, weniger wiedergefunden. Nach seinem Austritt sei für die Familie klar gewesen, dass er sich freiwillig melden werde.

Ultraorthodoxe jüdische Demonstranten protestieren am 30. August 2026 vor dem IDF-Rekrutierungszentrum in Tel Hashomer (Zentralisrael) gegen die Einziehung ultraorthodoxer Juden zur IDF. Foto: Avshalom Sassoni/Flash90
Religiöse Identität zwischen Dienst und Protest

Yossi Levy, Geschäftsführer der Organisation „Shomer Israel“ und ehemaliger Offizier, bezeichnete die Entwicklung als wichtigen Schritt für die Integration von Haredim in die IDF. Die Rekruten zeigten, dass sich eine strenge Thora-Identität mit einem Beitrag zur nationalen Sicherheit verbinden lasse, sagte Levy.

Der Militärdienst bleibt in der ultraorthodoxen Gesellschaft jedoch umstritten. Vor dem Rekrutierungszentrum in Tel Hashomer protestierten Dutzende Gegner der Einziehung von Haredim. Nach Angaben aus dem Umfeld der Demonstranten hatte auch die Edah Haredit zu den Protesten aufgerufen. In einem Schreiben wurde der Militärdienst als „Weg in den Abgrund“ bezeichnet.

Einige Demonstranten versuchten, den Zugang der Rekruten zu behindern. Die Polizei griff ein, um die Sicherheit der Beteiligten zu gewährleisten. Unterstützer der Rekruten stimmten „Am Yisrael Chai“ – „Das Volk Israel lebt“ – an.

Unterstützung aus der Politik

Auch Politiker begleiteten den Einzug. Der ultraorthodoxe Abgeordnete Moti Leitner sagte: „Wir sind stolz auf euch. Die Tage, an denen sich die Führung für euch schämte, sind vorbei.“ Oppositionsführer Avigdor Liberman würdigte den Schritt und verwies auf gegenseitige Verantwortung und gesellschaftliche Solidarität. Yoaz Hendel, Vorsitzender von Beit Zioni, unterstützte ebenfalls die Rekruten und kritisierte deren Gegner.

Der aktuelle Rekrutierungszyklus zeigt eine wachsende Beteiligung ultraorthodoxer Israelis an der Landesverteidigung. Für die jungen Haredim, die sich für den Dienst entscheiden, müssen religiöse Identität und die Verteidigung Israels kein Widerspruch sein.

Titelbild: Ultraorthodoxe junge Rekruten feiern im IDF-Rekrutierungszentrum in Tel Hashomer ihren Beginn des Militärdienstes. Foto: Erik Marmor/Flash90

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