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Netanjahu in Erklärungsnot: Ägyptische Warnung und Vorwürfe aus Katar

JERUSALEM, 27.09.2026 (DR) – Vor Israels Parlamentswahl am 27. Oktober sind Benjamin Netanjahus Gaza-Politik und sein Umgang mit Warnungen vor dem Hamas-Massaker erneut in den Fokus gerückt..

Warnung elf Tage vor dem Angriff

Am 26. September 2023 soll Ägyptens damaliger Geheimdienstchef Abbas Kamel nach Israel gereist sein. Das berichtet das einflussreiche US-Magazin The Atlantic. Die Angaben zu seinem Flug stützen sich demnach auf ein Flughafenprotokoll und unabhängige Flugverfolgungsdaten.

Vertreter mehrerer Länder, die nach dem 7. Oktober über den Besuch informiert wurden, berichteten dem Magazin zufolge, Kamel habe Israel vor einem möglichen größeren Angriff der Hamas gewarnt und wirtschaftliche Zugeständnisse empfohlen. Die Warnung enthielt laut The Atlantic weder ein Datum noch Ziele oder einen Angriffsplan. Wen Kamel traf, blieb ungeklärt. Ein ehemaliger israelischer Beamter, der erst nach dem Angriff von Kamels Besuch erfuhr, hielt es dennoch für ausgeschlossen, dass hochrangige Vertreter Kamel empfingen, ohne Netanjahu zu unterrichten: „Der Bote war die Botschaft.“ Ob der Ministerpräsident informiert wurde, ist allerdings nicht belegt.

Über ägyptische Warnungen wurde bereits 2023 berichtet; Netanjahus Büro dementierte damals. Neu sind die Angaben zu Kamels Besuch. Das Büro bezeichnete den Bericht als Wiederholung früher dementierter Vorwürfe, die die Öffentlichkeit beeinflussen sollten. Netanjahu habe Kamel weder getroffen noch mit ihm gesprochen; kein Geheimdienstmitarbeiter habe ihm eine Warnung übermittelt. Der damalige Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi bestritt sogar Kamels Besuch.

Katar erhebt Vorwürfe – Israel widerspricht

In einem CNN-Interview warf Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani Netanjahu vor, die Umsetzung des Gaza-Abkommens aus politischem Eigeninteresse zu behindern. Katar vermittelt seit Jahren zwischen Israel und der Hamas. Al Thani behauptete, Israel kontrolliere über 70 Prozent des Gazastreifens und lasse täglich nur 150 statt der vereinbarten 600 Hilfslastwagen hinein. Israelische Behörden meldeten dagegen für eine Woche im Mai 2026 rund 600 humanitäre Lastwagen täglich. Die Angaben sind wegen unterschiedlicher Zeiträume und Zählweisen nicht unmittelbar vergleichbar.

Die israelische Armee begründet ihre Einsätze mit Angriffsvorbereitungen und dem militärischen Wiederaufbau der Hamas unter Verstoß gegen die Waffenruhe. Al Thani bestritt zudem, dass katarisches Geld an den militärischen Flügel der Hamas gelangt sei. Recherchen von Ynet und Yedioth Ahronoth berichten dagegen von israelischen Geheimdiensterkenntnissen, wonach solche Gelder zum militärischen Aufbau der Hamas beitrugen und später auf 40 bis 50 Prozent ihres Militärbudgets geschätzt wurden.

Die ebenfalls angesprochene „Katargate“-Affäre betrifft einen anderen Geldfluss. Beteiligte sollen während des Gaza-Krieges Katars Rolle bei den Geiselverhandlungen positiv dargestellt haben, während sie zeitweise auch für Netanjahu tätig waren. Al Thani bezeichnete die Vorwürfe als „absurd“: Falls Katar Netanjahus Umfeld bezahlt hätte, wäre dies „die schlechteste Investition, die Katar je getätigt hat“.

Titelbild: Ägyptens ehemaliger Geheimdienstchef Abbas Kamel (links) und Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani. Ausschnitte von Archivbildern, Montage. Fotos: US-Außenministerium über Wikimedia Commons, gemeinfrei.

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