
„Fauda“ in der Realität – Wie Israels Inlandsgeheimdienst als Gemüsehändler den Hamas-Sicherheitschef überlistete
JERUSALEM, 07.09.2026 (NH) – In einer hochriskanten Geheimdienstoperation haben israelische Sicherheitskräfte den Hamas-Sicherheitschef Mu’in al-Arabid im Gazastreifen lebend festgenommen. Al-Arabid gilt als hochrangiger Funktionär des Hamas-Sicherheitsapparats. Er war nach Angaben Israels unter anderem an der Sicherung und Verbringung israelischer Geiseln sowie am Wiederaufbau der Hamas-Strukturen im Norden des Gazastreifens beteiligt. Der Zugriff erinnert zwar an die israelische Erfolgsserie „Fauda“, doch hinter der Operation stand eine monatelang vorbereitete Geheimdienstmission.
Gemüsestände als Tarnung der Operation
Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet soll die Operation rund zwei Monate vor dem Zugriff vorbereitet haben. Spezialkräfte gaben sich als Mitarbeiter einer internationalen humanitären Organisation aus und bauten in der Region mehrere kleine Hilfsprojekte auf. Dazu gehörten getarnte Verkaufsstände für Gemüse und Getränke. Für den Verkauf wurden lokale Palästinenser angeworben, darunter auch Frauen. Über die aufgebauten Kontakte sammelten die israelischen Agenten Informationen über die Bewegungen verdächtiger Personen. Zu den beobachteten Personen gehörte auch al-Arabid.
Die lokalen Helfer wussten nicht, dass sie mit israelischen Geheimdienstmitarbeitern zusammenarbeiteten. Am Tag vor dem Zugriff übernahmen die verdeckten Agenten selbst die Stände und versteckten dort Waffen für die bevorstehende Operation.
Schusswechsel und Festnahme
Der Einatz erfolgte im Westen von Gaza-Stadt. Ein Sondereinsatzkommando versuchte, al-Arabid beim Verlassen seines Hauses zu überraschen. Dabei kam es zu einem Schusswechsel. Al-Arabid eröffnete das Feuer auf die Einsatzkräfte. Die Soldaten setzten daraufhin ein Spezialprojektil mit einem Betäubungsmittel ein. Während bewaffnete Begleiter des Hamas-Funktionärs weiter auf die israelischen Kräfte schossen, unterstützte eine israelische Drohne den Einsatz mit einem gezielten Angriff auf das Gebäude.
Al-Arabid versuchte anschließend, sich schwer verletzt hinter das Haus zurückzuziehen. Dort wurde er von einer zweiten israelischen Spezialeinheit abgefangen. Nach dem Einsatz einer Blendgranate gelang es den Kräften, den Hamas-Funktionär zu überwältigen und festzunehmen. Israelische Luftunterstützung sicherte gleichzeitig den Einsatzraum. Alle beteiligten israelischen Einsatzkräfte kehrten unversehrt zurück.
Strategischer Erfolg für Israel
Die Festnahme gilt als schwerer Schlag gegen die Hamas-Führung. Al-Arabid wurde nach dem Zugriff zur weiteren Vernehmung nach Israel gebracht. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz unterstrichen die Bedeutung der Festnahme. Netanjahu traf sich am folgenden Tag mit den an der Operation beteiligten Schin-Bet-Kräften der Gaza-Division und würdigte deren Einsatz.
Die Hamas reagierte mit einer verstärkten Suche nach mutmaßlichen Kollaborateuren. Dabei sollen mindestens 36 Palästinenser im Gazastreifen festgenommen worden sein.
Die Operation zeigt erneut die Reichweite des Schin Bet und der israelischen Sicherheitskräfte im Gazastreifen. Für Israel bleibt das Ziel klar: Die Strukturen hinter dem Terror gegen den jüdischen Staat sollen aufgespürt und ihre Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Titelbild: Palästinenser kaufen vor dem Eid al-Adha-Fest auf einem Markt in Chan Junis im südlichen Gazastreifen ein, 26. Mai 2026. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90