zurück zu Aktuelles

Nur 17 Prozent der Israelis glauben an friedliche Koexistenz

JERUSALEM 22.09.2026 (LS) – Fast drei Jahre nach Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas glauben nur 17 Prozent der Israelis, dass Israel und ein unabhängiger palästinensischer Staat friedlich nebeneinander bestehen können. Unter den befragten Palästinensern liegt der Anteil mit 21 Prozent nur geringfügig höher.

Eine deutliche Mehrheit sieht dagegen keine Möglichkeit für eine solche Koexistenz. In Israel sind es 56 Prozent, unter den Palästinensern 68 Prozent. Die Umfrage wurde vom Pew Research Center durchgeführt. Befragt wurden 1.001 Erwachsene in Israel und 1.038 Palästinenser im  sogenannten Westjordanland und in Ostjerusalem. Der Gazastreifen wurde wegen der Sicherheitslage nicht einbezogen.

Sicherheitsbedenken auf israelischer Seite

Die Ergebnisse zeigen, dass die Skepsis auf beiden Seiten unterschiedliche Gründe hat. Israelis, die eine friedliche Koexistenz für nicht möglich halten, nennen besonders häufig Sicherheitsfragen. Sie befürchten, ein unabhängiger palästinensischer Staat könnte sich zu einer feindlichen Macht entwickeln, Waffen erhalten oder Israel strategisch verwundbarer machen. Einige Befragte äußerten zudem die Überzeugung, dass palästinensische Führung und Bevölkerung letztlich nicht auf eine dauerhafte Koexistenz, sondern auf die Beseitigung Israels zielten.

Unter jüdischen Israelis halten lediglich 16 Prozent eine friedliche Koexistenz für möglich, während 64 Prozent dies ausschließen. Bei den arabischen Israelis sehen 23 Prozent eine Möglichkeit für friedliches Zusammenleben, während 26 Prozent dies verneinen. 46 Prozent machten bei dieser Frage keine inhaltliche Angabe.

Palästinenser nennen Besatzung und Siedlungen

Palästinensische Befragte verwiesen dagegen vor allem auf die israelische Kontrolle über Gebiete, Siedlungen, Checkpoints und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Auch die Ausweitung israelischer Siedlungen wurde häufig als Hindernis für die Schaffung eines funktionsfähigen palästinensischen Staates genannt.

Gleichzeitig gibt es auf beiden Seiten eine kleine Gruppe, die weiterhin an eine Lösung glaubt. Israelis und Palästinenser nannten dabei den Wunsch nach Frieden, die Vermeidung weiterer Gewalt und die Überzeugung, dass keine der beiden Bevölkerungen verschwinden werde. Einige Befragte sehen klar definierte Grenzen und politische Trennung als möglichen Weg.

Bei denjenigen, die eine friedliche Koexistenz für möglich halten, zeigen sich ebenfalls Unterschiede: Palästinenser verwiesen häufiger auf mögliche wirtschaftliche Vorteile eines Friedens, während Israelis eher Bedingungen wie den Wiederaufbau von Vertrauen, politische Zugeständnisse und eine veränderte politische Führung nannten.

Die aktuelle Umfrage markiert für Israel einen neuen Tiefpunkt in der langjährigen Pew-Erhebung. Seit Beginn der Befragungen im Jahr 2013 ist der Anteil der Israelis, die eine friedliche Koexistenz für möglich halten, deutlich zurückgegangen.

Titelbild: Der Optimismus für eine Koexistenz fällt stetig. Foto: Nati Shohat/Flash90

Weitere News aus dem Heiligen Land