
Ein starkes Israel: Das Zuhause des jüdischen Volkes
von Alon David
JERUSALEM/BERLIN, 27.10.2026 – Während der Zentralrat der Juden in Deutschland vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober warnt, wird in Israel gewählt. In einer Zeit, in der Juden weltweit Anfeindungen und Bedrohungen erleben, erinnert dieser Tag daran, wie wichtig ein souveräner jüdischer Staat ist.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland warnt vor einer möglichen Eskalation bei den für den 31. Oktober angekündigten Protesten. In einem Schreiben beschreibt er eine erhöhte Gefährdungslage. Die gewaltbereite Rhetorik rund um die Mobilisierungen und mögliche Verbindungen zwischen israelfeindlichen Akteuren in Deutschland und kriminellen Gruppierungen in Frankreich ließen befürchten, dass es auch zu antisemitischen Übergriffen kommen könnte. Jüdische Gemeinden und Einzelpersonen werden deshalb zu besonderer Vorsicht aufgerufen.
Es ist erschreckend, dass jüdisches Leben in Deutschland auch im Jahr 2026 mit solchen Sorgen verbunden ist. Während andere Menschen ihren Alltag selbstverständlich gestalten, müssen jüdische Gemeinden Sicherheitskonzepte überprüfen und überlegen, wie sie ihre Veranstaltungen schützen können. Dass der Zentralrat vor möglichen antisemitischen Übergriffen warnen muss, zeigt wie ernst die Lage genommen wird.
Die Entwicklung steht zudem nicht isoliert da. In zahlreichen Ländern erleben Juden Anfeindungen, Bedrohungen und Angriffe. Jüdische Symbole werden zum Anlass für Beschimpfungen, Menschen werden für die Politik Israels verantwortlich gemacht und jüdische Einrichtungen benötigen besondere Sicherheitsmaßnahmen. Niemand sollte sich dafür rechtfertigen müssen, jüdisch zu sein oder eine Verbindung zu Israel zu haben.
Antisemitismus darf nicht verharmlost werden, unabhängig davon, aus welchem politischen oder gesellschaftlichen Milieu er kommt. Kritik an einer israelischen Regierung gehört zur politischen Debatte. Die pauschale Verantwortlichmachung von Juden für Israels Politik, Drohungen gegen jüdische Menschen und Gewalt gegen jüdische Einrichtungen sind jedoch keine legitime politische Auseinandersetzung.
Warum Israel stark sein muss
Genau deshalb braucht das jüdische Volk ein starkes Israel.
Israel ist mehr als ein Staat. Es ist das Zuhause des jüdischen Volkes, ein Ort, an dem Juden ihre Zukunft selbst gestalten und Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen können. Nach Jahrhunderten der Verfolgung, Vertreibung und schließlich der Schoa ist die Existenz eines souveränen jüdischen Staates ein historischer Wendepunkt.
Über Generationen hinweg waren Juden darauf angewiesen, dass andere Staaten sie schützten. Allzu oft wurde dieser Schutz verweigert. Israel bedeutet, dass das jüdische Volk nicht mehr ausschließlich auf den guten Willen anderer angewiesen ist. Der Staat kann nicht jede Bedrohung verhindern, doch er besitzt eigene Institutionen und Streitkräfte, um seine Bürger zu schützen und sich gegen Angriffe zu verteidigen.
Das bedeutet keineswegs, dass Juden außerhalb Israels weniger Schutz verdienen. Deutschland trägt eine besondere Verantwortung dafür, dass jüdisches Leben hier sicher und frei möglich ist. Kein Jude sollte aus Angst vor Antisemitismus seine Heimat verlassen müssen. Doch die Existenz Israels bleibt eine entscheidende Errungenschaft: ein souveräner Staat, in dem das jüdische Volk seine Zukunft selbst bestimmen kann.
Ein Feiertag der Demokratie
Und heute ist ein besonderer Tag. In Israel wird gewählt. Trotz Terror, Krieg und politischer Spaltung entscheiden die Bürger an der Wahlurne über die Zukunft ihres Landes. Sie können ihre Regierung kritisieren, für unterschiedliche Parteien stimmen und darüber mitbestimmen, welchen politischen Weg Israel einschlagen soll.

Israel ist nicht perfekt. Wie in anderen demokratischen Staaten gibt es heftige Auseinandersetzungen, politische Konflikte und unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft. Doch gerade die Möglichkeit, diese Konflikte politisch auszutragen und durch Wahlen Einfluss zu nehmen, ist ein wesentlicher Bestandteil einer freien Gesellschaft.
Für mich ist dieser Wahltag deshalb mehr als ein politisches Ereignis. Er ist ein Anlass, sich bewusst zu machen, was es bedeutet, dass das jüdische Volk einen eigenen Staat hat. Einen Staat, in dem jüdisches Leben nicht nur geduldet wird, sondern die Gesellschaft, ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Zukunft selbst prägt.
Juden auf der ganzen Welt können heute stolz darauf sein, dass Israel existiert und seine Bürger demokratisch über ihre politische Zukunft entscheiden. Das bedeutet nicht, dass man jede Entscheidung einer israelischen Regierung unterstützen muss. Die Verbundenheit mit Israel und die Anerkennung seiner Demokratie schließen Kritik nicht aus.
Ein starkes Israel bedeutet Sicherheit, Selbstbestimmung und ein Zuhause für das jüdische Volk. In einer Zeit, in der der Zentralrat der Juden vor möglichen antisemitischen Übergriffen warnen muss und jüdische Menschen weltweit Anfeindungen erleben, ist das keine Selbstverständlichkeit.
Heute wird in Israel gewählt. Ein Tag der Demokratie, ein Tag der Selbstbestimmung und ein Tag, der daran erinnert, dass das jüdische Volk eine Zukunft hat, die es selbst gestalten kann.
Titelbild: Gesamtansicht der israelischen Ortschaft Karnei Shomron in Judäa und Samaria. Foto: Sraya Diamant/Flash90