
Demokraten gewinnen Zwischenwahlen in den USA: drei große Herausforderungen für Israel
JERUSALEM 05.11.2026 (LS) – Die Demokraten haben bei den US-Zwischenwahlen die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat gewonnen. Für Israel könnte das erhebliche Folgen haben: Der Krieg mit dem Iran, der wachsende Einfluss israelkritischer Politiker und der Präsidentschaftswahlkampf 2028 stellen Jerusalem vor neue Herausforderungen.
Trumps Iran-Politik gerät unter Druck
Eine zentrale Frage ist, wie US-Präsident Donald Trump auf die Wahlniederlage seiner Partei reagieren wird. Der Krieg mit dem Iran hat die Republikaner offenbar Stimmen gekostet. Nachwahlbefragungen zufolge sprachen sich 62 Prozent der Wähler gegen den Krieg aus. Auch Trump räumte ein, der Konflikt habe zum schlechten Abschneiden seiner Partei beigetragen.
Trump könnte deshalb versuchen, den Krieg durch diplomatische Verhandlungen zu beenden. Dabei müsste er möglicherweise Zugeständnisse an Teheran machen und eine Vereinbarung als außenpolitischen Erfolg darstellen. Eine andere Möglichkeit wäre eine begrenzte Militäraktion, mit der er die amerikanischen Kriegsziele für erreicht erklären und anschließend einen Rückzug einleiten könnte.
Beide Szenarien bergen Risiken für Israel. Während Jerusalem möglicherweise weiteren militärischen Druck auf den Iran für notwendig hält, könnte Trump zunehmend an einem schnellen Kriegsende interessiert sein.
Demokraten gewinnen politischen Einfluss
Mit der Kontrolle über beide Kongresskammern können die Demokraten wichtige Ausschüsse leiten und die politische Agenda bestimmen. Innerhalb der Demokratischen Partei gewinnen Politiker an Einfluss, die eine kritischere Haltung gegenüber Israel vertreten. Damit dürften auch die Beziehungen zu Israel und der Krieg im Gazastreifen stärker zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen werden.
Der Kongress kann außerdem Untersuchungen einleiten, Regierungsvertreter vorladen und politischen Druck auf die Regierung ausüben. Zwar kann Trump weiterhin sein Veto gegen Gesetzesvorhaben einlegen, doch die Zusammenarbeit mit einem demokratisch kontrollierten Kongress dürfte schwieriger werden.
Der Blick richtet sich bereits auf 2028
Eine weitere Herausforderung ist die nächste Präsidentschaftswahl. Politiker wie New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani und der neue Senator aus Michigan, Abdul El-Sayed, stehen für eine deutlich israelkritischere Strömung innerhalb der Demokratischen Partei.
Ihr politischer Erfolg könnte andere Präsidentschaftskandidaten dazu bewegen, eine kritischere Haltung gegenüber Israel einzunehmen. Auch die pro-israelische Lobbyorganisation AIPAC dürfte stärker zum Gegenstand parteiinterner Auseinandersetzungen werden.
Für Israel bedeutet das, dass die Beziehungen zu Washington nicht allein von der Unterstützung des Präsidenten abhängen dürfen. Jerusalem muss auch um Rückhalt im Kongress und in beiden großen Parteien werben.
Die eigentliche Herausforderung reicht damit über Trumps verbleibende Amtszeit hinaus. Israel muss sich auf eine amerikanische Politik einstellen, in der die Unterstützung für den jüdischen Staat innerhalb der Demokratischen Partei zunehmend umstritten ist.
Titelbild: Das Kapitol in Washington, D.C., Sitz des US-Kongresses. Foto: Arie Leib Abrams/Flash90