
Die Narben des Helden von Flug FZ1073 zeugen von einer weiteren tödlichen Gefahr
JERUSALEM 01.11.2026 (LS) – Der 39-jährige Kapitän Smit Machchhar hat einen Monat nach dem Terroranschlag auf den Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv den Orden von Zayed II. erster Klasse in Abu Dhabi entgegengenommen. Dies ist eine der höchsten zivilen Auszeichnungen der Vereinigten Arabischen Emirate. Er empfing den Preis mit dem linken Arm in einer Schlinge und frischen, mit Klammern zusammengehaltenen Narben am rasierten Hinterkopf. Sein Co-Pilot, der 29-jährige Omaner Hamam al-Hammami, hatte ihn mit einer Notaxt mehrfach am Kopf getroffen und versucht, die Maschine in seine Gewalt zu bringen.
Starke Blutungen
Trotz starker Blutungen und verschwommener Sicht öffnete Machchhar die Cockpittür und ermöglichte damit das Eingreifen von Crew und Passagieren. Israelische Fluggäste überwältigten den Angreifer und fesselten ihn mit Kopfhörerkabeln. Zwei weitere Flydubai-Piloten, die als Reserve an Bord waren, darunter der Fidschianer Henson Steven, übernahmen die schwer beschädigte Maschine, der ein Teil des Hecks fehlte, und landeten sie sicher im saudischen Tabuk.

Unter den Passagieren war der israelische Zahnarzt Dr. Shota Musayev. „Es gab starke Blutungen am Kopf und an der linken Hand“, erinnert er sich. Etwa 45 Minuten lang drückte er auf die Wunden, bis das Flugzeug landete. In Tabuk wurde der Kapitän notoperiert, später kam er in eine Klinik nach Abu Dhabi.
Die zweite Gefahr unter dem Schädelknochen
Die Fotos beschäftigten auch Mediziner. Der amerikanische Neurochirurg Dr. Sanat Dixit sah auf den Bildern eine offene, eingedrückte Fraktur des Hinterhauptsknochens. Die Axthiebe, so seine Deutung, trafen offenbar den hinteren Abschnitt des oberen Sinus sagittalis, eines großen Blutleiters, der mittig zwischen den Hirnhälften verläuft und Blut aus dem Gehirn zum Herzen zurückführt. Verletzungen dort seien besonders heikel: Eine Reparatur ist technisch schwierig, es drohen massive Blutverluste, Luft im Blutkreislauf oder gefährliche Gerinnsel. In schweren Fällen könne das Risiko schwerer Komplikationen oder des Todes über 40 Prozent liegen – wohlgemerkt eine allgemeine Zahl, keine Prognose für Machchhar, dessen Akten Dixit nicht kannte.

Das Tückische: Ein eingedrückter Knochensplitter kann das verletzte Gefäß zugleich abdrücken und die Blutung bremsen. Hebt der Chirurg ihn an, droht unkontrollierter Blutverlust, Dixit sprach von „zwei Litern Blut in einer Minute“.
Entscheidende kommende Monate
Professor Rachel Grossman vom Rambam-Krankenhaus in Haifa mahnt zu Vorsicht. Auf den Fotos seien Platzwunden der Kopfhaut zu sehen, darunter vermutlich Schädelbrüche, nahe der Mittellinie über dem Blutleiter. Gerade deshalb sei das Anheben von Knochenfragmenten dort nicht immer ratsam. Ob eine große Schädeloperation nötig war oder nur Wundreinigung und Verschluss, lasse sich aus Bildern nicht erkennen. Da der Pilot bei Bewusstsein war, offenbar weder sediert noch beatmet wurde, spreche manches gegen einen Eingriff zur Druckentlastung. Entscheidend seien nun die kommenden Monate. Die anfänglichen Sehstörungen könnten auf eine Verletzung im hinteren Gehirnbereich hindeuten. Auch kognitive Folgen seien möglich.
Dr. Aziz Mazarib von Clalit im Norden Israels hält die Verletzung für potenziell tödlich. Nach dem Operationsbericht stamme die Blutung aus einer Vene, nicht aus einer Arterie, was weniger unmittelbar gefährlich, aber nicht harmlos sei. Dass der Kapitän trotz dieser Wunden noch kämpfen und Menschenleben retten konnte, bevor er zusammenbrach, zeige, wie ein schweres Schädel-Hirn-Trauma nicht sofort zur Bewusstlosigkeit führen muss. Sein junges Alter sei ein Vorteil. Er werde aber eine intensive, fächerübergreifende Reha brauchen. Der Mann, der 174 Menschen an Bord das Leben rettete, ist noch lange nicht über den Berg.
Titelbild: Smit Machchhar steht bei der Preisverleihung neben seinen Crewmitgliedern. Foto: UAE Presidential Palace.