
Israelische Technologie soll NATO-Drohnenabwehr vernetzen
JERUSALEM, 05.11.2026 (DR) – Israel hat bei der Entwicklung moderner Drohnenabwehr erneut seine technologische Innovationskraft unter Beweis gestellt. Das Unternehmen Airwayz hat bei einer NATO-Übung die Software OVERWATCH erprobt, die unterschiedliche Drohnenabwehrsysteme miteinander vernetzen und zentral koordinieren soll. Damit könnte die israelische Technologie eine entscheidende Lücke in der Verteidigung des bisher weniger geschützten unteren Luftraums schließen.
Mehr Sensoren allein reichen nicht
„Man kann sich mit Sensoren und Abwehrmitteln ausrüsten, aber man muss die gewonnenen Informationen auch verstehen können“, erklärte Airwayz-Chef Yaron Rosen gegenüber der Jerusalem Post. Bevor er in die Privatwirtschaft wechselte, war Rosen Brigadegeneral der israelischen Luftwaffe und hatte eine leitende Funktion im Bereich der digitalen Kriegsführung der israelischen Armee (IDF) inne.
Die NATO verfügt bereits über zahlreiche Radargeräte, Sensoren und Abwehrsysteme. Doch die Technik unterschiedlicher Hersteller arbeitet nicht immer reibungslos zusammen. OVERWATCH soll deshalb als übergeordnete Plattform Informationen aus verschiedenen Systemen bündeln und deren Abwehrmaßnahmen koordinieren. Die Software ist selbst weder Radar noch Abfangwaffe, sondern verbindet bereits vorhandene Technik.
Bei einer NATO-Übung im Mai in den Niederlanden wurde OVERWATCH nach Rosens Angaben mit mehr als 45 Erkennungs-, Abwehr- und Führungssystemen vernetzt. Eine darauf aufbauende NATO-Übung fand im August in Lettland statt.
Europa spürt die Bedrohung
„Das Feuer hat ihren Mantel noch nicht erfasst. Aber sie spüren die Hitze“, erklärte Rosen über die europäischen Staaten. Besonders an der NATO-Ostflanke wachse das Bewusstsein für die Bedrohung des unteren Luftraums.
Die NATO verurteilte im August russische Luftraumverletzungen in Polen und Rumänien. Anfang November wurden in Lettland wegen eines verdächtigen Flugobjekts NATO-Kampfjets aktiviert. Auch zivile Einrichtungen sind betroffen: Im September unterbrach der Flughafen Brüssel nach einer Drohnensichtung den Flugbetrieb.
Im Juli kündigten die NATO-Mitgliedstaaten an, binnen fünf Jahren mehr als 40 Milliarden US-Dollar in die Drohnenabwehr zu investieren. Die Beschaffungsagentur des Bündnisses schloss außerdem Rahmenverträge für vollständige Abwehrlösungen ab. Sollte auch OVERWATCH künftig bestellt werden, könnte die Software diese Systeme auf einer übergeordneten Ebene miteinander vernetzen und koordinieren.

Israel kennt die Folgen
Während die europäischen NATO-Staaten ihre Drohnenabwehr ausbauen, ist die Bedrohung für Israel längst Kriegsalltag. Zwar verfügt das Land mit Iron Dome, David’s Sling und Arrow über ein mehrstufiges Raketenabwehrsystem. Kleine, tief fliegende Drohnen stellen die Luftverteidigung jedoch vor andere Herausforderungen.
Wie groß die Bedrohung ist, zeigen Zahlen des israelischen Forschungszentrums Alma: Zwischen Mitte April und Mitte Juni 2026 setzte die Hisbollah bei 629 Angriffen auf Israel und israelische Soldaten im Südlibanon Drohnen ein – mehr als die Hälfte aller erfassten Angriffe.
OVERWATCH wird bereits von der israelischen Armee eingesetzt. Ob künftig auch die NATO auf diese Technologie setzt, bleibt offen.
Titelbild: Drohnenabwehr (Symbolbild) sowie israelische Soldaten bei der Auswertung von Echtzeitdaten (Archivbilder): Die Vernetzung von Sensoren und Abwehrsystemen gewinnt für den Schutz des unteren Luftraums an Bedeutung. Fotos: Miriam Alster/Flash90; Sgt. Max Elliott/U.S. Army