
Frankreich: Synagoge verwüstet und jüdische Geschäfte bei Unruhen angegriffen
PARIS/JERUSALEM, 20.10.2026 (DR) – Bei den landesweiten Unruhen in Frankreich haben Randalierer auch jüdische Einrichtungen angegriffen. In Paris verwüsteten Unbekannte eine Synagoge, in Marseille wurden jüdische Geschäfte beschädigt und in Brand gesetzt. Gleichzeitig verbreiteten sich in sozialen Medien antisemitische Verschwörungstheorien, die Juden und Israel für die Ausschreitungen verantwortlich machten.
Synagoge verwüstet, jüdische Geschäfte in Brand gesetzt
In der Nacht zum Sonntag drangen Unbekannte in die Synagoge „Ohalei Yaakov“ im 19. Pariser Stadtbezirk ein. Sie durchsuchten Schränke und das Büro des Rabbiners. Gebetsbücher, Gebetsriemen und andere Gegenstände lagen anschließend verstreut auf dem Boden. Die Thorarollen blieben offenbar unbeschädigt.
Die Gemeinde nutzt die Räumlichkeiten vorübergehend, während ihr eigentliches Synagogengebäude renoviert wird. Ein Mitglied des Synagogenkomitees vermutet als Motiv einen versuchten Diebstahl. Anscheinend wurde allerdings nichts entwendet.
In Marseille setzten Randalierer Geschäfte jüdischer Eigentümer in Brand. Der jüdische Sicherheitsdienst SPCJ erklärte, es lägen bislang keine Belege für eine gezielte Auswahl jüdischer Einrichtungen vor.
Tausende Festnahmen bei landesweiten Unruhen
Die Ausschreitungen folgten auf Proteste gegen steigende Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungswesen. In mehreren Städten kam es zu Plünderungen, Brandstiftungen und gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. In Teilen von Paris gelten seit Montagabend nächtliche Ausgangssperren. Auch andere Städte haben Einschränkungen verhängt.

Nach aktuellen Angaben wurden rund 2.400 Menschen festgenommen. Mehr als 3.000 Geschäfte wurden beschädigt. Bei zahlreichen gewaltsamen Protesten waren palästinensische Flaggen und Kufiyas zu sehen.
Juden und Israel als Sündenböcke
Während Frankreich mit den Ausschreitungen kämpfte, verbreiteten sich auf der sozialen Plattform X antisemitische Verschwörungstheorien. Das Forschungszentrum der Organisation Combat Antisemitism Movement (CAM) identifizierte zwischen dem 16. und 18. Oktober insgesamt 1.384 entsprechende Beiträge.
Einige Nutzer behaupteten: „Der Mossad setzt Frankreich gerade in Brand.“ Andere bezeichneten die Unruhen als einen „von jüdischen Eliten inszenierten Bürgerkrieg“. Zudem verbreiteten rechtsextreme Accounts die Botschaft: „Die Juden haben Frankreich das angetan. Lasst nicht zu, dass sie es auch Amerika antun.“
Die untersuchten Beiträge enthielten auch Aufrufe zur Gewalt, Vertreibung und Ermordung von Juden. Nach Angaben von CAM erzielten die Inhalte Millionen Aufrufe.
CAM-Geschäftsführer Sacha Roytman forderte die französischen Sicherheitsbehörden auf, entschieden gegen die Randalierer vorzugehen. Auch die Betreiber sozialer Netzwerke müssten der Gesetzlosigkeit ein Ende setzen, „bevor Menschenleben verloren gehen“.
Titelbild: Aufnahmen aus der verwüsteten Synagoge Ohalei Yaakov in Paris am 18. Oktober 2026. Quelle: Privat / Screenshots Soziale Medien.