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Netanjahus Likud-Partei führt in den Teilergebnissen, derzeit fehlen die erforderlichen 61 Mandate – Opposition könnte Regierung mit arabischen Parteien bilden

JERUSALEM 28.10.2026 (LS) – Die aktuellen Knessetwahlen sind die erste Wahl nach dem 7. Oktober und nach einer vollen Legislaturperiode, die seit 1988 nicht mehr durchgehalten wurde. Die Wahlbeteiligung lag nach ersten Angaben bei rund 77,7 Prozent, so hoch wie seit 1999 nicht mehr. In der Knesset sind 120 Sitze zu vergeben, die Sperrklausel liegt bei 3,25 Prozent. Premierminister Benjamin Netanjahus Block liegt in den Teilergebnissen vorn, verfehlt aber die Mehrheit von 61 Sitzen. Auch Gadi Eisenkots Opposition kommt allein nicht auf 61.

Die Blöcke und ihre Parteien im Überblick

Den Netanjahu-Block führt die Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu an: Mitte-rechts, mit Fokus auf nationale Sicherheit, jüdischen Nationalismus und Ablehnung eines palästinensischen Staates. An seiner Seite stehen Itamar Ben Gvirs Otzma Jehudit, eine rechtsgerichtete Partei, die auf harte Linien bei Sicherheit und Strafverfolgung und auf mehr Siedlungen setzt, sowie die Religiös-Zionistische Partei von Bezalel Smotrich, die gemeinsam mit Moshe Feiglins Zehut antritt und Siedlungsausbau, israelische Souveränität über Judäa und Samaria und die Justizreform vorantreiben will. Dazu kommen die beiden ultraorthodoxen Parteien Schas und das Vereinigte Thora-Judentum. Beide wollen die Befreiung der Thora-Studenten vom Wehrdienst und den Schutz religiöser Institutionen sichern.

Im Oppositionsblock ist Gadi Eisenkots Yashar die stärkste Kraft: eine Partei der Mitte um den früheren Generalstabschef, die auf Sicherheit, Regierungsreform und Machtwechsel setzt. B’Yachad um Naftali Bennett, auf der Liste mit Yair Lapid, steht für Reformen, Wirtschaftswachstum und die Einberufung von Ultraorthodoxen. Die linken Demokraten von Yair Golan setzen sich für eine ”liberale Demokratie” und gleiche Dienstpflicht ein. Avigdor Lieberman führt mit Jisrael Beitenu eine säkulare, rechtsnationale Partei.

Die arabische Politik teilt sich in die Gemeinsame Liste um Jussef Jabareen, die Gleichberechtigung und nationale Rechte der Palästinenser betont, und Mansour Abbas’ pragmatische Ra’am mit Schwerpunkt auf Kriminalitätsbekämpfung, Haushaltsmitteln und besseren Lebensbedingungen.

Vorsprung für Netanjahu

Die ersten Prognosen nach Schließung der Wahllokale zeigten ein Bild ohne klaren Sieger. Die erste Hochrechnung sah den Netanjahu-Block bei 50, die Opposition bei 53 Sitzen. Doch über Nacht wandelte sich das Bild zugunsten des amtierenden Premierministers.

Nach den am Mittwoch um 9:20 Uhr aktualisierten Teilergebnissen, bei denen etwa 66,2 % der Stimmen ausgezählt waren, hat der derzeitige Koalitionsblock auf 56 Sitze zugelegt, während der Oppositionsblock auf 48 Sitze zurückgefallen ist. Die arabischen Parteien kommen zusammen auf 16 Mandate.

Verteilung der Knessetsitze, Stand Mittwoch 28.10.2026, 9:20. Foto: KI-erstellt

In der aktualisierten Sitzverteilung kommt Netanjahus Likudpartei nun auf 28, während die „Yashar-Partei von Gadi Eisenkot bei 21 Sitzen bleibt.

Noch fehlen Soldatenstimmen und Doppelumschläge (z.B. von Diplomaten im Ausland). Da derzeit sehr viele Soldaten und Reservisten für die Konflikte im Gazastreifen und dem Libanon mobilisiert sind, kann die Auszählung ihrer Stimmen noch eine Verschiebung mit sich bringen. Diese sollten innerhalb der nächsten zwei Tage vollständig ausgewertet sein. Sollten beide Blöcke nicht die erforderlichen 61 Sitze zur Regierungsbildung erreichen, besteht auch die Möglichkeit einer Einheitsregierung, die beide Seiten jedoch zum aktuellen Zeitpunkt ausschließen. Eisenkot könnte eine Koalition mit den arabischen Parteien in Erwägung ziehen. Präsident Herzog hatte vor der Wahl angekündigt, auf eine stabile Regierung hinzuarbeiten und Neuwahlen vermeiden zu wollen. Doch genau diese Gefahr steht nun im Raum: mögliche wochenlange Koalitionsverhandlungen, die am Ende in eine neue Wahl münden könnten.

Titelbild: Stimmzettel verschiedener israelischer politischer Parteien im Lager des Zentralen Wahlausschusses. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

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