
Mehrheit der Israelis fürchtet Großangriff durch PA-Kräfte
JERUSALEM, 08.09.2026 (DR) – Eine deutliche Mehrheit der Israelis zeigt sich über einen möglichen Großangriff durch Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) besorgt. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs (JCFA) hervor.
Insgesamt befürchten 77 Prozent der befragten Israelis einen Angriff nach dem Vorbild des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023. Unter den jüdischen Befragten liegt dieser Anteil bei 86 Prozent.
Das Meinungsforschungsinstitut Lazar Research befragte zwischen dem 2. und 4. September insgesamt 703 Menschen. Nach Angaben des JCFA bildeten sie eine repräsentative Stichprobe der israelischen Bevölkerung.
Die Umfrage erfasste zudem die Haltung zu einem palästinensischen Staat entlang der Grenzen von 1967. Insgesamt lehnen 67 Prozent der Befragten dessen Gründung ab. Unter den jüdischen Israelis beträgt der Anteil 75 Prozent.
Eine INSS-Analyse vom Januar 2026 verweist auf Sicherheitsbedenken: Viele Israelis sehen in einem unabhängigen palästinensischen Staat seit dem 7. Oktober eine existenzielle Bedrohung. Sie fürchteten, er könne seine Eigenständigkeit und Sicherheitskräfte für Angriffe auf Israel nutzen.
Katz kündigt umfassenden Kampf an
Verteidigungsminister Israel Katz äußerte sich am Montag ebenfalls zu einem möglichen Großangriff aus Judäa und Samaria. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und er hätten die israelische Armee (IDF) angewiesen, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten.
Die Anweisung greife, sollten PA-Sicherheitskräfte oder mit ihnen verbundene Stellen einen Angriff nach dem Vorbild des 7. Oktober beginnen. Sie gelte auch, wenn Israel mit Sicherheit von einem unmittelbar bevorstehenden Angriff erfahre.
In diesem Fall solle die IDF einen „umfassenden Krieg“ gegen führende PA-Vertreter, deren Behörden und alle terroristischen Strukturen in Judäa und Samaria eröffnen. Katz zufolge könnte der Einsatz auch gezielte Tötungen, Evakuierungen und eine dauerhafte israelische Militärpräsenz in geräumten Gebieten umfassen.
Studie warnt vor Stärke der PA-Sicherheitskräfte
Hintergrund der Umfrage ist eine im Juli veröffentlichte JCFA-Analyse des Reserveoffiziers Maurice Hirsch. Demnach verfügen die PA-Sicherheitsapparate insgesamt über rund 70.000 Angehörige. Mehr als 50.000 von ihnen seien in Judäa und Samaria stationiert.
Die Osloer Verträge sahen dort laut der Studie ursprünglich höchstens 12.000 Polizisten und eine begrenzte Bewaffnung vor. Hirsch zufolge besitzen die PA-Kräfte inzwischen unter anderem Panzerfäuste und schultergestützte Raketen. Zudem durchliefen Angehörige der Sicherheitsapparate militärische Ausbildungen.
Die Studie beschreibt vier mögliche, jeweils rund 22 Kilometer lange Angriffsrouten. Über diese könnten bewaffnete Kräfte innerhalb kurzer Zeit israelische Ortschaften und dicht besiedelte Gebiete erreichen.
Gleichzeitig besteht seit Jahren eine Sicherheitskooperation zwischen Israel und der PA. Deren Sicherheitskräfte gehen dabei auch gegen Hamas und den Palästinensischen Islamischen Dschihad vor.
Hirsch fordert dennoch, Größe und Bewaffnung der PA-Sicherheitskräfte auf das in den Osloer Verträgen vereinbarte Maß zurückzuführen. Zudem empfiehlt er strengere Kontrollen der Waffenbestände und einen verstärkten Schutz israelischer Ortschaften nahe Judäa und Samaria.
Titelbild: Palästinensische Sicherheitskräfte sichern am 5. Januar 2025 in Nablus eine Kundgebung von Fatah-Anhängern zum 60. Jahrestag der Gründung der Bewegung. Foto: Nasser Ishtayeh/Flash90