
Hamas sieht sich als Sieger und verdient täglich Millionen in Gaza
JERUSALEM 11.10.2026 (LS) – Drei Jahre nach dem 7. Oktober liefern zwei neue israelische Geheimdienstberichte ein alarmierendes Bild. Hamas betrachtet ihr Überleben als Sieg, glaubt weiterhin an die Zerstörung Israels und finanziert sich täglich mit bis zu fünf Millionen US-Dollar (ca. 4,4 Millionen Euro) aus Steuern auf Hilfslieferungen und dem Schwarzmarktverkauf von humanitärer Hilfe.
„Sie glauben daran – auch wenn es sich verzögert”
Laut einem Geheimdienstbericht, der Freitag der israelischen Führung – darunter Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz – präsentiert wurde, betrachtet Hamas ihre Fähigkeit, der israelischen Armee (IDF) drei Jahre lang standzuhalten, als „Sieg” – trotz Israels Kontrolle über rund 70 Prozent des Gazastreifens. Die Terrororganisation betrachtet diese territoriale Kontrolle als „vorübergehend”.
Ein hochrangiger Sicherheitsvertretrer zitierte die Selbstwahrnehmung der Hamasführung: „Sie sagen sich – und wir können das sehen –, dass sie durch einen Angriff mit bärtigen Männern in Dschalabiyas und Flip-Flops und durch ihren standhaften Widerstand gegen die IDF auch nach drei Jahren nicht besiegt wurden.” Hamas halte an der Vision des Gründers Sheikh Ahmed Yassin fest: Die letzte Generation werde den Sieg der Hamas, den Zusammenbruch Israels und die Errichtung eines islamischen Staates herbeiführen. „Sie glauben daran, auch wenn es sich verzögert.”
Die Terrororganisation bereitet sich laut dem Bericht zudem auf einen möglichen IDF-Vorstoß nach Gaza-Stadt vor und plant Zivilbewegungen als Reaktion. Ein Bodenoffensive ist nach Einschätzung des Sicherheitsexperten „letztlich unvermeidbar”, sollte Hamas sich weigern zu entwaffnen.
Shin-Bet-Expertin: Hamas verdient bis zu fünf Millionen Dollar täglich
Parallel dazu enthüllte Neomi Neumann, die ehemalige Leiterin der Forschungsabteilung des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet und heute Mitglied am Washington Institute, in einem KAN-Interview das Ausmaß der wirtschaftlichen Macht der Hamas in Gaza. „Hamas kontrolliert Gaza noch immer”, erklärte sie. „Die palästinensische Bevölkerung begegnet der Hamas täglich und aus ihrer Perspektive ist Hamas hier, um zu bleiben.”
Hamas verdient demnach täglich zwischen zwei und fünf Millionen US-Dollar – durch Steuern von 15 bis 25 Prozent auf Waren, die private Händler in den Streifen einführen, sowie durch den Schwarzmarktverkauf beschlagnahmter Hilfsgüter zu überhöhten Preisen. „Alles, was in den Streifen gelangt, wird zur Einnahmequelle für Hamas”, erklärte Neumann. Die Durchsetzung ihrer Herrschaft erfolgt über geheime Einheiten, „die Angst verbreiten, Disziplin durchsetzen und die Kontrolle in Gebieten wiederherstellen, in denen die Regierungsstrukturen zusammengebrochen sind.”
Hamas „verkauft bezahlte Lösungen in Gaza und ist der wichtigste Beschäftigungsfaktor”, so Neumann. Sie bestimme, wer was erhalte, und schaffe so Abhängigkeit. Neumann forderte: „Die Einnahmequellen der Hamas müssen sofort versiegt werden, ihre Einflussnahme auf Institutionen muss verhindert werden, und es müssen Hilfsmechanismen geschaffen werden, die nicht von ihr abhängen.”
Titelbild: Mitglieder der Izz ad-Din al-Qassam-Brigaden, des bewaffneten Flügels der Hamas-Bewegung, bei einer Patrouille in Rafah. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90